Bei grossen Fertigungsaufträgen, die allenfalls über mehrere Jahre dauern, besteht das Problem, wie ein Unternehmen die auf die einzelnen Abrechnungsperioden entfallenden Erträge bzw. Kosten aufteilt. Eine Möglichkeit besteht in der Anwendung der so genannten POC-Methde (POC = Percentage of Completion). Danach werden Auftragserträge die Auftragskosten gegenübergestellt, um den Fertigungsgrad zu bestimmen. Entsprechend lassen sich Erträge und Kosten den jeweiligen Abrechnungsperioden zuordnen. Doch das International Accounting Standards Board (IASB) will die buchhalterische Behandlung des Ertrags bzw. dessen Realisierung neu ausrichten. Daniel Zaugg und Markus Abderhalden (beide Wirtschaftsprüfer bei Ernst & Young) beantworten einige Fragen zum Stand der Entwicklung.
Aufgrund welcher Standards erfolgt die Erfassung der Erträge bisher?
Grundsätzlich wird bis heute die Erfassung von Umsatzerlösen in IAS 18 (International Accounting Standards) geregelt. Separat geregelt wird die Erfassung der Erträge aus kundenspezifischen Fertigungsaufträgen bis heute in IAS 11 (Fertigungsaufträge). Die Umsatzrealisierung erfolgte bis anhin nach dem Konzept Percentage of Completion (POC).
Können Sie den Ansatz anhand eines Beispiels erläutern?
Dieser Ansatz hat zur Folge, dass Umsatz und Gewinn im Verhältnis des Arbeitsfortschritts erfasst werden. Sehr oft wird in der Praxis der Arbeitsfortschritt ermittelt, indem man bereits angefallene Kosten zu den insgesamt anfallenden Kosten ins Verhältnis setzt. Angenommen bei einem Unternehmen bestehen für einen Auftrag folgende Eckdaten:
- Herstellkosten (HK) für den Auftrag von insgesamt CHF 100
- bereits angefallene Kosten von CHF 80 (=80% der totalen HK) in der entsprechenden Periode
- ein vereinbarter Verkaufsvertrag für diesen Auftrag von CHF 150
- noch keine Rechnung bzw. keinen Umsatz realisiert in der entsprechenden Periode
Fazit: Das Unternehmen würde in der entsprechenden Periode einen Umsatz von CHF 120 (=80%) und Aufwendungen von CHF 80 erfassen sowie 80%igen Gewinn von CHF 40.
Worin bestehen die Vor- und Nachteile dieser Methode?
Vorteile: Die Gewinnmarge wird gleichmässig über die Projektdauer im Verhältnis des Arbeitsfortschritts erfasst, was eine volatile Erfolgsrechnung verhindert. Dies trägt zu einer transparenten und betriebswirtschaftlichen Darstellung der Finanz- und Ertragslage im Sinne der True and Fair View bei.
Nachteile: Die Methode ist aufwändig und birgt eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Schätzung des Arbeitsfortschrittes und des Gesamtergebnisses (Laufende Überarbeitung des Arbeitsfortschritts und der Schätzung, Berücksichtigung von den noch anfallenden Kosten, sofortige und 100%ige Berücksichtigung eines allfälligen Verlusts).
Wir danken für die Beantwortung der Fragen.
Interviewpartner:
- Daniel Zaugg, dipl. Wirtschaftsprüfer, Partner, Ernst & Young Zürich, daniel.zaugg(at)ch.ey.com
- Markus Abderhalden, dipl. Wirtschaftsprüfer, Senior Manager, Ernst & Young St. Gallen, markus.abderhalden(at)ch.ey.com