Die Situation ist allen bekannt. Eine Projektgruppe muss einen bestimmten Auftrag ausführen, doch manchmal ist es schwierig, dass das heterogen zusammengewürfelte Team eine gemeinsame Basis findet. Da ist jener, der die Sitzungen oft schwänzt, aber dann der Gruppe Vorhaltungen macht, weil das Projekt noch nicht weiter fortgeschritten ist. Gleichzeitig kritisiert er oder sie mit zynischen Bemerkungen ungefragt die bisher von den anderen Gruppenmitgliedern eingebrachten Ideen. Andere Figuren sitzen während den Sitzungen aufs Maul, wissen dann aber nach einem Meeting genau, was getan werden müsste. Oder dann sind da noch jene, die sich bei den Gruppentreffen mit den Entscheidungen grundsätzlich einverstanden erklären, was sie jedoch nicht daran hindert, das Projekt ausserhalb schlecht zu machen. Dies sind nur einige Verhaltensweisen aus dem Projektalltag. Solche Situationen stellen für die Führung von Gruppen eine echte Herausforderung dar.
Optimierung der Gruppenarbeit entscheidend
Was gute Führung bedeutet, darüber gehen die Meinungen weit auseinander, wie die vielfältige Palette von Ratgebern zum Thema beweist. Ob autokratischer Führungsstil oder selbst organisierende Einheit, meistens geht es um die Zusammenarbeit von Menschen in Gruppen. Innerhalb des Dienstwegs lässt sich Führung als Weisungsbefugnis kraft der hierarchischen Stellung ableiten, wobei es immer um Anordnungskompetenz grösserer und kleinerer Gruppen geht.
Im praktischen Büroalltag hat man es oft mit interdisziplinär zusammengesetzten Projektgruppen ausserhalb der der Linie zu tun. Beispielsweise für die Lancierung einer neuen Produktlinie setzt ein Unternehmen als erstes ein Projektteam ein, bestehend aus Marketingspezialisten, Ingenieuren und Controllern. Abgesehen vom je spezifischen Erfahrungshintergrund verfügen die Protagonisten über unterschiedliche Temperamente. Wo Menschen gemeinsam ein Ziel verfolgen, sind im Alltag Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Solche Diskussionen eröffnen zwar kreatives Potenzial, doch können Friktionen in der Gruppe mitunter zu verfahrenen Situationen führen oder einzelne Gruppenmitglieder geraten unter die Räder. Entscheidend ist das Ergebnis, und das ist dann am besten, wenn sich alle Gruppenmitglieder optimal entfalten können.
Gemeinsame Sache von Gruppe und Einzelperson
Ein Ansatz, der insbesondere auf die Interaktion in der Gruppe ausgerichtet ist, ist dieThemenzentrierte Interaktion (TZI). Das Konzept, das von Ruth Cohn vor über dreissig Jahren entwickelt wurde, hat sich in der Praxis bewährt.
Ziel der TZI ist es, Gruppenprozesse im Hinblick auf ein Sachziel nach bestimmten Regeln ablaufen zu lassen. Zentral beim Ansatz der TZI sind drei Bereiche:
- die Einzelperson (Ich)
- die Gruppe (Wir)
- die Sache (Es)
Entscheidend ist nun, wie sich die Einzelperson in die Gruppe einbringen kann mit dem Oberziel vor Augen: Die sachgerechte und optimale Erledigung des Auftrags.
Eine Regel besagt beispielsweise, dass Störungen Vorrang haben. Es handelt sich dabei um eine Art „Vetorecht“ des Einzelnen, der von einer bestimmten Entscheidung der Gruppe nicht überzeugt ist. Andererseits darf laut TZI eine Einzelperson die Gruppe nicht durch allzu stures Verhalten blockieren, da ansonsten die Erreichung des Sachziels nicht mehr gewährleistet sein könnte. In der Praxis folgt auf das Veto eines Gruppenmitglieds oft eine klärende Diskussion, bei der unter Umständen auch einfache Missverständnisse oder kommunikative Ungenauigkeiten aus dem Weg geräumt werden.
Verhaltensanleitung für Gruppen
Durch die übergeordnete Ebene des Sachziels laufen gruppendynamische Prozesse nach der Theorie der TZI anders ab. Tendenziell werden mögliche Grabenkämpfe in der Gruppe zu Gunsten einer sachdienlichen Lösung vermieden. Auch wird die Rolle des einzelnen Gruppenmitglieds gestärkt, was bei der Bewältigung der Aufgabenstellung den Lösungsraum öffnet. Durch die Objektivierung des Austauschs wird eine konstruktivere Diskussion gefördert und mit dem Hinweis auf das zu erreichende Sachziel läuft die Selbststeuerung von Gruppen effizienter ab. Die Methode ist eine Art Verhaltensanleitung für Gruppenmitglieder und sie besticht durch ihre Einfachheit und durch die Fokussierung auf die beteiligten Personen sowie die Zielerreichung. Die Themenzentrierte Interaktion fördert eine konstruktive Atmosphäre. Denn Teamarbeit könnte auch nach dem denkbar schlechtesten Ansatz einer Selbststeuerung der Gruppe ablaufen und das Wort TEAM liesse sich dann auch als Kürzel lesen unter dem Motto: Toll, Ein Anderer Macht’s.
