CFO-Interview: Vive le ROIC! Und was für die Looser Holding AG sonst noch zählt

Die Looser Holding AG ist eine weltweit agierende Unternehmensgruppe, die in den Segmenten Beschichtungen, Temperierungen, Industriedienstleistungen und Türen tätig ist. Mit insgesamt 23 operativen Gesellschaften hat die Looser Holding AG Nischenmärkte in Asien, Europa und den USA erschlossen. Im Bereich Beschichtung produziert und vertreibt das Unternehmen Holz-, Verpackung-, Industrie- und Antihaftlacke. Industriedienstleistungen erbringt Looser für die Baubranche, die öffentliche Hand sowie für Events mit mobilen Raumsystemen, Krane und Baugeräte. Das Segment Temperierung umfasst Wärmeübertragungsanlagen, Rückkühlaggregate und Temperiersysteme für die verschiedensten Branchen. Im Segment Türen schliesslich produziert und vertreibt Looser Zargen und Türen aller Art etwa für den Schutz vor Brand, Wärme, Rauch und Strahlung. Die Looser Holding AG ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Christoph Fierz, Chief Financial Officer (CFO) bei der Looser Holding AG, sagt, welche Kennzahlen bei der Führung wichtig sind und was das Credo bei der Rendite ist. Die folgenden Antworten beziehen sich auf persönliche Meinungen und sind damit natürlich nicht allgemein gültig.

Welche Kennzahlen sind für die Führung des Unternehmens zentral?

  • Profitabilitätskennzahlen: z.B. Renditen auf dem investierten Kapital wie z.B. Return on Invested Capital (ROIC), Return on Net Operation Assets (RONOA); ROI etc.
  • Cashflow-Kennzahlen: z.B. Cashflow brutto sowie Free Cash Flow
  • EBITDA und EBIT, sowie EBITDA und EBIT-Marge
  • Produktivitätskennzahlen wie z.B. Wert Output pro Stück. dividiert durch Wert Herstellungskosten pro Stück. etc.
  • Liquiditätskennzahlen wie z.B. EK-Quote, Nettoverschuldung etc.

Wieso haben Sie diese Kennzahlen als Führungs- und Steuerungsgrössen gewählt?

  • Profitabilität, Cashflow, Liquidität- und Produktivitätskennzahlen berücksichtigen praktisch die vollständige Wertschöpfung einer Unternehmung
  • Rendite und Margen aber auch Cash-Kennzahlen sind äusserst wichtig für die Steuerung eines Unternehmens; Cashkomponente ist immer zu berücksichtigen, denn Cash ist der „Schnauf“ eines Unternehmens

Nach welchen internen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen richten Sie in Ihrem Unternehmen die Investitionsentscheide aus?

  • Betreffend Capex (Investitionen in Sachanlagen): Dynamische Investitionsrechnung mit einer Payback-Methode; Renditevorgabe: mindestens 10%
  • Betreffend Akquisitionen: verschiedene Kennzahlen analog der Frage 1.; Hauptsächlich jedoch EBITDA- und EBIT-Margen sowie ROIC; ROIC muss über dem Weighted Average Cost of Capital (WACC) der eigenen Gesellschaft resp. der Gruppe liegen.

Welche volkswirtschaftlichen Indizes berücksichtigen Sie konkret bei Investitionsentscheiden? 

  • Je nach Land und je nach Märkten sind Wirtschaftswachstumsraten der betroffenen Branche relevant. Insbesondere  bei Akquisitionen sowie bei der Budgetierung bzw. bei der Definition der Ziele (z.B. Branchenwachstum im Maschinenbau in Deutschland oder Entwicklungen in der Kunststoffindustrie, Wachstum resp. Veränderung der Märkte in der Baubranche mit spezieller Betrachtung der  Bereiche Wohn – und Wirtschaftsbauten, etc.)
  • Bei Capex werden solche Indizes weniger berücksichtigt, zumal in diesem Bereich mehr eine Nutzenrechnung entscheidend ist (Investition versus Netto-Nutzen aus dieser Investition).

Welche Renditekennzahl ist für Sie relevant (z.B. Return on Capital Employed (Roce), Return on Net Assets (Rona), ROI)?

ROIC wird in unserem Unternehmen seit einigen Jahren als „Kredo“ eingesetzt.

Nach welchem Konzept beurteilen Sie die Werthaltigkeit von Investitionen und warum?

  • Capex: Diskontierte Nettonutzen werden der Investition gegenüber gestellt.
    Siehe auch Dynamische Investitionsrechnungen.
  • Akquisitionen: DCF-Methode als Näherungswert; Rest ist Verhandlungssache
  • Goodwill/Immaterielle Vermögenswerte: DCF-Methoden via Impairment-Tests

Wir danken Christoph Fierz für die Beantwortung der Fragen.

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