Controlling bietet keine Entlastung von der Verantwortung

Sobald ein Unternehmen in der Öffentlichkeit wegen irgendeiner Unregelmässigkeit am Pranger steht, wird oft und gerne auf das Versagen des internen Controllings verwiesen. Häufig wird suggeriert, dass das Controlling seine Funktion nicht erfüllt habe. Allenfalls wird mit der Mehrfachbedeutung des Wortes „Controlling“ gespielt, um Verwirrung zu stiften mit dem Ziel, die Firmenleitung zu entlasten. So könnte man argumentieren, dass die Entscheidungen des Managements im entscheidenden Fall nicht gebührend „kontrolliert“ worden seien. Doch abgesehen davon, dass sich das Controlling nicht nur auf die Kontrolle reduziert, liesse sich fragen, was denn die eigentliche Funktion des Controllings ist.

Effiziente und effektive Steuerung und Lenkung auf Basis der Strategie

Controlling meint in erster Linie Lenkung und Steuerung eines Unternehmens. Ziel ist es, die Effizienz („Die Dinge richtig tun“) und die Effektivität („Die richtigen Dinge tun“) der Führung zu erhöhen. Diese Funktionen lassen sich objektiv aufgrund bestimmter Messindikatoren wahrnehmen getreu dem Motto: „If you can measure, you can control“. Die Indikatoren müssen dabei bestimmte Entwicklungen abbilden. Beim Katalog von Indikatoren zeigt sich im Idealfall die Kongruenz mit der Strategie.

Controlling ist mehr als Kontrolle

Controlling lässt sich nicht dem landläufigen Wort Kontrolle übersetzen, da es sich um eine umfassendere Aufgabe handelt. Konkret befasst es sich mit der Kontrolle von Masszahlen, um dem Management Entscheidungsgrundlagen zu bieten. Und mit der Kontrolle ist in zweiter Linie eine Verhaltensänderung verbunden. Doch schliesslich muss das Management für die eigenen Entscheidungen die Verantwortung tragen. Eine Entlastung von dieser Verantwortung kann das Controlling also nicht bieten. Effektivität ist aber auch  im Sinne einer Negativdefinition zu verstehen („Die falschen Dinge nicht tun“).

Controlling als normatives System – auch für das Management

Selbst ein installiertes Internes Kontrollsystem (IKS) kann dem Management bei Fehlentscheidungen keine Entlastung bieten. Denn laut Definition muss ein IKS von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung abgesegnet werden. Soll die Controllingabteilung bei einem Fehlverhalten des Topmanagements intervenieren, ergeben sich zudem  Loyalitätskonflikte. Deshalb muss sich ein Management als oberstes Führungsgremium selbst an die Vorgaben des Controllings halten. Die Führungscrew einer Organisation kann sich nicht herausreden mit dem Hinweis, das Controlling habe nicht funktioniert. Denn normativ ist das Management zur Einhaltung der selbst gewählten Leitlinien verpflichtet. Oder das Controlling wird dann zur Funktion eines Feigenblatts degradiert.

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