Implenia-CEO Anton Affentranger mit Einblicken aus erster Hand [VIDEO]

Die Implenia AG ist mit rund 6’400 Mitarbeitenden und einem Umsatz von knapp CHF 2.7 Mrd. (2012) das grösste Bauunternehmen der Schweiz. Der an der SIX Swiss Exchange kotierte Konzern bewegt sich in einem hochkompetitiven Umfeld. Denn der Markt ist stark fragmentiert, weshalb das Unternehmen mit einer Vielzahl von kleinen, regional verankerten Anbietern in Konkurrenz steht, ebenso unterschiedlich sind die Volumen der einzelnen Bauprojekte. Man stelle sich vor: Gesamthaft war Implenia im letzten Jahr gleichzeitig auf insgesamt rund 4‘000 Baustellen tätig. Zugleich will das Unternehmen noch vermehrt in ausländischen Märkten Fuss fassen, wobei es dazu beispielsweise in Norwegen aufgrund unterschiedlicher Mentalitäten mehrere Anläufe benötigte (siehe Handelszeitung: Implenia: Multimillionen-Auftrag in Norwegen. 8.1.2014).  Zudem stehen grosse Infrastrukturprojekte wie die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) vor der Fertigstellung. Auch ist die Implenia AG wie andere Bauunternehmen den Gefahren ausgesetzt, die von einer Überhitzung des Immobilienmarktes ausgehen.

Es sind also spezielle Bedingungen, in denen sich das Unternehmen bewegt. Grund genug, sich mit dem Big Player und mit der gesamten Branche eingehender zu befassen.

Anton Affentranger, CEO von Implenia, spricht zum Thema Innovation in der Baubranche. Gemeinhin verbindet man die Baubranche allerdings nicht direkt mit dem Thema Innovation. Doch auf dem Gebiet des Equipments oder bei den Baumaterialien kommen laufend Neuerungen auf den Markt. Abläufe und Arbeitsprozesse sind periodisch anzupassen. Und Anton Affentranger erwähnt, wie er bei den Kollegen im Management immer wieder für grosse Augen sorgt, wenn es darum geht, die Strategie anzupassen. Dabei stellt er schon mal gerne die Dinge auf den Kopf. Sein Motto: Veränderungen bewirken muss man aus einer Position der Stärke.

Wenn Sie von Anton Affentranger mehr über die Implenia AG, das integrierte Businessmodell, Leistungs- und Produktportfolios oder Bauwerke und Lebenszyklen erfahren wollen, dann sehen Sie sich das folgende Video an.

Übrigens: Implenia-Finanzchef Beat Fellmann erhielt kürzlich in der Kategorie „SPI-Unternehmen“ den CFO of the Year Award 2014. Im Interview mit AccountingundControlling.ch gibt er spannende Einblick in die finanzielle Führung und die Prozesse zur Steuerung der Gruppe. Klicken Sie hier, um zum Interview zu gelangen.

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CFO-Interview: Vive le ROIC! Und was für die Looser Holding AG sonst noch zählt

Die Looser Holding AG ist eine weltweit agierende Unternehmensgruppe, die in den Segmenten Beschichtungen, Temperierungen, Industriedienstleistungen und Türen tätig ist. Mit insgesamt 23 operativen Gesellschaften hat die Looser Holding AG Nischenmärkte in Asien, Europa und den USA erschlossen. Im Bereich Beschichtung produziert und vertreibt das Unternehmen Holz-, Verpackung-, Industrie- und Antihaftlacke. Industriedienstleistungen erbringt Looser für die Baubranche, die öffentliche Hand sowie für Events mit mobilen Raumsystemen, Krane und Baugeräte. Das Segment Temperierung umfasst Wärmeübertragungsanlagen, Rückkühlaggregate und Temperiersysteme für die verschiedensten Branchen. Im Segment Türen schliesslich produziert und vertreibt Looser Zargen und Türen aller Art etwa für den Schutz vor Brand, Wärme, Rauch und Strahlung. Die Looser Holding AG ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Christoph Fierz, Chief Financial Officer (CFO) bei der Looser Holding AG, sagt, welche Kennzahlen bei der Führung wichtig sind und was das Credo bei der Rendite ist. Die folgenden Antworten beziehen sich auf persönliche Meinungen und sind damit natürlich nicht allgemein gültig.

Welche Kennzahlen sind für die Führung des Unternehmens zentral?

  • Profitabilitätskennzahlen: z.B. Renditen auf dem investierten Kapital wie z.B. Return on Invested Capital (ROIC), Return on Net Operation Assets (RONOA); ROI etc.
  • Cashflow-Kennzahlen: z.B. Cashflow brutto sowie Free Cash Flow
  • EBITDA und EBIT, sowie EBITDA und EBIT-Marge
  • Produktivitätskennzahlen wie z.B. Wert Output pro Stück. dividiert durch Wert Herstellungskosten pro Stück. etc.
  • Liquiditätskennzahlen wie z.B. EK-Quote, Nettoverschuldung etc.

Wieso haben Sie diese Kennzahlen als Führungs- und Steuerungsgrössen gewählt?

  • Profitabilität, Cashflow, Liquidität- und Produktivitätskennzahlen berücksichtigen praktisch die vollständige Wertschöpfung einer Unternehmung
  • Rendite und Margen aber auch Cash-Kennzahlen sind äusserst wichtig für die Steuerung eines Unternehmens; Cashkomponente ist immer zu berücksichtigen, denn Cash ist der „Schnauf“ eines Unternehmens

Nach welchen internen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen richten Sie in Ihrem Unternehmen die Investitionsentscheide aus?

  • Betreffend Capex (Investitionen in Sachanlagen): Dynamische Investitionsrechnung mit einer Payback-Methode; Renditevorgabe: mindestens 10%
  • Betreffend Akquisitionen: verschiedene Kennzahlen analog der Frage 1.; Hauptsächlich jedoch EBITDA- und EBIT-Margen sowie ROIC; ROIC muss über dem Weighted Average Cost of Capital (WACC) der eigenen Gesellschaft resp. der Gruppe liegen.

Welche volkswirtschaftlichen Indizes berücksichtigen Sie konkret bei Investitionsentscheiden? 

  • Je nach Land und je nach Märkten sind Wirtschaftswachstumsraten der betroffenen Branche relevant. Insbesondere  bei Akquisitionen sowie bei der Budgetierung bzw. bei der Definition der Ziele (z.B. Branchenwachstum im Maschinenbau in Deutschland oder Entwicklungen in der Kunststoffindustrie, Wachstum resp. Veränderung der Märkte in der Baubranche mit spezieller Betrachtung der  Bereiche Wohn – und Wirtschaftsbauten, etc.)
  • Bei Capex werden solche Indizes weniger berücksichtigt, zumal in diesem Bereich mehr eine Nutzenrechnung entscheidend ist (Investition versus Netto-Nutzen aus dieser Investition).

Welche Renditekennzahl ist für Sie relevant (z.B. Return on Capital Employed (Roce), Return on Net Assets (Rona), ROI)?

ROIC wird in unserem Unternehmen seit einigen Jahren als „Kredo“ eingesetzt.

Nach welchem Konzept beurteilen Sie die Werthaltigkeit von Investitionen und warum?

  • Capex: Diskontierte Nettonutzen werden der Investition gegenüber gestellt.
    Siehe auch Dynamische Investitionsrechnungen.
  • Akquisitionen: DCF-Methode als Näherungswert; Rest ist Verhandlungssache
  • Goodwill/Immaterielle Vermögenswerte: DCF-Methoden via Impairment-Tests

Wir danken Christoph Fierz für die Beantwortung der Fragen.

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CFO-Interview: Welche Kennzahlen für die Galenica AG zählen

Kennzahlen sind als hard facts für die Führung von Unternehmen unabdingbar. Ausgerichtet auf die Bedürfnisse des Managements, bedienen sich die Unternehmen aus verschiedensten Systemen von Kennzahlen. Einige Kennzahlen sind dabei für börsenkotierte Unternehmen state of the art, andere wiederum werden für Vergleiche innerhalb der Branche herangezogen. Welche Kennzahlen für die Galenica AG   entscheidend sind, sagt Dr. Jörg Kneubühler, CFO und Leiter Human Resources. Die Galenica Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt pharmazeutische Spezialitäten, bietet Logistikdienstleistungen an, führt Apotheken und etabliert Datenbanken und Netzwerke (Aktienkurs hier).

Jörg Kneubühler

Welche Kennzahlen sind für die Führung des Unternehmens zentral?   

Neben dem üblichen Standard-Kennzahlenset setzen wir im Rahmen der wertorientierten Unternehmungsführung seit 8 Jahren auch den Economic Profit (Economic Value Added oder kurz EVA) ein. Diese wichtige Führungsgrösse erlaubt es uns, im Benchmark mit anderen eine auf nachhaltige Wertschaffung ausgerichtete Unternehmensführung umzusetzen.

Nach welchen internen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen richten Sie in Ihrem Unternehmen die Investitionsentscheide aus?

Im Fokus stehen dabei die Discounted-Cashflow-Methode (DCF) mit komplexitätsabhängiger Anzahl Szenarien und Sensitivitätsanalyse. Im Weiteren wollen wir beispielsweise bei Akquisitionen auch immer das jeweilige Risikoprofil der Vorleistungen und die Aufteilung des Unternehmenswertes in Current Operational Value – das, was die Unternehmung zurzeit leistet –  und Future Growth Value – das, was an Mehr-/Minderwert in der Zukunft zu erwarten ist –  gut verstehen.  Wichtig ist es dabei für die Preisfestlegung auseinander zu halten, welcher Teil des Unternehmenswertes durch den Beitrag des Verkäufers einfliesst und welcher Teil durch uns (Synergien usw.) erst noch zu realisieren sein wird.

Wieso haben Sie diese Kennzahlen als Führungs- und Steuerungsgrössen gewählt?

Die DCF-Methode ist Teil der wertorientierten Unternehmensführung, die bei uns konsistent bei der Akquisition neuer Aktivitäten, der Beurteilung bestehender Geschäftsfelder und der Kompensation von Direktion und Kader angewandt wird.

Welche volkswirtschaftlichen Indizes berücksichtigen Sie konkret bei Investitionsentscheiden?

Nur solche, die trendmässig bereits historisch belegt sind. Wir sind generell zurückhaltend gegenüber Prognosen, da aus unserer Erfahrung häufig die entscheidenden Faktoren für den relevanten Betrachtungszeitraum nicht kontinuierlicher Natur sind (Nine-Eleven usw.).

Welche Renditekennzahl ist für Sie relevant (z.B. ROCE, RONA, ROI)?    

Die Methode des Return on Invested Capital (ROIC) ist auf Stufe Gesamtunternehmung und für Teilbereiche von Bedeutung. Zusätzlich wird bei der Betrachtung des Gesamtunternehmens der Return on Equity (ROE) mit einbezogen.

Nach welchem Konzept beurteilen Sie die Werthaltigkeit von Investitionen und warum?

Das Impairmenttesting basiert wiederum auf der DCF-Methode und ist konsistent eingebettet in unser Gesamtinstrumentarium der wertorientierten Unternehmungsführung. Die von uns erstellten Werthaltigkeitsprüfungen werden durch die externe Revision im Rahmen der jährlichen Prüfung validiert.

Wir danken Dr. Jörg Kneubühler für die Beantwortung der Fragen.

Dieser Beitrag wurde am Montag, 06.01.2014 um 07:00 Uhr unter Accounting veröffentlicht.

Startup: Mehr Komfort beim Wintersport mit neuartigem Skischuh von Dahu

Pures Vergnügen ist es, stiebend auf Skiern im Pulverschnee talwärts zu schweben. Doch mit Skischuhen aus Hartplastik fühlt es sich manchmal eher an, als ob die Füsse in einem Schraubstock stecken würden. Längere Strecken mit solchen Boots zu Fuss zurücklegen – No way. Gesucht sind multifunktionelle Skiboots, die beim Skifahren Stabilität bieten, sich zugleich aber für diverse andere Aktivitäten wie Wandern, Shopping oder gar Autofahren eignen. Eine mögliche Alternative für herkömmliche Skischuhe könnte deshalb das neuartige Konzept der Dahu Sports Company Ltd. sein.

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Start mit einer Kleinserie

Das Jungunternehmen entwickelt und vermarktet Skischuhe, die verschiedenen Ansprüchen für einen gelungenen Wintersporttag genügen sollen, wobei der Komfort im Zentrum steht. Die Idee: Den Innenschuh umgibt ein sogenanntes Exoskelett, welches sich nach der sportlichen Betätigung entfernen lässt. Der Innenschuh ist so konzipiert, dass er sich bequem für diverse Aktivitäten abseits der Piste tragen lässt. „Wir sind überzeugt, dass beim Wintersport Komfort und Zweckmässigkeit eine immer grössere Rolle spielt“, sagt Firmengründer Nicolas Frey. Er hat selber am Konzept getüftelt, und er kennt als Marketingspezialist die Wünsche der Kundschaft.

Das Jungunternehmen stellte Konzept und Prototyp des Skischuhs erstmals an der internationalen Sportmesse ISPO in München mit Erfolg einem breiteren Publikum vor. „Dahu strebt einen Soft Launch mit einer Kleinserie an“, sagt Frey. Er hofft, dass sich sogenannte Early Adopters von den Vorteilen des neuen Skischuhs überzeugen lassen. An den Start geht Dahu mit seiner Idee in Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und der Schweiz, wobei man in ausgewählten Sportgeschäften vertreten sein will.

Due Diligence durch Community

Dahu hat in einer ersten Finanzierungsrunde von Investoren etwa eine Million Franken eingesammelt. Die Kapitalerhöhung ermöglicht es Dahu, bereits diesen Sommer in Produktion zu gehen, denn per Ende November 2013 sollen die ersten 1‘500 Paar Boots für die kommende Wintersaison in den Regalen stehen. Produziert werden sollen die Schuhe von spezialisierten Unternehmen in Italien. Gegründet hat die Dahu Sports Company Ltd. Nicolas Frey im Jahr 2011. Über die offene Schweizer Venture Capital Plattform investiere.ch haben Privatinvestoren rund CHF 320‘000 platziert. Des Weiteren sind zwei Freiburger Organisationen für Wirtschaftsförderung sind beteiligt und der Business Angel Club BAS.

Die Plattform investiere.ch verfolgt bei der Zu- oder Absage von Venture-Kapital ein spezielles Vorgehen, wobei die Möglichkeiten moderner Kommunikationskanäle systematisch genutzt werden. Neben einer internen Prüfung (Due Diligence) der Anträge für eine Beteiligung an einem Jungunternehmen erfolgt eine weitere Begutachtung durch die Investoren-Community selbst. Über die Plattform sind nach Lancierung des Investmentangebots für alle Mitinvestoren die jeweils wichtigen Details ersichtlich. Die Plattform ermöglicht auf einfache Weise den Austausch unter potenziellen Investoren. Vorteil: Jungunternehmen erhalten rasch Rückmeldungen. Zudem profitieren sie von der Branchenerfahrung der Investoren. Kritische Nachfragen aus der Investorengemeinde fördern die Auseinandersetzung mit dem Business-Modell und führen schliesslich zu einer Art Qualitätskontrolle. Denn neben dem Vertrauen in das Management ist für Investoren immer eine Frage entscheidend: Hat das Produkt einen Markt und eine Zukunft?

Ähnliches Prinzip gab es schon

Ähnliche Konzepte mit einem multifunktionalen Skischuh gab es bereits in den siebziger Jahren. Grosse Hersteller von Wintersportgeräten entwickelten nach einem ähnlichen Prinzip einen Skischuh mit abnehmbarer Plastikschale. Der Skischuh blieb damals allerdings ein Nischenprodukt, denn die Versprechen bezüglich Komfort konnte der Hersteller nicht ganz erfüllen. Dagegen spricht Frey von der Einzigartigkeit der Idee. „Der Ansatz von Dahu ist zwar ähnlich, aber Konzept, Design und Vermarktung sind vollkommen anders“, sagt Nicolas Frey. Schliesslich ist Frey überzeugt, dass sich die Kundschaft den Komfort etwas kosten lässt. Der Preis für den neuartigen Skischuh soll sich laut Aussage im mittleren bis oberen Segment bewegen.

Startup: Attolight bringt Licht in die Nanowelt

Elektronische Geräte müssen immer leistungsfähiger sein, Handys zusätzliche Funktionalitäten aufweisen. Um den Wunsch der Kundschaft erfüllen zu können, sind neue Erkenntnisse etwa in der Materialforschung notwendig. Und bei der Konzeption und Qualitätskontrolle von neuen Materialien kommen die Apparaturen von Attolight ins Spiel. Die Technik eröffnet bei der Anwendung von Materialien neue Möglichkeiten. Das Startup-Unternehmen erlaubt mit seinen innovativen Produkten neue Einsichten in der Materialforschung und -entwicklung. Als Spinoff der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) ist Attolight nach ein paar Jahren mit seinen Produkten bereits weltweit in wichtigen Forschungszentren vertreten. Attolight bietet neben Analysegeräten auch Services und technische Unterstützung insbesondere für die Halbleiterindustrie und für Laboratorien im Bereich der Forschung und Entwicklung.

Kombination von Techniken mit neuartigen Funktionalitäten

Als der Gründer von Attolight, Samuel Sonderegger, seine Doktorarbeit im Bereich der Physik beendet hatte, war er von einer gewissen Einzigartigkeit der Apparatur überzeugt. Bei der wissenschaftlichen Arbeit ging es um die Mitentwicklung eines Demonstrators, mit dem sich Materialien, die bei LED-Leuchtdioden Verwendung finden, auf neuartige Weise testen lassen. Auf Basis seiner wissenschaftlichen Arbeit entwickelten Sonderegger und der Mitgründer Jean Berney nach dem Doktorat als Prototyp ein neuartiges Messgerät. Einige für den Bau des Gerätes benötigte Techniken waren zwar nicht neu, aber die innovative Kombination der Elemente ermöglichte völlig neuartige Funktionalitäten. Dieser Prototyp bildete die Basis für die Produkte von Attolight, die das Resultat neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse mehrerer Disziplinen sind.

Fotoapparat für neue Möglichkeiten in der Materialforschung

Im Kern handelt es sich um eine Art Fotoapparat, der Strukturen im Nanobereich sichtbar machen und gleichzeitig deren Funktionen testen kann. Grundlage der Messtechnik bildet das sogenannte Kathodoluminiszenzverfahren. Dabei nutzt man wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich der Spektroskopie. Basis der Forschung ist die Tatsache, dass für jedes Material ein bestimmtes Emissionsspektrum charakteristisch ist. Mittels Spektroskopie lässt sich dieses Emissionsspektrum mit einer örtlicher Auflösung von einigen Nanometern betrachten. Auf diese Weise kann man  beispielsweise Verunreinigungen oder Defekte im Kristallgitter eines Materials erkennen, denn diese Bereiche emittieren ein anderes Spektrum als das umgebende Material. Die Geräte von Attolight ermöglichen es zudem, Materialfehler genau zu lokalisieren und in einer Karte festzuhalten. Die neue Art der Analyse erlaubt es, Ausschussware nicht nur zu bestimmen, sondern auch die Gründe für den Materialdefekt zu eruieren. Mit herkömmlichen Techniken sind solche Deformationen in Kristallgittern gar nicht oder nicht mit der nötigen Präzision zu erkennen. Die zerstörungsfreie Analyse der Struktur und Beschaffenheit von Materialien erschliesst den Produkten von Attolight deshalb neue Möglichkeiten.

Testfunktion als zusätzlicher Vorteil

Abbildungstechnik gibt es zwar schon lange, doch das Gerät von Attolight weist zugleich eine Testfunktion auf. „Die Möglichkeit, während der Analyse Tests durchführen zu können, ist der entscheidende Beitrag von Attolight“, sagt Samuel Sonderegger. Denn die Elektro- und die Halbleiterindustrie arbeiten zwar schon lange im Nanobereich. Doch weil beispielsweise Mikrochips immer kleiner werden, die Schaltkreise aber gleichzeitig immer umfangreicher werden, hat die Industrie mit einem Messproblem zu kämpfen. Das Problem zeigt sich dann, wenn man etwa bei Mikrochips gleichzeitig die Funktionalitäten und die Strukturen untersuchen will. Zum Vergleich: Ein Verbrennungsmotor lässt sich zwar im Stillstand analysieren, doch wissenschaftlich viel aufschlussreicher ist es, ein solches Aggregat im Betrieb und allenfalls an der Belastungsgrenze zu beobachten.

Attolight bedient sich dabei eines Rasterelektronenmikroskops – nicht zu verwechseln mit der Rastertunnelmikroskop – welches mit einer Testeinrichtung kombiniert wird. Auf Basis des gleichen Maschinentyps lassen sich laut Aussage für jede Industrie die spezifischen Eigenschaften konfigurieren.

„Robuster technischer Vorsprung“

Attolight bewegt sich aus mehreren Gründen an der Spitze der wissenschaftlichen Forschung. Zum einen betrifft dies die Entwicklung der eigenen Apparaturen. „Unser technische Vorsprung ist ziemlich robust,“ sagt Sonderegger. Die Konkurrenz – Sonderegger zählt zwischen fünf bis zehn Hauptkonkurrenten – mache Ähnliches mit anderen Technologien, aber sie erreiche schlechtere Funktionalitäten, so dass deren Messungen weniger genau seien und viel länger dauerten. Zum anderen beliefert Attolight Forschungslaboratorien auf der ganzen Welt. Für die Anwendung der Technik in der Halbleiterindustrie hat Attolight erst letzten Herbst mit dem renommierten CEA-Leti ein gemeinsames Entwicklungsprogramm vereinbart. Das Leti-Institut des CEA in Grenoble ist spezialisiert auf Forschungen für Anwendungen auf Basis der Nanotechnologie sowie Analyseverfahren in der Materialforschung und -entwicklung für die Halbleiterindustrie.

Chinesischer Markt mit Potenzial

Grosse Bedeutung hat für Attolight ebenfalls der chinesische Markt. Auf die Gefahr angesprochen, dass die Geräte in China allenfalls kopiert werden könnten, gibt sich Samuel Sonderegger gelassen. Zwar stünden die Produkte von Attolight auch in China unter Patentschutz, allerdings sei dieser dort eher psychologisch wichtig. Entscheidender sei die Tatsache, dass die Geräte eine hohe Komplexität aufwiesen und dass die Herstellung spezielle Fähigkeiten erfordere. Zudem würden wichtige Elemente der Attolight-Apparaturen bei einer Demontage funktionsuntüchtig oder bei der Software sei eine Reihe von Sicherheiten eingebaut. Diese Umstände böten einen gewissen Kopierschutz.

Chinesische Vertriebspartner sind verpflichtet, sich in der Schweiz an den Attolight-Geräten schulen zu lassen. Da potenzielle Partner den Aufenthalt in der Schweiz selbst bezahlen müssten, erkenne man schnell, wer es von den chinesischen Partnern mit einer Kooperation beim Vertrieb ernst meine. Beim Vertrieb für den chinesischen Markt arbeitet Attolight überdies mit Quantum Design China zusammen, einer chinesischen Tochterfirma der amerikanischen Quantum Design.

Vertrieb und Herstellung mit Partnern

Attolight hat zwei Finanzierungsrunden mit Beteiligung der Zürcher Kantonalbank, der Aargauischen Kantonalbank, dem StartAngels Nework und Investiere.ch abgeschlossen. Gemäss Samuel Sonderegger plant Attolight momentan keine neue Finanzierungsrunde. Grundsätzlich wolle sich Attolight zusätzliche finanzielle Mittel durch seine Geschäftstätigkeit erarbeiten. Je nach Situation könne sich ein zusätzlicher Kapitalbedarf ergeben. Momentan seien lose Diskussionen mit einem Corporate Investor in Gange. Es geht dabei um eine vollautomatische Auslegung der Geräte für eine industrielle Anwendungen.

Bei der Herstellung der Geräte arbeitet Attolight mit spezialisierten Partnern zusammen. Damit sei man kostengünstig und auf diese Weise lasse sich die Stückzahl im Bedarfsfall schnell erhöhen. „Wir haben keine strategische Absicht, alles selber herstellen zu wollen“, sagt Sonderegger. Der Firmenname Attolight verweist übrigens einerseits auf die Klassifizierung im Nanobereich – im metrischen Masssystem bezeichnet „atto“ die Zahl 10 hoch minus 18 –, andererseits auf das Lichtspektrum.

Startup: Pemred will bei Autoabgasen die Filtertechnik revolutionieren

Beim ersten Anblick des Geräts aus poliertem Stahl geht einem der Gedanke an ein Musikinstrument durch den Kopf. Das Startup-Unternehmen Pemred will mit der Vorrichtung bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren die Filtertechnik optimieren. Die spezielle Form des Rohrs soll es ermöglichen, Kleinstpartikel effizient aus Abgasen herauszufiltern. Das Unternehmen sieht Marktchancen im Hinblick auf die verschärften Euronormen für Abgase bei Verbrennungsmotoren aller Art.

Das Bundesamt für Umwelt BAFU hält die Belastung der Luft mit winzigen Staubteilchen für „eine der grössten Herausforderungen“ in der Luftreinhaltepolitik. Gemäss Studien sind Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen oder Lungenkrebs auch die Folge davon, dass wir zu viele Kleinstpartikel einatmen. Es gilt zudem wissenschaftlich als erwiesen, dass Kleinstpartikel weiter in den Körper vordringen können als grössere Russteilchen. Solche Partikel entstehen in grossen Mengen bei Verbrennungsprozessen in Heizungen und Grosskraftwerken sowie in der Fracht- und Passagierschifffahrt, Verursacher dieser Art von Luftverschmutzung ist aber auch der Individualverkehr.

Entscheidende Entdeckung

Eigentlich beschäftigt sich David Katoshevski im Rahmen seiner Forschungen mit der Optimierung von Verbrennungsmotoren. Mit den Resultaten aus der Aerosol-Forschung beispielsweise lässt sich die Einspritztechnik moderner Verbrennungsmotoren verbessern. Bei Verbrennungsmotoren finden sich in den Abgasen vor allem Kleinstpartikel im Form von nicht verbrannten Schwebeteilchen des Treibstoffs oder Russ. David Katoshevski von der Ben Gurion Universität in Israel entdeckte, dass Russpartikel in bestimmten Situationen kollidieren und dann aneinander kleben bleiben. Diese Erkenntnis war Ausgangspunkt weiterer Forschungen zur Verbesserung der Filtertechnik.

Problembereich Filter

Gas mit Kleinstpartikeln im Nanometerbereich durchströmt einen herkömmlichen Filter. Je kleiner die Partikel sind, die in einen Filter gelangen, desto dichter wird die Ablagerung darin. Ablagerungen im Filter können den Durchfluss von Abgasen vermindern, was im Motor zu Überhitzung und im schlimmsten Fall zum Ausfall führen kann. Kommt hinzu, dass Filter einem durchfliessenden Gasstrom Partikeln derart entziehen müssen, dass sowohl Teilchen im Nanometerbereich (10 hoch minus 9) als auch im Mikrometerbereich (10 hoch minus 6) zurückbehalten werden. Als Vergleich: Ein solcher Filter müsste Teilchen sowohl von der Grösse eines Tennisballs ausscheiden als auch solche von der Grösse eines Hochhauses. Je nach Masse und Grösse reagieren die Partikel nämlich unterschiedlich auf die Geschwindigkeit des Gasflusses. Sind die Teilchen grösser, ist sowohl eine effiziente Filterung als auch der Durchfluss des zu filternden Gases eher gewährleistet.

Wirkung mit spezieller Form: Der Pemred PAI als effiziente Vorrichtung in der Filtertechnik (pemred.ch)

Und genau an diesem Punkt soll die von der Firma Pemred entwickelte Vorrichtung einsetzen. Beim Pemred PAI (Particle Agglomeration Inducer) handelt es sich um ein Stahlrohr, das in der Längsachse regelmässige Auswuchtungen gleichen Durchmessers aufweist. Die Form des von Pemred entwickelten Rohrs nutzt das Prinzip der stehenden Geschwindigkeitswelle („Standing Wave“). Gemäss Pemred-CEO Avigdor Luttinger handelt es sich um einen „virtuellen Filter“, der einem Gasstrom zwar keine Partikel entzieht, aber Schwebstoffe dazu bringt, die Kleinstpartikel zu grösseren Konglomeraten zu vereinen.

Die Verdichtung und Gruppierung von Kleinstpartikeln (Investiere.ch)

Dadurch lässt sich eine grössere Anzahl von Kleinstpartikeln herauszufiltern und gleichzeitig die Nutzungsdauer der Filter erhöhen. „Wir sehen den Pemred PAI als eine Ergänzung der Filtertechnik“, sagt Avigdor Luttinger. Denn Autohersteller stehen bei der Filtertechnik vor verschiedenen Herausforderungen. Entweder setzen sie kräftigere Filtertechniken ein, was die Fahrzeuge teurer macht, oder sie können bestehende Arten von Filtern optimieren. Zudem müssen Neuwagen schon bald schärfere Abgasnormen erfüllen.

Strengere Euronorm

Bei der Filterung von Kleinstpartikeln setzt die Euronorm 5 den Grenzwert für Kleinstpartikel bei 5 Milligramm pro Kilometer. Neu soll dieser Grenzwert auf 4.5 Milligramm pro Kilometer gesenkt werden. Da die Kleinstpartikel eine geringe Masse aufweisen, haben Änderungen beim Gewicht als Grenzwert relativ wenig Einfluss auf die Emission von Partikeln. Grundsätzlich will der Regulator die Anzahl der ausgestossenen Nanoteilchen verringern. Ab 2017 soll bei benzinbetriebenen Neuwagen neben dem Gewicht auch die Anzahl der ausgestossenen Partikel einer Norm unterliegen.

Patent für ein Vorfilter

Das von Pemred entwickelte Produkt muss für jeden Motorentyp spezifisch konfiguriert werden. Deshalb hat die Vorrichtung beispielsweise je nach Motor eine unterschiedliche Länge. Die Pemred-Technik soll in einer ersten Phase bei Neuwagen zum Einsatz kommen. Für den europäischen Markt hat das Unternehmen bereits Patentschutz erhalten, jener für die USA ist noch in Prüfung, nicht jedoch für Asien. Wegen der strengeren Abgasvorschriften in Europa – gemäss Avigdor Luttinger werden solche in den USA wahrscheinlich auch eingeführt– kommen allerdings japanische und koreanische Automobilhersteller ohnehin nicht darum herum, neuste Filtertechnik einzusetzen. Angesprochen auf die mögliche Gefahr, dass Konkurrenten ein ähnliches Produkt auf den Markt bringen könnten, winkt Luttinger ab. „Damit der Pemred PAI die Funktion erfüllen kann, sind umfangreiche Abstimmungen und Messungen sowie Adaptionen auf die jeweiligen Motorentypen notwendig“, sagt Luttinger. Deshalb sei Pemred überzeugt, auf diesem spezifischen Gebiet der Filtertechnik einen gewissen Wissensvorsprung zu haben.

Grundsätzlich lassen sich gemäss Avigdor Luttinger die Filter bei allen Arten von Verbrennungsmotoren optimieren. Neben der Bestückung von Neuwagen gebe es bei der Nachrüstung von bereits genutzten Fahrzeugen viel zu tun. Da die Lebensdauer von Bussen und Lastwagen viel länger ausgelegt ist als jene von Personenwagen, sieht Luttinger auch bei diesen Fahrzeugen Einsatzmöglichkeiten – und einen grossen Markt. „Auch bei einer strengeren Abgasnorm werden alte Fahrzeuge nicht einfach aus dem Verkehr gezogen“, meint Luttinger. Zudem gebe es in vielen Städten sogenannte LEZ (Low Emission Zone), in denen tiefere Grenzwerte gelten, was oft eine Nachrüstung erforderlich mache.

Test bisher positiv verlaufen

Momentan wird die neuartige Vorrichtung noch umfangreichen Tests unterzogen, durchgeführt in Zusammenarbeit mit zwei Autohersteller und mit dem Institut für Thermodynamik der Berner Fachhochschule in Biel. Im Oktober 2012 erfolgten bereits Tests an Personenwagen, im Dezember bei einem Lastwagen. „Den Beweis, dass das System funktioniert, haben wir erbracht“, sagt Avigdor Luttinger. In der jetzigen Phase des Projekts geht es gemäss Luttinger noch um Optimierungen, wobei die Messungen und Tests noch bis Ende dieses Jahres weitergeführt werden sollen. Für zusätzliche Tests und die Feinjustierung benötigt Pemred noch Kapital. „Priorität haben Investitionen in den aktuellen Projekten “, sagt Luttinger. Der Plan sehe vor, im Verlaufe des Jahres 2014 erste Serien von Neuwagen auszurüsten. Rückmeldungen aus Fachkreisen anlässlich der NCP-Konferenz an der ETH seien positiv verlaufen. Mehrere weitere Autohersteller zeigen laut Luttinger Interesse am Einsatz des Pemred-PAI.

Um den Ausstoss von Kleinstpartikeln im Nanometerbereich zu verringern, hat die Industrie bereits verschiedenste Techniken ausprobiert. Erfolglos blieben Versuche mit akustischen Wellen oder mit zentrifugalen Kräften, ebenfalls nicht zum Ziel führten Ansätze auf Basis der Elektrostatik oder der Strömungstechnik.

Produktion in Europa

Die erste Finanzierungsrunde soll gemäss Luttinger gegen Ende August abgeschlossen sein. Er zielt, bis dann etwa vierhunderttausend Franken zusammen zu bringen. Möglich machen soll dies auch das Crowd-Funding-Portal Investiere.ch. Rund die Hälfte des Betrags sei bereits gesichert.

In einer nächsten Phase benötigt Pemred laut Luttinger nochmals rund CHF 1.5 Millionen für den Betrieb der Firma und als eine Art „Handlungsreserve“. Denn Pemred will es vermeiden, zu eng mit einem bestimmten Automobilhersteller zusammenzuarbeiten. „Strategisch wollen wir keine exklusive Beziehung“, sagt Luttinger. Man wolle nicht, dass ein Hersteller plötzlich eine exklusive Nutzung der Pemred-Technik fordern könnte. Allerdings hofft er, später auch strategische Partner aus der Industrie sowie professionelle Investoren für das Projekt gewinnen zu können. Trotz sehr günstigen Angeboten aus China mit rekordtiefen Herstellkosten will Pemred dem Vernehmen nach in Europa produzieren. Deshalb akzeptiere man auch höhere Stückkosten bei der Produktion. Die Herstellung des Pemred PAI soll mittels Hydroformung erfolgen, eine Technik, bei der es in der Zuliefererindustrie momentan Überkapazitäten gibt. Dies sei wichtig bei der Suche nach Produktionspartnern und im Hinblick auf eine mögliche Ausweitung der Stückzahlen.

Im Gegensatz zur Technik sieht Luttinger weniger Herausforderungen bei der Vermarktung des Pemred-PAI. Insgesamt sei die Zahl der Automobilhersteller oder der spezialisierten Zulieferer überblickbar. Zudem sitzen ehemalige Manager von Zulieferern für die Automobilindustrie im Verwaltungsrat von Pemred, gibt sich Luttinger optimistisch.

Unter diesem Link finden Sie auch eine Video mit weiteren Erläuterungen:

Quelle: investiere.ch

 

 

Startup: Uepaa lanciert App für Verbesserungen in der Bergrettung

Manchen Opfern von Unfällen in den Schweizer Bergen könnte bei entsprechender Alarmierung schneller geholfen werden. Das Startup-Unternehmen Uepaa will mit einer App Retter gezielter und damit rascher an einen Unfallort bringen. Basis der App ist eine an der ETH in Zürich entwickelte Technik. Die Idee: Mit der Vernetzung von Handys lassen sich Unfallopfer auch in Gebieten ohne Mobilnetzabdeckung orten. Neue Wege geht Uepaa auch bei der Finanzierung.

Bei bestem Wetter geniessen viele den Aufenthalt in den Schweizer Bergen. Doch von allen sportlichen Freizeitaktivitäten ereignen sich beim Wandern am meisten Unfälle, wie eine Statistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) ausweist. Oft müssen Unfallopfer in einem abgelegenen Gebiet ausharren, bis sie gefunden werden. Zwar tragen heutzutage praktisch alle ein Handy auf sich, doch der fehlende Empfang von Geräten aufgrund von Lücken im Mobilfunknetz verunmöglicht die Alarmierung von Rettungskräften auf direktem Wege. Der Massentourismus bringt es zudem mit sich, dass in den Bergen immer mehr Personen in Gebieten ohne Mobilfunkempfang unterwegs sind. Dramatisch wird es, wenn Handynutzer darauf vertrauen, dass eine Alarmierung von Rettungskräften jederzeit und von überall her möglich ist. Bei Unfällen in den Bergen verstreicht bei der Suche nach Unfallopfern deshalb oft wertvolle Zeit. Doch bei der Bergung von Opfern zählt jede Minute. Eine erfolgreiche Rettung beginnt deshalb mit einer möglichst frühen und situationsgerechten Alarmierung. Und hier setzt die neue App von Uepaa an.

„Restrisiken bedenken“
„Angefangen hat alles vor drei Jahren an einem verschneiten Novembertag“, sagt Uepaa-Gründer und CEO Mathias Haussmann. Der erste Schneefall kündigt dieses Mal die Wintersaison früh an, für Aficionados des Wintersports gibt es dann kein Halten mehr. Unterwegs sind in der Regel nur wenige, welche das Hochgefühl, im Frischschnee talwärts zu stieben, schon in der Vorsaison auskosten wollen. Doch in Vorfreude auf die Skiabfahrt und bei der Bergfahrt seien dem passionierten Freerider und Familienvater die Restrisiken bewusst geworden. Bereits in der Gondel hätten sich deshalb mehrere Personen abgesprochen und die Telefonnummern ausgetauscht für den Fall, dass abseits der Piste etwas passiert. „Die Idee hat mich danach nicht mehr losgelassen“, sagt Mathias Haussmann. Er überlegte sich, wie Personen die Vernetzung ihrer Handys leichter bewerkstelligen können. Ein Motto hatte er schon damals im Kopf: Schütze dich, rette andere.

Abklärungen im Rahmen des Marketings und Gespräche mit Organisationen des Rettungswesens zeigten, dass ein Bedürfnis nach einer situationsgerechten Alarmierung vorhanden war. Diese Tatsache führte zur Erkenntnis, im Bereich der Rettung speziell bei der Alarmierung Verbesserungen ins Auge zu fassen. Das Vorgehen beim Abgleich von Dienstleistung und Marktbedürfnis kannte Haussmann bereits aus früheren Tätigkeiten, denn für Grossunternehmen in der Medtech-Branche hatte er vor Jahren bereits mehrere Startups zum Laufen gebracht.

Technik der ETH als „ideale Grundlage“
Für die praktische Umsetzung begann danach die Suche nach technischen Lösungen. An der ETH wurde er aufmerksam auf das von Professor Bernhard Plattner betreute Projekt Podnet. Bei der Technik nach dem Prinzip Peer-to-Peer ging es um den Austausch grosser Datenmengen wie beispielsweise Musikdateien. Allerdings ging die technische Entwicklung beim Austausch grosser Datenpakete in eine andere Richtung, denn weil Provider entsprechende Bandbreiten zur Verfügung stellen konnten, erfolgte die Nutzung von Musikdateien je länger je mehr mittels Streaming-Technik. „Podnet fand zwar nicht mehr für den vorgesehenen Zweck Verwendung, doch für Uepaa war es eine ideale Grundlage“, sagt Mathias Haussmann. Ein Lizenzvertrag bildete schliesslich die Grundlage für die neue Anwendungsmöglichkeit von Podnet. Für Uepaanet musste Podnet allerdings neu codiert werden, was rund ein halbes Jahr in Anspruch nahm. Die technische Lösung eng begleitet hatte Franck Legendre, der an der ETH das Projekt Podnet während mehrerer Jahre mitbetreute. Er stieg schliesslich als Mitgründer bei Uepaa ein. „Die Konstellation war ein Glücksfall“, wie Haussmann sagt. Als Berater involviert ist auch Bernhard Plattner.

Suche nach Investoren und Rolle von Investiere.ch
Inzwischen – es ist das Jahr 2011 – widmet sich Haussmann dem Projekt vollamtlich. Parallel zur Bewältigung der technischen Herausforderungen begann für Haussmann die Suche nach Investoren. Allein 2011 führte Uepaa mit 50 bis 60 potenziellen Investoren Gespräche durch. Zwar würdigten die meisten Interessenten den konzeptionellen Ansatz von Haussmann, zuerst die Bedürfnisse abzuklären und erst dann nach der technischen Lösung zu suchen – oft genug erfolgt dies umgekehrt –, dennoch stiess Haussmann auf Zurückhaltung. Nach einer Reihe von Absagen ermöglichten schliesslich Preisgelder von Wettbewerben die Erstellung erster Prototypen.

Insbesondere auch über die Internetplattform Investiere.ch konnte Uepaa schliesslich 33 Investoren gewinnen. Bei Investiere.ch handelt es um eine Plattform nach Art des Crowd-Investing. Zu den Investoren gehören grösstenteils Privatpersonen, die sich mit Beträgen zwischen 10‘000 und 50‘000 bei Uepaa engagieren, sowie um sogenannte Business Angels. Beteiligt ist auch die ZKB, klassisches Venture Capital ist dagegen nicht involviert. Moneyhouse weist bei der Uepaa AG ein Aktienkapital von 175‘000 Franken aus. Speziell die Beteiligung von Privatpersonen hat sich als ideal erwiesen. „Diese Gruppe von Investoren zeigte Affinität zur Technik und testeten die Betaversionen ausgiebig, was uns wiederum zu wertvollen Erkenntnissen führte“, sagt Mathias Haussmann.

Mit anderen Handys ein Netz knüpfen
Uepaa nutzt für den Dienst die Möglichkeiten der sogenannten opportunistischen Technik. Weil die Mobilfunknetze nicht die gesamte Fläche der Schweiz abdecken, dienen stattdessen Mobilfunkgeräte der Übermittler von Informationen. Mit der App von Uepaa profitieren alle von einer direkten Anbindung an die Notrufzentrale der Uepaa – 24 Stunden und 7 Tage pro Woche. Sollte der Empfang fehlen, weil das Handynetz Lücken aufweist, sucht sich der Alarm seinen Weg über andere Smartphones in der Umgebung. Möglich macht das die sogenannte Peer-to-Peer-Technik, welche Smartphones aller Nutzer und Retter zu einem Adhoc-Netz verknüpft. Dank dem sogenannten “Grüezi”-Prinzip teilen Uepaa-Nutzer ihren Standort beispielsweise bei einer Wanderung automatisch mit anderen Nutzern. So werden Angaben zur Person und räumlicher Position auch aus Gebieten ohne Handyempfang übermittelt, wodurch professionelle Retter früher und schneller agieren können. Diese erhalten ebenfalls eine ähnliche App, welche die Peilung von verunfallten oder vermissten Personen ermöglicht. Da die Handys unabhängig vom Mobilfunknetz untereinander verbunden sind, funktioniert die App gerade auch dann, wenn das Handynetz nicht mehr vorhanden ist. Alarmsignale erreichen zuerst Personen in der Umgebung und über Trackingfunktionen auch Gewährspersonen oder Angehörige. Erst diese lösen im Bedarfsfall dann eine Rettung aus. Die Prozedur hilft zudem, Fehlalarmmeldungen zu vermeiden. In der Anfangsphase wird der Dienst von Uepaa noch durch Luftortung unterstützt. „Je mehr Personen bei Uepaa dabei sind, desto weniger Luftortung wird nötig sein“, sagt Haussmann.

Datenschutz: Ein- und Ausschaltung der App möglich
Die Datensicherheit sieht Haussmann gewährleistet, da sich die App beispielsweise bei einem Aufenthalt in den Bergen einschalten und dann wieder ausschalten lässt. Eine solche Ein- und Ausschaltfunktion ist bei Apps unüblich. Die Übertragung der Daten erfolgt zudem verschlüsselt. Und die Daten werden nach Verstreichen einer bestimmten Frist gelöscht, wobei Uepaa diesbezüglich vorsichtig sein müsse. Insbesondere mache es keinen Sinn, Daten vorzeitig zu löschen, gerade wenn es beispielsweise darum gehe, den Aufenthaltsort von vermissten Personen zu eruieren.

Der Firmenname geht übrigens ebenfalls zurück auf sportliche Aktivitäten von Mathias Haussmann. Im Tennis war er beim Schlagen einer Rückhand derart geschickt, das ihm unverhofft der Laut „Uepaa“ entfuhr. Von Kameraden wurde Haussmann immer wieder an „Uepaa“ erinnert, später war der Ausdruck immer wieder Synonym für Geglücktes.

Neue Funktionen und Expansion geplant
„Wir wollten den Dienst unbedingt mit Beginn der Wandersaison starten. In den letzten Wochen haben wir deshalb hart daran gearbeitet“, sagt Mathias Haussmann. Ab September 2013 will Uepaa eine automatische Unfallerkennung anbieten. Denn oft sind Unfallopfer über eine bestimmte Zeit bewusstlos oder sie können den Alarmknopf an einem Gerät nicht mehr betätigen. Für die Rettung verstreicht so wiederum wertvolle Zeit. Mit der entsprechenden App sollen Geräte eine Unfallsituation erkennen können und über Funk ein anderes Gerät suchen. Das Prozedere für einen Alarm muss dabei wiederum so ausgestaltet werden, dass bestimmte Situationen berücksichtigen werden, bei denen keine Rettung ausgelöst werden sollte wie beispielsweise dann, wenn jemand den Rucksack zusammen mit dem Handy irgendwo vergessen hat. Eine weitere Funktion läuft unter dem Begriff Kameradenhilfe, bei der Handynutzer in der näheren Umgebung eine Alarmmeldung erhalten.

Haussmann sieht Uepaa als Unterstützung der Rettungsprozesse mit alternativer Suchtechnik und die Schweiz auch als eine Art Testmarkt. In einem nächsten Schritt gelte es, auch die Märkte umliegender Alpenländer zu bearbeiten. Ebenfalls ab September 2013 wird die App voraussichtlich international erhältlich sein. Als Berater bei Uepaa mit im Boot ist unter anderen der frühere Swisscom-Finanzchef Ueli Dietiker sowie Sascha Hardegger von der Rega. Intensivieren will Uepaa gemäss Haussmann die Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus und den Bergbahnen. Bei der Vermarktung arbeitet Uepaa mit der Mammut Sports Group AG zusammen. Vorgesehen ist auch, spezielle Funktionen für Wintersportler anzubieten wie etwa die Hilfe bei der Suche nach Verschütteten bei Lawinenniedergängen. „Wenn nur eine Person gerettet werden kann, weil früher erkannt wird, dass sie sich in einer Notlage befindet, hat sich unsere Vision erfüllt“, sagt Mathias Haussmann.

Weitere Links

Google Play      http://bit.ly/182VFzy

Apple Store       http://bit.ly/11vhKHv

 

Arbeiten für die Steuern bis zum Tax Freedom Day

In der Kantonshauptstadt Zug benötigt man 15 Tage, bis die Steuern für Bund, Kanton und Gemeinde (inklusive Kirchensteuern) abbezahlt sind. In Neuenburg sind es 53 Tage. Bei den von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) erstmals veröffentlichten „Tax Freedom Days“ werden verschiedene Bruttoeinkommen miteinander verglichen. Bei den „Tax Freedom Day“ handelt sich um eine bildhafte Darstellung „des ersten Tages im Jahr, ab dem die Steuerpflichtigen nicht mehr zur Entrichtung der Steuern Geld verdienen“. Grosse Unterschiede bei der Steuerbelastung zeigen sich im Vergleich nicht nur zwischen Kantonen, sondern auch innerhalb der Kantone, wie eine Mitteilung der ESTV zu entnehmen ist.

Basis für den Vergleich der Steuerbelastung in den Kantonshauptstädten ist das Beispiel eines Ehepaars ohne Kinder, von dem ein Ehegatte eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausübt und ein Bruttoeinkommen von CHF 100’000 pro Jahr erzielt. Für den Vergleich berücksichtigt werden zudem verheiratete Steuerpflichtige mit zwei unterhaltsberechtigten Kindern (ein Ehegatte einer unselbständiger Erwerbstätigkeit) und Ehepaare ohne unterhaltspflichtige Kinder, die eine Altersrente beziehen, wie die ESTV in der Mitteilung schreibt. Diese Statistik unterstellt, dass die steuerpflichtige Person den Pauschalabzug für die Berufsauslagen geltend macht und dass das Arbeitseinkommen oder die Rente die einzige Einkommensquelle des Haushaltes darstellt. Die berechnete Anzahl Tage berücksichtigt allerdings bloss den Kostenaspekt der Steuern für die Steuerpflichtigen, sagt aber nichts über die gebotenen Dienstleistungen der öffentlichen Hand aus.

Errechnet wird der „Tax Freedom Day“, indem das Total der Einkommenssteuern der natürlichen Personen (Bundes-, Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern) durch 365 (Anzahl Kalendertage) geteilt wird, wie es weiter heisst. Grosse Unterschiede bestehen beim „Tax Freedom Day“ nicht nur zwischen den Kantonen, sondern auch innerhalb der einzelnen Kantone. Beispiel Kanton Schwyz: Ein Ehepaar ohne Kinder mit einem Bruttoeinkommen von CHF 100’000 hat seine Steuern in Wollerau nach 16 Tagen, in Morschach aber erst nach 29 Tagen „bezahlt“.

Die Berechnungsmethode der ESTV unterscheidet sich grundlegend vom Konzept der Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (siehe Mitteilung der ESTV), welche ebenfalls einen „Tax Freedom Day“ berechnet.

Den Kalender mit den „Tax Freedom Days“ der einzelnen Kantonshauptstädte sehen Sie hier.

KPMG sieht aufgrund des M&A-Geschäfts optimistisch auf das Jahr 2012

Die Zahl von Fusionen und Übernahmen von Firmen ist in der Schweiz im Jahr 2011 um 20.6 Prozent angestiegen auf 316 Transaktionen angestiegen (Vorjahr: 262 Deals). Das Gesamtvolumen der Transaktionen sank jedoch um 14.9 Prozent auf USD 74.5 Mrd., wie das Beratungsunternehmen KPMG im „M&A Yearbook 2012“ schreibt. Dabei habe die Bedeutung der sich dynamisch entwickelnden Wachstumsmärkte stark zugenommen. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte sei es zu grösseren Aktivitäten gekommen mit höheren Finanzierungskosten und einer grösseren Risikobereitschaft. „Das M&A-Geschäft bildet die reale wirtschaftliche Entwicklung relativ gut ab“, sagt Patrik Kerler, der den M&A-Bereich bei KPMG leitet. Die Performance der Aktienbörse korreliere historisch eng mit der M&A-Aktivität.

Laufende Neuorientierung der Unternehmen und Suche nach Wachstum

Als wichtigen Treiber für Megers & Acqusitions (deutsch: Fusionen und Übernahmen) identifizieren die Autoren der Studie die Wirtschaftslage. Die heftigen Turbulenzen an den europäischen Märkten verursachten Unsicherheit und eine anhaltende Volatilität, so dass Unternehmen gezwungen seien, sich laufend neu zu orientieren. Zudem habe die Eurokrise dazu geführt, dass die M&A-Märkte gebremst worden seien. Die Suche nach Wachstum fand deshalb ausserhalb der gesättigten Märkte in Europa statt, insbesondere in den sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Zudem werden die „Next 11“ (u.a. Türkei, Südafrika, Indonesien, Südkorea) beim M&A-Geschäft in Zukunft eine tragende Rolle spielen, wie es in der Mitteilung von KPMG heisst. M&A bleibe in der Schweiz ein wichiges Betätigungsfeld, denn die Attrakivität als Destination für Transaktionen von Schweizer Unternehmen nehme laufend zu.

Untergeordnete Rolle des Schweizer Frankens

Interessanterweise hat der starke Franken die M&A-Aktivitäten in der Schweiz nicht massgeblich beeinträchtigt, wie KPMG in der Medienmitteilung schreibt. „M&A- Entscheidungen sind strategischer Natur, weshalb die aktuelle Währungssituation in der Schweiz beispielsweise für Firmenkäufe nur eine untergeordnete Rolle in der Entscheidfindung spielt“, sagt Patrik Kerler.  Allerdings habe die Intervention der Schweizerischen Nationalbank zu einer Beruhigung der Situation beigetragen mit positiven Effekten auf das M&A-Geschäft. Der starke Franken habe auch 2012 bei Fusionen und Übernahmen eine limitierte Bedeutung.

Neben dem „Yearbook“ erstellt KPMG vierteljährlich M&A-Reports. Berücksichtigt werden in der M&A-Studie zum einen lediglich Käufe und Verkäufe von Beteiligungen von mindestens 30 Prozent. Zum anderen werden nur Fusionen und Übernahmen mit einem Transaktionswert von USD 7 Mio. und einem Umsatz von USD 14 Mio. in die Studie aufgenommen.

Optimistischer Ausblick für 2012

Die fundamentalen Risikofaktoren sollten sich laut „Yearbook“ im Verlauf des Jahres 2012 nachhaltig stabilisieren. Insgesamt seien die Schweizer Unternehmen im globalen Vergleich überdurchschnittlich stark eigenfinanziert und liquid, was für 2012 Chancen für interessante und viele Transaktionen eröffne. Wachstum, ein Hauptziel gewinnorientierter Unternehmen, müsse jedoch vermehrt in aufstrebenden Märkten erzielt werden. Transaktionen von Schweizer Unternehmen in solche Regionen nehmen überdurchschnittlich zu, wie es weiter heisst. Für die Schweiz relevant sei insbesondere die Situation beim Private Banking. KPMG geht im Finanzsektor von einer Konsolidierung aus. Insgesamt erwarte man 2012 ein herausforderndes, aber positives M&A-Jahr mit wachsendem Volumen.

Jahresrückblick ins 16. Jhd. oder vom Vorteil „untadelhaffte Register der Schulden zu haben“ Teil 1/2

Diesmal reicht der Blick zur Jahreswende etwas weiter in die Vergangenheit zurück. Wir schreiben das Jahr 1600. Im gleichen Jahr erscheint in neuer Auflage das Monumentalwerk „Arithmetica oder Rechenbuch“. Das Buch enthält „neben einer dienlichen Anleitung zum ordentlichen Buchhalten“ auch eine eigentliche Einführung in die wichtigsten Formen des kaufmännischen Rechnens. „Gestellet und zusammen gerichtet“ wurde das Werk durch einen gewissen Anthonium Schultzen. Er hatte das „Büchlein new revidiret“, so dass der Inhalt „auch ohn Mündlichen unterricht erlernet werden kann.“ Selbststudium. Wer hat’s erfunden?

Das einmalig erhaltene Werk aus alten Bücherbeständen lässt sich seit kurzem auf der Plattform www.e-rara.ch einsehen. Die Plattform veröffentlicht digitalisierte alte Drucke aus Schweizer Bibliotheken. Die Texte sind beim Lesen zwar gewöhnungsbedürftig, doch das Buch ist eine eigentliche Schatztruhe.

Lernen von den besten Praktikern

Eine erste Auflage von „Arithmetica“ geht auf das Jahr 1584 zurück. In der Ausgabe von 1600 ist der Buchführung ein eigenes Kapitel gewidmet, wobei es Schultzen geschickt versteht, Fachleute mit einzubeziehen. So greift der Autor auf die Expertise des Buchhalters Johann Neudörffer, Rechenmeister zu Nürnberg zurück, wie es im Buch auf Seite 535 heisst. Neudörffer war offenbar Rechenführer eines Handelsgeschäfts. Die Kunstfertigkeit des Rechenmeisters muss Schultzen derart beeindruckt haben, dass er die Buchhaltung von Neuförffer als hervorragendes Beispiel in sein Werk aufnahm. Sich bilden heisst, von den Besten lernen. Anzunehmen ist aber auch, dass die Geschäftsfälle zu Lernzwecken erfunden sein könnten. Genaueres wissen wir nicht.

Buchhaltung als Dokument mit Rechtswirkung

Buchhaltung ist gemäss Schultzen die Basis für erfolgreiches Geschäften. Dabei unterlässt es der Autor nicht, künftige Geschäftsleute auf die Vorteile einer tadellosen Buchführung aufmerksam zu machen (Seite 13). Denn „untadelhaffte Register der Schulden zu haben“, lassen sich „zu rechtmessiger beweisung gebrauchen“. Und: „Es soll ein Richter denen desto statlicher glauben zu geben ursach haben“. Wer also eine Buchhaltung vorweisen kann, hat vor dem Richter schon mal bessere Karten.

„Buchhalten ist nichts anders, dann ein künftliche verzeichnus oder beschreibung der Kauffmanshendel und anderer verwaltung“, wie uns der Autor belehrt (S. 536). Und man staunt über die bereits ausgeklügelte Art der Buchführung in jener Zeit. Denn zur Buchführung „pfleget man zu den wichtigen handlungen drei Bücher zu nehmen, nemlich Journal, Kaps oder Gütter Buch und Schuldbuch“.