Studie: Abacus, Sage, SAP und Microsoft bei Business-Software vorne

Der Markt für Business-Software in der Schweiz ist heterogen, wobei die Vielzahl der Anbieter und ihrer Produkte kaum überschaubar ist. Neben vielen kleineren Anbietern dominieren einige wenige den Markt. Im Bereich der Finanzbuchhaltung kommt ABACUS bei den KMU auf einen Anteil von rund 20 %. Bei den Kleinstunternehmen sind Produkte aus dem Hause Sage mit zusammen knapp 20 % führend. Auf den weiteren Plätzen folgen SAP und Microsoft Dynamics, wobei SAP bei den grösseren Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten einen Vorsprung gegenüber Microsoft Dynamics verzeichnen kann. Bei der Auftragsabwicklung befindet sich auch Microsoft unter den führenden Anbietern. Dies ist das Fazit einer Studie, die  vom Kompetenzschwerpunkt E-Business des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordwestschweiz in Zusammenarbeit mit sechs Forschungspartnern aus der ICT-Industrie durchgeführt wurde.

Kleinunternehmen buchen auch mit Banana, WinBiz, BusPro und Crésus

Bei den kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten kommen neben Sage und ABACUS auch Banana, WinBiz, BusPro und Crésus (Verbreitung v.a. in der Romandie) auf beachtliche Marktanteile. Auffallend ist der relativ hohe Anteil an Unternehmen, die ausschliesslich Microsoft-Office-Produkte (andere Office-Produkte werden kaum genannt) oder Eigenentwicklungen zur Unterstützung der Finanzbuchhaltung einsetzen, wie es in der Mitteilung zur Studie heisst.

Bei Auftragsabwicklung mischt Microsoft mit

Im Bereich der Auftragsabwicklung dominieren bei den kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten die Microsoft-Office-Anwendungen. Bei den KMU, vor allem den grösseren ab 100 Beschäftigten, erreichen SAP, ABACUS und Microsoft Dynamics die höchsten Marktanteile. Sie liegen um die 10%.

An dieser Marktaufteilung wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht viel ändern, denn fast alle befragten Unternehmen (90 %) sind mit der aktuell eingesetzten Business-Software zufrieden oder sehr zufrieden. Erkennbar wird an diesen Ergebnissen auch, dass Business-Software-Produkte die Bedürfnisse der KMU erfüllen. Damit einhergehend ist festzustellen, dass die Schweizer KMU in den kommenden zwei Jahren ihre Ausgaben für die Beschaffung von Business-Software reduzieren wollen: Es sind gut 10 % weniger Ausgaben budgetiert als im Jahr 2010.

Softwareabdeckung konstant mit Marktsättigung bei den KMU

Die Softwareunterstützung in klassischen betriebswirtschaftlichen Prozessbereichen wie Finanzbuchhaltung, Personalwesen oder Auftragsabwicklung erreichte in Schweizer KMU schon vor einigen Jahren ein sehr hohes Niveau. Im Vergleich dazu kann in der aktuellen Business-Software-Studie 2011 kein nennenswerter Anstieg in der Softwareabdeckung mehr erkannt werden. Die Schweizer KMU nähern sich hier offensichtlich auf hohem Niveau einer Sättigung. Investitionen dienen folglich überwiegend der Erneuerung, Erweiterung oder Ablösung bereits bestehender Software. Gemäss Studie befragt wurden 1‘024 Führungskräfte, insbesondere IT-Verantwortliche und Geschäftsführer.

Die folgende Abbildung zeigt die Verbreitung der Softwarehersteller im sekundären Prozessbereich „Finanzbuchhaltung“ nach Unternehmensgrösse.

Softwarehersteller: Finanzbuchhaltung. Alle Branchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Quelle: Studie der FHNW zur Business-Software
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Autoren der Studie sind Prof. Dr. Uwe Leimstoll und Michael H. Quade vom Kompetenzschwerpunkt E-Business des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Die ausführlichen Studienresultate sind exklusiv den Forschungspartnern vorbehalten. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist hier erhältlich.

Ausgewählte Ergebnisse sind zudem in der Netzwoche erschienen. Zu finden sind sie unter diesem Link.

IAS 24 – Überarbeiteter Standard zum Thema nahe stehende Person oder nahe stehendes Unternehmen

Seit dem 1. Januar 2011 ist die überarbeitete Version von IAS 24 in Kraft. Das International Accounting Standards Board (IASB) hat mit den Änderungen dem Umstand Rechnung getragen, dass die vormaligen Vorschriften zu komplex waren, was die Anwendung in der Praxis erschwerte. Konkret betrifft dies vor allem Unternehmen, die unter staatlicher Kontrolle stehen.

Nahe stehend bei möglicher Beherrschung oder massgeblichem Einfluss

Gemäss grundsätzlicher Auslegung von IAS 24 müssen die Abschlüsse von Unternehmen Informationen enthalten über nahe stehende Unternehmen und Personen sowie über Geschäftsvorfälle und offene Positionen mit solchen Unternehmen. Ziel ist es, Aussenstehenden Angaben zu Verfügung zu stellen, die es erlauben, die Möglichkeit einer Beeinflussung der Vermögens-, Finanz-, Ertragslage zu erkennen. Nahe stehend ist ein Unternehmen oder eine Person, wenn es oder sie die jeweils andere Partei beherrschen oder einen massgeblichen Einfluss auf die Finanz- und Geschäftspolitik ausüben kann.

Direkte oder indirekte Beherrschung

In IAS 24.9 ist definiert, welche Unternehmen oder Personen als nahe stehend zu gelten haben. Danach kann eine Partei direkt oder indirekt ein anderes Unternehmen beherrschen (auch über Zwischenstufen). Eine solche Konstellation ist auch dann gegeben, wenn eine Partei über Anteile auf ein anderes Unternehmen massgeblichen Einfluss ausüben kann oder wenn eine gemeinsame Führung des Unternehmens vorliegt. Partei sein kann auch ein assoziiertes Unternehmen oder ein Partnerunternehmen bei einem Joint Venture. Nahe stehen sind selbstverständlich auch Personen in Schlüsselpositionen.

Nicht nahe stehend sind gemeinsame Geschäftsführer

Nicht notwendigerweise nahe stehend sind Unternehmen und Personen, wenn zwei Unternehmen einen gemeinsamen Geschäftsführer haben. Was nicht nahe stehende Unternehmen und Personen sind, regelt IAS 24.11. Ebenfalls als nicht nahe stehend gelten beispielsweise Kapitalgeber, Gewerkschaften oder Kunden und Lieferanten.

Geschäftsvorfälle mit nahe stehenden Personen

Geregelt sind in IAS 24.9 auch die Geschäftsvorfälle mit nahe stehenden Personen. Zu solchen Geschäftsvorfällen gehört die Übertragung von Ressourcen und Verpflichtungen, auch wenn dabei kein Preis vereinbart wurde. Angaben zu machen sind auch bei einer Unternehmenskonstellation, bei der Beziehungen zwischen einem Mutter- und Tochterunternehmen bestehen (IAS 24.12). Die Managementvergütungen sind Thema von IAS  24.16.

Angabe von Verpflichtungen staatlich kontrollierter Unternehmen als Neuerung

Die Neuerungen betreffen insbesondere Geschäftsvorfälle im Zusammenhang mit staatlich kontrollierten Unternehmen. Gemäss überarbeitetem Standard müssen wichtige Informationen zwar weiterhin pflichtgemäss angegeben werden, doch wenn bei den Geschäftsvorfällen die Eruierung der Informationen mit zu hohen Kosten verbunden ist oder wenn die Angaben wenig Bedeutung haben, können die Unternehmen auf eine Veröffentlichung verzichten. Neu müssen auch Angaben gemacht werden zu jeder Verpflichtung, die ein nahe stehendes Unternehmen oder eine nahe stehende Person eingeht. Verpflichtungen betreffen künftige Handlungen bei Eintreten oder Nichteintreten bestimmter vorher definierter Ereignisse.

Weitergehende Informationen zum Standard IAS 24 erhalten Sie hier.

Controlling bietet keine Entlastung von der Verantwortung

Sobald ein Unternehmen in der Öffentlichkeit wegen irgendeiner Unregelmässigkeit am Pranger steht, wird oft und gerne auf das Versagen des internen Controllings verwiesen. Häufig wird suggeriert, dass das Controlling seine Funktion nicht erfüllt habe. Allenfalls wird mit der Mehrfachbedeutung des Wortes „Controlling“ gespielt, um Verwirrung zu stiften mit dem Ziel, die Firmenleitung zu entlasten. So könnte man argumentieren, dass die Entscheidungen des Managements im entscheidenden Fall nicht gebührend „kontrolliert“ worden seien. Doch abgesehen davon, dass sich das Controlling nicht nur auf die Kontrolle reduziert, liesse sich fragen, was denn die eigentliche Funktion des Controllings ist.

Effiziente und effektive Steuerung und Lenkung auf Basis der Strategie

Controlling meint in erster Linie Lenkung und Steuerung eines Unternehmens. Ziel ist es, die Effizienz („Die Dinge richtig tun“) und die Effektivität („Die richtigen Dinge tun“) der Führung zu erhöhen. Diese Funktionen lassen sich objektiv aufgrund bestimmter Messindikatoren wahrnehmen getreu dem Motto: „If you can measure, you can control“. Die Indikatoren müssen dabei bestimmte Entwicklungen abbilden. Beim Katalog von Indikatoren zeigt sich im Idealfall die Kongruenz mit der Strategie.

Controlling ist mehr als Kontrolle

Controlling lässt sich nicht dem landläufigen Wort Kontrolle übersetzen, da es sich um eine umfassendere Aufgabe handelt. Konkret befasst es sich mit der Kontrolle von Masszahlen, um dem Management Entscheidungsgrundlagen zu bieten. Und mit der Kontrolle ist in zweiter Linie eine Verhaltensänderung verbunden. Doch schliesslich muss das Management für die eigenen Entscheidungen die Verantwortung tragen. Eine Entlastung von dieser Verantwortung kann das Controlling also nicht bieten. Effektivität ist aber auch  im Sinne einer Negativdefinition zu verstehen („Die falschen Dinge nicht tun“).

Controlling als normatives System – auch für das Management

Selbst ein installiertes Internes Kontrollsystem (IKS) kann dem Management bei Fehlentscheidungen keine Entlastung bieten. Denn laut Definition muss ein IKS von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung abgesegnet werden. Soll die Controllingabteilung bei einem Fehlverhalten des Topmanagements intervenieren, ergeben sich zudem  Loyalitätskonflikte. Deshalb muss sich ein Management als oberstes Führungsgremium selbst an die Vorgaben des Controllings halten. Die Führungscrew einer Organisation kann sich nicht herausreden mit dem Hinweis, das Controlling habe nicht funktioniert. Denn normativ ist das Management zur Einhaltung der selbst gewählten Leitlinien verpflichtet. Oder das Controlling wird dann zur Funktion eines Feigenblatts degradiert.

Cloud Computing: Unternehmen sehen Schattenseiten der Wolke, Provider heitere Aussichten

Anbieter von IT-Services schweben auf Wolke sieben, denn das so genannte Cloud Computing ist in der Informatik der Trend der Stunde. Cloud Computing erlaubt den bedarfsgerechten und flexiblen Bezug von Informatikdienstleistungen wie etwa Serverleistungen oder Software. Dadurch lassen sich Kosten senken und Kapazitäten optimal einsetzen (Lesen Sie auch „In der Wolke muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“). Doch Kritiker sehen neben den Vorteilen auch Risiken wie etwa bei der Datensicherheit. Laut einer vor kurzem durchgeführten Studie des Marktforschungsunternehmens IDC tendieren Unternehmen allerdings eher dazu, vorerst im eigenen Rechenzentrum so genannte Private Cloud zu etablieren. Befragt wurden 235 Unternehmen in Deutschland.

Mit Vorbehalt in die Wolke

Laut IDC-Studie wollen sich mehr als zwei Drittel der Unternehmen im Rahmen einer Strategie mit Cloud Computing befassen. Allerdings geben sich 41 Prozent der befragten Unternehmen noch zurückhaltend. Nur 29 Prozent wollen Cloud Computing umfassend nutzen. Lediglich sieben Prozent der Unternehmen haben sich gemäss Studie überhaupt noch nicht mit Cloud Computing befasst, während für sechs Prozent der befragten Firmen der Einsatz von Cloud Computing in absehbarer Zeit nicht in Frage kommt.

Dunkle Wolke Datensicherheit

Aufgrund der Sicherheitsbedenken sind Unternehmen zurückhaltend beim Public Cloud Computing. Fehlende Governance ist für 34 Prozent der Unternehmen ein Grund für die Zurückhaltung, mangelnde Compliance für 24 Prozent. Ungenügende Performance und Verfügbarkeit sehen 24 Prozent der Befragten als Grund für ihre Reserviertheit gegenüber Cloud Computing. Für gut ein Viertel (26%) der befragten Unternehmen haben wegen der „mangelnden Sicherheit des Rechenzentrums“ Bedenken hinsichtlich Cloud Computing.

Public Cloud, Private Cloud oder ein Mix

Wichtiges Kriterium für die Etablierung von Private oder Public Cloud Computing ist die Möglichkeit der „schnellen Implementierung neuer Lösungen/Services“ (Public 32 %, Private 30 %). Hauptgründe für die Implementierung einer Public Cloud sind für die Unternehmen, dass „keine zusätzliche Anschaffung von IT-Infrastruktur“ erforderlich ist (48 %) oder die „Reduzierung von Kosten“ (35 %). Zum Verzicht auf Investitionen in neue IT-Infrastruktur ergeben sich zudem Einsparungen bei der Administration und Wartung sowie dem Betrieb und der Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit. Bei der Software ist anstelle von Lizenzgebühren die Nutzung nach Verbrauch zu berechnen. Als Grund für die Einrichtung von Private Clouds sehen die befragten Unternehmen bei der „effektiveren Nutzung der IT-Infrastruktur“ (35 %).

Über den Wolken sind die Möglichkeiten wohl grenzenlos…

Aufgrund der Sicherheitsbedenken und der unterschiedlichen Motive wird sich laut Befragung voraussichtlich eine gemischte IT-Umgebung aus herkömmlicher Informatik durchsetzen, in der Services in Form von Public und Private Cloud existieren. Zwei Jahre nach der ersten Befragung zu Cloud Computing hat sich jedoch gezeigt, dass Unternehmen sich des Themas annehmen müssen.

Stochern im Nebel statt Strategie zum Cloud Computing bei Unternehmen laut PwC-Studie 

In einer Studie von PricewaterhouseCoopers bieten momentan die Hälfte der befragten Anbieter ausschliesslich Private Cloud-Umgebungen an und ein Viertel Public Cloud, während ein Viertel beide Arten anbietet. Allerdings sind nach Einschätzung der befragten Provider umfassende Strategien zum Cloud Computing bei den Nutzern trotz hohem Interesse nicht sehr ausgereift. So hätten bisher nur wenige Nutzer eine umfassende Cloud-Strategie, die mit der IT-Strategie des Unternehmens harmonisiert ist, wie es in der Studie heisst.

Prinzipal-Agent-Theorie – Funktionen der internen Unternehmensrechnung

Das Management einer Tochtergesellschaft in einem aufstrebenden Markt beschliesst ohne Rücksprache mit den Konzernverantwortlichen, mit der Gewährung grosszügiger Rabatte Umsatz zu bolzen. Es handelt sich um ein in der Betriebswirtschaft bekanntes Problem, das sich aufgrund der Delegation von Aufgaben ergeben kann und welches auch das Controlling betrifft. Die Prinzipal-Agent-Theorie zeigt nun auf, welche Problemfelder sich im Verhalten von Entscheidungsträgern unter Annahme bestimmter Grundkonstellationen ergeben können. Bei einem Unternehmen gilt beispielsweise der Aktionär als der so genannte Prinzipal, während ein Topmanager in der Funktion des Agenten agiert. Prinzipal kann aber auch eine Firmenzentrale sein und Agent ein Bereichsleiter.

Zentraler Bestandteil des Controllings ist die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR), die einerseits die Basis ist für eigene Entscheide mit kurzfristiger Wirkung. Andererseits hat die KLR auf lange Sicht auch eine Verhaltenssteuerung zum Ziel, wobei in diesem Fall die Beeinflussung von Entscheiden Dritter im Vordergrund steht. Und bei dieser Verhaltenssteuerung von Kader und Mitarbeitern setzt die Prinzipal-Agent-Theorie an.

Quelle: http://studix.wiwi.tu-dresden.de/Wiki-fi/index.php/Prinzipal-Agent-Theorie
 

Asymmetrische Informationsverteilung lässt sich ausnützen

Problemfelder in diesem Beziehungsgeflecht betreffen die asymmetrische Informationsverteilung und mögliche Zielkonflikte zwischen Prinzipal und Agent. Bei der Informationsasymmetrie sind die Entscheidungsbefugnisse auf mehrere Personen verteilt und die Informationsbeschaffung erfolgt durch die beauftragte Person, also den Manager. Deshalb kann es in der Praxis sein, dass Leitungsgremien oder Bereichsleiter aufgrund ihrer hierarchischen Position über mehr Detailinformationen verfügen als die Firmenzentrale. Und es kann unter Umständen zudem fraglich sein, ob seine Berichterstattung ans Headquarter immer wahrheitsgemäss ist. Denn der Agent sitzt bezüglich Information oft am längeren Hebel.

Zielkonflikte sind vorprogrammiert

Zielkonflikte wiederum ergeben sich aufgrund unterschiedlicher Präferenzen. So können für die Zentrale finanzielle Oberziele eines Unternehmens Priorität haben, während ein Bereichsleiter dagegen persönliche Ziele wie die Karriere oder eine saftige Entschädigung als wichtiger erachtet. Solche Zielkonflikte entstehen in bestimmten Delegationsbeziehungen, bei denen der Prinzipal dem Agenten einen Auftrag erteilt, wobei Präferenzen und Interessen unterschiedlich sein können. Entscheidend ist nun, dass sich das Verhalten des Entscheidungsträgers nicht beobachten lässt. Folge: Es kommt zu Informationsineffizienzen. Die Aufstellung unten zeigt die Verhaltensunsicherheiten bei Koordinationsproblemen zwischen verschiedenen Parteien.

 

Quelle: Ulrike Stefani, Ewert / Wagenhofer
 

Die Prinzipal-Agent-Theorie versucht für die Grundkonflikte Handlungsstrategien abzuleiten, um den Gesamtnutzen zu erhöhen. Der Prinzipal (z.B. Aktionär) hat die Möglichkeit, die Tätigkeiten des Managements zu beobachten und es angemessen zu entschädigen. Eine Rolle spielt zudem, ob sich Prinzipal und Agent risikoscheu oder risikoneutral verhalten.

Ist das Verhalten des Agenten vom Prinzipal nicht beobachtbar, besteht eine Informationsasymmetrie und somit ein Problem des Anreizes. Der Agent kann sein Verhalten zum Beispiel mit ungünstigen Umständen rechtfertigen, ohne dass der Prinzipal dies nachprüfen kann. Grundsätzlich will die Prinzipal-Agent-Theorie Zielkonflikte zwischen den Parteien durch Interessenausgleich reduzieren. Das Konzept ermöglicht es aber auch, Handlungsstrategien und Massnahmen abzuleiten.

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Dann informieren Sie sich bei der AKAD Business an einem der kommenden Infoanlässe über den Studiengang „Expertin/Experte in Rechnungslegung und Controlling mit eidg. Diplom“

Interview: Diskussion zum Ersatz der Methode Percentage of Completion Teil 1/2

Bei grossen Fertigungsaufträgen, die allenfalls über mehrere Jahre dauern, besteht das Problem, wie ein Unternehmen die auf die einzelnen Abrechnungsperioden entfallenden Erträge bzw. Kosten aufteilt. Eine Möglichkeit besteht in der Anwendung der so genannten POC-Methde (POC = Percentage of Completion). Danach werden Auftragserträge die Auftragskosten gegenübergestellt, um den Fertigungsgrad zu bestimmen. Entsprechend lassen sich Erträge und Kosten den jeweiligen Abrechnungsperioden zuordnen. Doch das International Accounting Standards Board (IASB) will die buchhalterische Behandlung des Ertrags bzw. dessen Realisierung neu ausrichten. Daniel Zaugg und Markus Abderhalden (beide Wirtschaftsprüfer bei Ernst & Young) beantworten einige Fragen zum  Stand der Entwicklung.

Aufgrund welcher Standards erfolgt die Erfassung der Erträge bisher?

Grundsätzlich wird bis heute die Erfassung von Umsatzerlösen in IAS 18 (International Accounting Standards) geregelt. Separat geregelt wird die Erfassung der Erträge aus kundenspezifischen Fertigungsaufträgen bis heute in IAS 11 (Fertigungsaufträge). Die Umsatzrealisierung erfolgte bis anhin nach dem Konzept Percentage of Completion (POC).

Können Sie den Ansatz anhand eines Beispiels erläutern?

Dieser Ansatz hat zur Folge, dass Umsatz und Gewinn im Verhältnis des Arbeitsfortschritts erfasst werden. Sehr oft wird in der Praxis der Arbeitsfortschritt ermittelt, indem man bereits angefallene Kosten zu den insgesamt anfallenden Kosten ins Verhältnis setzt. Angenommen bei einem Unternehmen bestehen für einen Auftrag folgende Eckdaten:

  • Herstellkosten (HK) für den Auftrag von insgesamt CHF 100
  • bereits angefallene Kosten von CHF 80 (=80% der totalen HK) in der entsprechenden Periode
  • ein vereinbarter Verkaufsvertrag für diesen Auftrag von CHF 150
  • noch keine Rechnung bzw. keinen Umsatz realisiert in der entsprechenden Periode

Fazit: Das Unternehmen würde in der entsprechenden Periode einen Umsatz von CHF 120 (=80%) und Aufwendungen von CHF 80 erfassen sowie 80%igen Gewinn von CHF 40.

Worin bestehen die Vor- und Nachteile dieser Methode?

Vorteile: Die Gewinnmarge wird gleichmässig über die Projektdauer im Verhältnis des Arbeitsfortschritts erfasst, was eine volatile Erfolgsrechnung verhindert. Dies trägt zu einer transparenten und betriebswirtschaftlichen Darstellung der Finanz- und Ertragslage im Sinne der True and Fair View bei.

Nachteile: Die Methode ist aufwändig und birgt eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Schätzung des Arbeitsfortschrittes und des Gesamtergebnisses (Laufende Überarbeitung des Arbeitsfortschritts und der Schätzung, Berücksichtigung von den noch anfallenden Kosten, sofortige und 100%ige Berücksichtigung eines allfälligen Verlusts).

Wir danken für die Beantwortung der Fragen.

Interviewpartner:

  • Daniel Zaugg, dipl. Wirtschaftsprüfer, Partner, Ernst & Young Zürich, daniel.zaugg(at)ch.ey.com
  • Markus Abderhalden, dipl. Wirtschaftsprüfer, Senior Manager, Ernst & Young St. Gallen, markus.abderhalden(at)ch.ey.com

BIP 2011/Q2: Moderates Wachstum in schwierigem Umfeld

Das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz (BIP) ist zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal 2011 um 0,4% gestiegen. Positive Wachstumsimpulse gingen vor allem von der Handelsbilanz mit Waren aus, da die Importe zurückgingen und die Exporte zunahmen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO heute in einer Mitteilung schreibt. Der private Konsum habe sich leicht erhöht, während die Bruttoanlageinvestitionen einen Rückgang verzeichneten. Produktionsseitig hätten vor allem die binnenwirtschaftlichen Dienstleistungssektoren zum Wachstum beigetragen, nicht hingegen die Industrie und der durch Finanzmarktdienstleistungen geprägte Sektor. Verglichen mit dem 2. Quartal des Vorjahres resultierte ein BIP-Wachstum von 2,3%, wie das SECO weiter schreibt.

Die Veränderungsraten des BIP gemäss SECO-Statistik (Quelle)
 

„Im internationalen Vergleich ist die Wachstumsrate für das 2. Quartal noch relativ gut, denn in Europa gibt es Länder mit einem Nullwachstum“, sagt Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Allerdings müsse man bedenken, dass sich im Juni und Juli Anzeichen für eine Verlangsamung gehäuft hätten. Insbesondere der Purchasing Managers Index (PMI) oder der ISM Einkaufsmanagerindex zeigten in diese Richtung. Aufgrund dieser Verlangsamung der Konjunktur sollte man für das 3. Quartal mit einem schwächeren Wachstum rechnen, so Parnisari.

Privatkonsum steigt leicht

Der private Konsum ist im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,2% gestiegen. Positive Beiträge lieferten insbesondere die Bereiche Wohnen, Gesundheit und die Rubrik Sonstiges, während die Konsumausgaben für Nahrungsmittel deutlich zurückgingen, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Staat stützt BIP – Unternehmen vorsichtig

Der Staatskonsum nahm im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,8% zu. Die Bruttoanlageinvestitionen sanken im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,0%. Der Rückgang beläuft sich auf 1,5% bei den Ausrüstungsinvestitionen und 2,5% bei den Bauinvestitionen, wie es in der SECO-Mitteilung heisst. Nach einer im Durchschnitt starken Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen zwischen Ende 2010 und Anfang 2011, sei es im 2. Quartal zu einer Gegenbewegung auf relativ hohem Niveau gekommen.

Uhren glänzen bei den Warenexporten – sinkende Aussenhandelspreise (-1.8%)

Die Warenexporte (ohne Edelmetalle, Edel- und Schmucksteine sowie Kunstgegenstände und Antiquitäten) stiegen im 2. Quartal um 0,9%. Dabei hätten die Kategorien Chemikalien und verwandte Erzeugnisse sowie die Uhren positive Impulse geliefert. Die Exporte der Rubrik Maschinen, Apparate und Elektronik bildeten sich hingegen zurück.

Die Warenimporte (ohne Edelmetalle, Edel- und Schmucksteine sowie Kunstgegenstände und Antiquitäten) nahmen um 1,9% ab. Der Rückgang betraf fast alle Rubriken der Warenimporte, wie das SECO schreibt.

Die seit einigen Quartalen andauernde rückläufige Tendenz der Aussenhandelspreise setzte sich ebenfalls fort.  Die Exportpreise sanken um 1,8% und die Importpreise um 0,9%.

Dienstleistungsexporte stark im Minus

Die Dienstleistungsexporte sanken im 2. Quartal um 6,2%. Stark zu diesem Rückgang trugen die sehr volatilen Transithandelsgeschäfte bei. Die Tourismusexporte stagnierten. Ebenfalls rückläufig war die Entwicklung der Dienstleistungsimporte (-1,3%).

Wachstum dank Handel, Gastgewerbe, Verkehr und öffentliche Dienste – Industrie rückläufig

Auf der Produktionsseite trugen der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste (+0,9%) sowie der durch öffentliche Dienstleistungen geprägte Sektor (+0,7%) im 2. Quartal positiv zum BIP-Wachstum bei. Demgegenüber stagnierte die Wertschöpfungsentwicklung in der Industrie und verlief im durch Finanzmarktdienstleistungen geprägten Sektor gar leicht rückläufig (-0,1%).

Der Deflator des Bruttoinlandprodukts stieg um 0,8% im Vergleich zum 2. Quartal 2010. Ebenfalls im Vergleich zum Vorjahresquartal setzten die Preise für Ausrüstungsgüter ihren Rückgang, der seit Anfang 2009 zu beobachten ist, fort (-2,8%). Der Deflator der Bauinvestitionen nahm um 2,0% zu. Ohne gegenteilige Anmerkung werden die hier aufgeführten Veränderungsraten gegenüber dem Vorquartal (ohne Hochrechnung auf Jahresbasis) aus saison- und preisbereinigten Reihen berechnet. „Real“ steht dabei als Abkürzung für die Formulierung „zu Preisen des Vorjahres (Referenzjahr 2000).

Interview: Kardex Gruppe kehrt IFRS zu Gunsten von Swiss GAAP FER den Rücken

Unternehmen, die ihre Rechnungslegung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) durchführen, klagen in diesem Zusammenhang seit Jahren über den zunehmenden administrativen Aufwand. Nun hat der Verwaltungsrat der Kardex AG laut Medienmitteilung vom 23.08.2011 entschieden, die Rechnungslegung der Kardex Gruppe auf den Jahresabschluss 2011 per 1. Januar 2011 von IFRS auf Swiss GAAP FER umzustellen. AccountingundControlling.ch hat Thomas Reist, Head of Group Controlling bei der Kardex Gruppe, zum Entscheid einige Fragen gestellt.

Seit wann erfolgte bei der Kardex-Gruppe die Rechnungslegung nach IFRS?

Die Kardex-Gruppe rapportiert seit dem 1.1.2004 nach IFRS, das Jahr 2003 wurde restated.

Was war damals der Grund für den Wechsel des Standards?

In Anlehnung an die Europäische Union hat die Schweizerische Börse ab dem 31.12.2005 die Rechnungslegung nach IFRS verlangt, wodurch die Kardex-Gruppe zwei Optionen hatte: entweder ein Going-Private oder IFRS anwenden. Bekanntlich hat sich die Kardex-Gruppe für Zweiteres entschieden.

Welche Vorteile sehen Sie vor allem beim Wechsel auf Swiss GAAP FER?

Die Vorteile von Swiss GAAP FER gegenüber IFRS liegen vorwiegend in den Nachteilen von IFRS. Für alle Anwender von IFRS ist der Aufwand, die Neuerungen nachzuvollziehen, mögliche Implikationen bei der Rechnungslegung frühzeitig zu erkennen und im Anschluss einzuführen, enorm. Die Kardex-Gruppe mit seinen rund 2‘100 Mitarbeitern und 45 legalen Gesellschaften weist heterogene Geschäftseinheiten auf. Einerseits existieren grosse legale Einheiten mit einem gut ausgebauten Finanzapparat, andererseits aber auch sehr kleine Einheiten bei welchen die finanziellen Abschlüsse durch Finanzleute vorgenommen werden, die eher Generalisten als Rechnungslegungs-Spezialisten sind. In dieser Struktur sind Anpassungen von Rechnungslegungsstandards herausfordernd und zeitintensiv, um auch die qualitativ einwandfreie Umsetzung sicherzustellen.

Häufige Anpassungen von Standards reduzieren zudem die Vergleichbarkeit mit weiter zurückliegenden Geschäftsjahren, was es für die Stakeholder schwierig macht Mehrjahresvergleiche vorzunehmen. Gerade die anstehenden Neuerungen bei IFRS bezüglich Leasing (IAS 17) und Revenue Recognition (IAS 11) hätten für die Berichterstattung der Kardex-Gruppe grossen Einfluss, würden den administrativen Aufwand weiter erhöhen und unserer Meinung nach die Transparenz für den Leser der Geschäftsberichte eher negativ als positiv beeinflussen.

Welche Nachteile könnten für Kardex durch den Wechsel des Standards ergeben?

Ein Nachteil ist natürlich der Wechsel vom Main- in den Domestic Standard an der SIX Swiss Exchange. Aufgrund von unserer Aktionärsstruktur fällt dieser Nachteil aber eher weniger ins Gewicht.

Eine Herausforderung wird sicherlich die Implementierung und Durchsetzung von Swiss GAAP FER in der Kardex-Gruppe, da dieser Standard ausserhalb der Schweiz unbekannt ist. Hier ist interne Kommunikation und Know-how-Transfer stärker gefragt als unter IFRS.

Die IFRS Fondation richtet sich mit „IFRS for SME“ (IFRS for Small and Medium Enterprises) an kleine und mittelgrosse Unternehmen. Es handelt sich dabei um eine Art abgespeckte Version des IFRS-Standards. Bringt entgegen der Absicht der IFRS-Fondation „IFRS for SME“ tatsächlich keine administrative Erleichterung? Können Sie ein Beispiel nennen, wo „IFRS for SME“ im Vergleich zu IFRS trotzdem zu hohem administrativem Aufwand führt?

IFRS for SME war für die Kardex-Gruppe keine Alternative, da dieser Standard zur Zeit an der SIX Swiss Exchange nicht zugelassen ist. Grundsätzlich empfinde ich IFRS for SME als praktikable Alternative zu den „grossen“ Standards für internationale KMU. Gerade die selbstauferlegte Frist, den Standard während 3 Jahren nicht anzupassen, empfinde ich als grossen Vorteil.

Sie schreiben in der Medienmitteilung von einem „grossen Aufwand“. Mit welchen Kosteneinsparungen durch den Wechsel des Standards rechnen Sie?

Bei Revision, versicherungsmathematischen Gutachten und Druckkosten für die Geschäftsberichte (aufgrund von reduziertem Umfang) können direkte Einsparungen von rund CHF 250‘000 realisiert werden. Nach vorsichtiger Schätzung gehen wir von zusätzlichen rund CHF 300‘000 indirekten Einsparungen aus.

Können Sie ein Beispiel nennen für die komplexen Detailregelungen, die bei der Rechnungslegung zu hohen Kosten führen?

IAS 19, Retirement Benefit Obligations. Für die versicherungstechnischen Analysen müssen teure Fachleute hinzugezogen werden.

Haben Sie den Eindruck, dass die Regulierungsdichte in den letzten Jahren noch zugenommen hat?

Ja, ganz klar. Die Regeldichte und Häufigkeit von Überarbeitungen hat bei IFRS in den letzten Jahren merklich zugenommen. Dies basiert meiner Meinung nach auf zwei wesentlichen Faktoren: Einerseits die Konvergenz zwischen IFRS und US GAAP, andererseits aber auch auf der Finanzkrise, die gezeigt hat, dass die Transparenz bezüglich effektiv eingegangener Risiken weder unter US GAAP noch IFRS gegeben war.

Für mich als Anwender entsteht mehr und mehr das Gefühl, dass die Standards weit weg von der Praxis entstehen und enormen administrativen Mehraufwand generieren, die dem Leser in der Interpretation der Abschlüsse keinen Mehrnutzen bringen.

Wir danken für die Beantwortung der Fragen.

Interviewpartner:
Thomas Reist ist Betriebsökonom FH und hat einen Master (MaS) in Corporate Finance abgeschlossen. Seit 11 Jahren in verschiedenen Funktionen im Accounting und Controlling ist er nun als Head of Group Controlling bei der Kardex-Gruppe für die korrekte Rechnungslegung und die Erstellung der Jahres- und Halbjahresabschlüsse verantwortlich. Zudem ist er Projektleiter bei der Umstellung auf Swiss GAAP FER.

Was Unternehmen laut OSEC gegen die Frankenstärke tun können

Was Unternehmen gegen die Frankenstärke tun können
Die Intervention der Nationalbank hat beim Währungspaar Euro-Franken zu einer leichten Entlastung geführt. Trotzdem bleibt die Situation für exportierende Unternehmen angespannt. Im Juni 2011 zeigen sich die Folgen des starken Frankens. Der schweizerische Aussenhandel rutschte im Juni nominal tief in die Minuszone, wie die Eidgenössische Zollverwaltung in einer Mitteilung schreibt. So gingen die Exporte um 8.2 Prozent (real +3.1%) auf CHF 15.8 Mrd. zurück. Die Preise für Exportgüter verringerten sich laut Medienmitteilung um hohe 10.9 Prozent. Der Aussenhandel hat im 1. Halbjahr 2011 laut Zollstatistik nominal um 4.3% auf 100.2 Mrd. CHF zugelegt (real. +11.7%). Doch was können Unternehmen gegen den starken Franken tun?

Dienste des Aussenhandelsförderers OSEC werden rege genutzt
Eine Möglichkeit ist die Erschliessung neuer Absatzmärkte. Unterstützung leistet dabei die OSEC, der Aussenhandelsförderer des Bundes. Dass die Unternehmen unter Druck stehen, zeigt sich an der sprunghaften Zunahme der Beratungsanfragen. Allein im ersten Semester ist die Zahl der Firmen, die bei der OSEC um ein Beratungsgespräch angefragt haben, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr 20 Prozent angestiegen.

Qualität und Swissness – und Kosten senken mit Überprüfung des Einkaufs
Die OSEC gibt fünf Empfehlungen, wie exportorientierte Unternehmen die Auswirkungen des starken Frankens mildern können. So sollten Firmen ihr Angebot vermehrt auf Qualität und das so genannte Swiss Premium ausrichten, wie der CEO der OSEC, Daniel Küng, in einem Blog schreibt. Mit einer Erneuerung der Produkte liesse sich das Preisniveau halten.
In der aktuellen Situation kämen die Unternehmen nicht umhin, die Kostenstrukturen anzupassen. Allenfalls könne schon eine Überprüfung des Einkaufs bei alternativen Herkunftsländern zu tieferen Kosten führen, wie Daniel Küng als zweite Empfehlung schreibt.

Konzentration der Kräfte und neue Märkte in Schwellenländern suchen
Die OSEC rät weiter, zu einer kritischen Überprüfung des eigenen Produktportfolios im Ausland sowie eine noch stärkere Fokussierung auf ausgewählte Märkte, um die angestrebten Margen halten zu können. Die Konzentration der Verkaufsmassnahmen auf ausgewählte Märkte und die Markterschliessung in wachstumsstarken Schwellenländern, kann laut Küng den Unternehmen zusätzliche Vorteile bringen.

Zulieferung überprüfen und Absicherung der Währungsrisiken
Zudem empfiehlt die OSEC, preisliche Anpassungen bei den Zulieferfirmen zu verlangen und die Abrechnungsmodalitäten zu ändern. Bereits gingen viele Exportfirmen dazu über, von den Lieferanten zu verlangen, in Euro abzurechnen. Und nicht zuletzt liessen sich die Währungsrisiken mit finanztechnischen Massnahmen absichern.

Interview: Regelwerk IFRS/IAS für Komax nur bedingt zweckmässig

Bei der Rechnungslegung sind international ausgerichtete Konzerne immer mehr einer zunehmenden Regeldichte ausgesetzt. Für die im Nebensegment der Schweizer Börse kotierte Komax-Gruppe ist die Anwendung des Regelwerks IFRS/IAS nicht immer zweckmässig, wie Pascal Imfeld, Head of Group Controlling des Unternehmens sagt. Die Komax-Gruppe ist in den Bereichen Kabelverarbeitung, Photovoltaik und Medizinaltechnik tätig, wobei der Umsatz im Geschäftsjahr 2010 CHF 340.2 Mio. betrug.

Nach welchem Standard führt die Komax Schweiz die Rechnungslegung durch?

Der konsolidierte Abschluss der Komax Holding AG wird auf Basis der IFRS erstellt.

Was sind die Hauptkriterien für die Wahl des verwendeten Standards (z.B. Erschliessung neuer Kapitalmärkte)?

Der Standard wurde insbesondere aufgrund der Börsenkotierung 1997 implementiert, wobei das internationale Tätigkeitsfeld der Gruppe mitentscheidend war.

Mittlerweile sind die Geschäftsberichte grösserer Unternehmen zu Büchern herangewachsen. Können Sie kurz erläutern, welches für ein multinationales Unternehmen wie Ihres bei der Rechnungslegung der aufwändigste Bereich ist?

Nebst der Erstellung der eigentlichen Jahresrechnung (Bilanz, ER, Geldflussrechnung), bei der die teils komplexen Bewertungsvorschriften von IFRS vollumfänglich anzuwenden sind, besteht ein äusserst aufwändiger Teil insbesondere darin, den weitreichenden Offenlegungsvorschriften gerecht werden zu können.

In den letzten Jahren sind die internationalen Standards ständig angepasst worden. Wie gehen Sie mit der zunehmenden Regeldichte um?

Durch aktive regelmässige Informationsbeschaffung direkt an der Quelle (d.h. via IASB) oder über Fachzeitschriften, aber auch durch die Interaktion mit Revisionsstellen und den Besuch von Seminaren halten wir uns in Bezug auf die Entwicklung des Regelwerkes auf dem Laufenden und setzen uns frühzeitig mit allfälligen Neuerungen auseinander bzw. beurteilen die möglichen Auswirkungen auf die Jahresrechnung und den Ausweis. So lässt sich die zunehmende Regeldichte relativieren, weil nicht alle Neuerungen stets einen Einfluss auf das berichtspflichtige Unternehmen haben.

Sind die verwendeten Standards zweckmässig und wo sehen Sie allenfalls noch Handlungsbedarf?

Die Standards im Rahmen der IFRS sind mitnichten alle zweckmässig. Einige Standards sind durchaus sinnvoll und praktikabel, bei anderen ist die Durchsetzung und Anwendungsmöglichkeit fragwürdig. Generell besteht aus unserer Sicht momentan die Tendenz, bislang verständliche IFRS/IAS zu verkomplizieren und den Aufwand für die korrekte Anwendung somit um ein Vielfaches zu erhöhen. Aktuell trifft dies in etwa auf den Exposure Draft zur Erlöserkennung zu.

Was steht in Sachen Rechnungslegung zuoberst auf Ihrer Wunschliste?

Das Ziel, mit der Anwendung von IFRS bzw. der Angleichung zwischen IFRS und US GAAP international vergleichbare Unternehmensabschlüsse zu erhalten, wird meines Erachtens massiv verfehlt. Es werden immer mehr und komplexere Standards ausgearbeitet, die letztlich ein hohes Mass an Interpretation bedürfen und nach „Best practices“ verlangen. Gut fürs Revisionsbusiness, schlecht für die Bericht erstattenden Unternehmen.

Wir danken für die Beantwortung der Fragen.

Interviewpartner:
Pascal Imfeld, Head of Group Controlling, Komax Holding AG