Net Working Capital als Finanzierungsquelle und Optimierungsansatz

Das Net Working Capital (NWC) ist eine wichtige Kennzahl für die Analyse der Liquidität. Es wird definiert als die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Bilanzkennzahl drückt das Verhältnis aus zwischen kurzfristigen Verbindlichkeiten und dem Umlaufsvermögen, das wiederum nach dem Grad der Flüssigkeit in der Bilanz aufgeführt ist. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten umfassen:

Bestände mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr
+ Steuerrückstellungen
+ sonstige kurzfristige Rückstellungen
+ passive Rechnungsabgrenzung

Zu Beachten: Bei der Berechnung der Verhältniszahlen verwendet man je nach Land unterschiedliche Begriffe, wie sich anhand einer Gegenüberstellung zwischen Deutschland und der Schweiz zeigt. In beiden Ländern ist das Working Capital (WC) bzw. das Net Working Capital (NWC) folgendermassen definiert:

Deutschland
WC = Umlaufsvermögen – kurzfristiges Fremdkapital
NWC = Umlaufsvermögen – Flüssige Mittel – kurzfristiges Fremdkapital

Schweiz
NWC = Umlaufsvermögen – kurzfristiges Fremdkapital

Das Net Working Capital ist in folgender Bilanz ausgewiesen:

10077_Abbildung 1

Setzt man Umlaufsvermögen und kurzfristige Verbindlichkeiten in ein Verhältnis, so erhält man die Working Capital Ratio 1 (WCR 1).

10077_Abbildung 2

Eine weitere Kennzahl (Working Capital Ratio 2) setzt das Working Capital mit deM Umlaufsvermögen ins Verhältnis (Working Capital : UV x 100).

10077_Abbildung 3

Die Working Capital Ratio 3 setzt das Working Capital ins Verhältnis zum Umsatz. Allerdings ist auch diese Kennzahl je nach Branche verschieden. Diese Kennzahl sollte zwischen 10 bis 20% betragen.

10077_Abbildung 4

Allerdings kann das so definierte Working Capital auch Bilanzposten enthalten, die nicht mit Umsatztätigkeit in Zusammenhang stehen wie sonstige Forderungen oder Forderungen aus Verkauf von Anlagevermögen.

Statische Kennzahl zeigt Optimierungspotenzial

Ihres statischen Charakters wegen sind die Kennzahlen jedoch bedingt aussagekräftig. Zudem sind die Kennzahlen je nach Branche sehr unterschiedlich. Die Bilanzkennzahlen zeigen jedoch Ansatzpunkte für die Optimierung verschiedener Bilanzposten. Insbesondere betrifft eine vertiefte Analyse die Lagerhaltung, den Bestand an Debitoren und Kreditoren.

Eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants sieht neben einem Optimierungspotenzial auch Möglichkeiten bei der Finanzierung. „Working Capital ist vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage gerade jetzt eine wichtige interne Finanzierungsquelle.“ Danach können schon kleine Verbesserungen bei Kundenforderungen, Vorräten und Lieferverbindlichkeiten eine signifikante Reduzierung des externen Finanzierungsbedarfs bewirken.

PriceWaterhouseCoopers zeigt in einer Studie auf, dass eine Optimierung des Working Capital zu einer Freisetzung von 20 – 30% des gebundenen Kapitals führen kann. Allerdings schaffen es lediglich 10% der Unternehmen, an den Branchen-Benchmark für das Working Capital heranzukommen.

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 29.06.2011 um 07:22 Uhr unter Controlling veröffentlicht.

Factoring verliert in der Unternehmensfinanzierung den Ruch der Sanierungslösung

Oft stellt sich für Unternehmen beim Ersuchen eines Kredits bei einer Bank heraus, dass die Konditionen nicht vorteilhaft sind. Als Alternative und Ergänzung zum Bankkredit bietet sich Factoring an. Dabei verkauft ein Unternehmen einem Factor laufend die Forderungen aus Lieferung und Leistung. Der Factor entrichtet im Gegenzug dem abtretenden Unternehmen direkt den Forderungskaufpreis unter Abzug einer Gebühr und Zinsen. Bis zum Zeitpunkt der Zahlung durch den Debitor behält der Factor oft einen Teil des Kaufpreises auf einem Sperrkonto zurück, um allfällige Skonti und Rabatte noch verrechnen zu können. In der Regel zahlt der Factor umgehend 80 bis 90 Prozent des Forderungsbetrages an den Klienten aus.

Formen von Factoring

Factoring-Dienstleistungen umfassen die Finanzierung, den Schutz vor Debitorenverlusten sowie das Debitorenmanagement (Full-Factoring). Möglich ist auch, dass das Debitorenmanagement beim Factornehmer verbleibt (Inhouse-Factoring) oder dass nur bestimmte Teile der Forderungen abgetreten werden (Teil-Factoring). Beim offenen Factoring ist der Debitor über die Forderungszession informiert, beim stillen Factoring dagegen nicht. Der Beizug einer Drittpartei könnte im sensiblen Geschäftsbereich beim Debitor auch zu Misstrauen führen. Doch Erfahrungen haben gezeigt, dass die Zahlungseingänge der Debitoren wesentlich schneller erfolgen, wenn der Mahnprozess durch eine Drittpartei erfolgt.

Was sind die Kosten, was der Nutzen?

Nimmt ein Unternehmen Full-Factoring in Anspruch, belaufen sich die Kosten einschliesslich Zinsen auf 1 bis 3 Prozent des Umsatzes. Den Kosten stehen jedoch potenzielle Einsparungen gegenüber. Bei den Lieferanten lassen sich durch die zeitnahe Begleichung der Rechnungen systematisch Skonti ausnützen. Zudem liesse sich auf die Gewährung von Skonti gegenüber den Debitoren verzichten. Im Gegenzug ermöglicht es der Zufluss von Liquidität, Kunden längere Zahlungsziele zu gewähren. Auch sind die Debitorenverluste, die im Durchschnitt 1 bis 3 Prozent des Umsatzes ausmachen, meistens durch den Factor gedeckt (je nach Art des Factoring). Dazu kommen Einsparungen im Mahnwesen und weitere Vorteile.

Wo es zum Einsatz kommt und wo nicht

Die Zession von Kundenforderungen erfolgte früher eher unter finanziellem Druck, was Factoring den Ruf einer Sanierungslösung eintrug. Factoring lässt sich zwar auch für die Schuldensanierung einsetzen, doch sind dessen Möglichkeiten für das Management der Liquidität vielfältiger. Mit wenigen Ausnahmen (Baugewerbe) ist der Einsatz von Factoring mittlerweile in vielen Branchen wie im Gewerbe, Personal- und Transportwesen oder bei IT-Unternehmen üblich.

Weniger zum Einsatz kommt Factoring im Privatkundengeschäft (Lieferung und Leistung an natürliche Personen). Zur Finanzierung von Neufirmen (Start-up) ist Factoring ebenfalls nicht geeignet, weil wirklich Debitoren fehlen und somit noch kein Haftungssubstrat vorhanden ist.

Verrechnungspreise – Preisbestimmung ohne Markt

Verrechnungspreise sind Wertansätze für innerbetrieblich erstellte Leistungen (z.B. Zwischenprodukte), die von anderen Gesellschaften oder Bereichen bezogen werden. Synonyme Begriffe sind der Lenk-, Bereichsabgabe-, Knappheits- oder Transferpreis. Ein Verrechnungspreis bezweckt eine Verhaltenssteuerung und die Optimierung strategischer und steuerpolitischer Ziele. Bei dezentralen Organisationsstrukturen lassen sich Verrechnungspreise intern (z.B. in Cost Centers) oder extern (zwischen Tochtergesellschaften) festlegen. Ein korrekter Ansatz für innerbetriebliche Leistungen wären Marktpreise. „If the market price exist (or can be approximated), use it.“ Doch für sehr spezifische Zwischenprodukte eines Unternehmens gibt es schlicht keinen Marktpreis. Neben der Erfolgsermittlung pro Bereich stellen Verrechnungspreise die Koordination im Sinne der Zentrale sicher. Ein Nachteil besteht nun darin, dass sich solche Lenkungs- oder Transferpreise im Hinblick auf eine Bereichsgewinnmaximierung zu Ungunsten der Konzernzentrale festsetzen lassen.

Grenzüberschreitende Steueroptimierung

Ein weiteres Problem bei Abwicklung über Ländergrenzen hinweg ist die Ausnützung unterschiedlicher Steuersätze zwecks Verschiebung von Gewinnen. Ein Unternehmen kann beispielsweise über die Festsetzung bestimmter Verrechnungspreise Gewinne von einem Hochsteuerland in ein Land mit tieferem Steuersatz verschieben, was in Zeiten der Globalisierung natürlich verlockend ist. Nach Schätzungen der OECD machen konzerninterne Liefer- und Bezugstransfers von Waren rund 60 Prozent des weltweiten Handels aus. Gemäss OECD-Richtlinien müssen die Transferpreise jedoch einem Fremdvergleich standhalten.

Den richtigen Transferpreis…

In der Praxis am häufigsten Verwendung finden kostenorientierte Transferpreise. Zum Einsatz gelangt die Verrechnung zu Standardkosten oder Vollkosten (oft verwendet), aber auch zu Istkosten (selten verwendet) und zu Grenzkosten. Bei der Wahl der Verrechnungspreise zu Vollkosten erhält der leistende Bereich die Kosten vergütet und der beziehende Bereich realisiert den Gewinn. Werden dagegen Grenzkosten zu Grunde gelegt, wird die beziehende Gesellschaft begünstigt, während die liefernde Gesellschaft das Verlustrisiko trägt. Bei Standardkosten trägt der liefernde Bereich das Risiko von Kostenabweichungen. In diesem Spannungsfeld muss ein Unternehmen den passenden Transferpreis finden, wobei zwischen dem Bedürfnis nach Autonomie der dezentralen Einheiten und dem Anspruch auf eine möglichst umfassende Informationsbasis bei der Zentrale ein Mittelweg gefunden werden muss. Die Zentrale kann deshalb Prinzipien und Rahmenbedingungen bei der Handhabung der Transferpreise festlegen – mit zusätzlicher Genehmigungspflicht. Trotz verschiedener Lösungsansätze, welche bei den Transferpreisen eine Marktsituation abbilden sollen, muss man sich immer eines vor Augen halten: Den richtigen Transferpreis gibt es nicht.

Verordnung zur Unternehmens-Identifikationsnummer folgt am 1.4.2011

Die Verordnung über die Unternehmens-Identifikationsnummer (UIDV) tritt am 1. April 2011 in Kraft. Bereits seit dem 1. Januar 2011 gilt das Bundesgesetz über die Unternehmens-Identifikationsnummer (UIDG). Auf Basis von Gesetz und Verordnung wird jedem Unternehmen in der Schweiz eine eindeutige und Ämter übergreifende Unternehmens-Identifikationsnummer (UID) zugeordnet. Die einheitliche Identifikationsnummer wird in der gesamten Schweiz gelten.

Neun Ziffern plus Kürzel der jeweiligen Behörde

Die neue Nummer wird schrittweise sämtliche aktuell in der öffentlichen Verwaltung verwendeten Identifikations-nummern für Unternehmen ersetzten wie etwa die 6-Stellige MWST-Nummer oder die Handelsregisternummer. In einem ersten Schritt sollen die MWST-Nummern und die anderen Referenznummern der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) abgelöst werden.

Die neue Nummer besteht aus 9 Ziffern (z.B. CHE-123.456.789), wobei für die Zuordnung zum Bereich Mehrwertsteuer der Zusatz „MWST“ angehängt wird (z.B. CHE-123.456.789. MWST). Im Umgang mit anderen Behörden ändert sich entsprechend der Zusatz (z.B. CHE-123.456.789. AHV).

Übergangsfristen für organisatorische Anpassungen 

Die Hauptabteilung Mehrwertsteuer der ESTV wird für eine Übergangsfrist (bis Ende 2013) beide Nummern akzeptieren, danach gilt dann nur noch die UID-Nummer. Ab spätestens 2015 wird die UID in der Bundesverwaltung sowie in den kantonalen und kommunalen Verwaltungen Verwendung finden. Ziel des neuen Gesetzes ist es, den Datenaustausch zwischen Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung zu erleichtern und eine administrative Entlastung zu erreichen. Basis des Datenaustauschs bildet das teilweise öffentlich zugänglicheUID-Register (Inbetriebnahme am 11. Januar 2011).

Nicht zu verwechseln mit der UID in der EU!

Die neue Schweizer UID-Nummer ist nicht zu verwechseln mit der Umsatzsteuer-Identifikations-nummer (Abkürzung in der EU: UID-Nummer). Mit der EU-Nummer sind neben statistischen auch spezielle steuerliche Sachverhalte verbunden (z.B. Verrechnung von Dienstleistungen an Unternehmer).

Anpassung des Mehrwertsteuergesetzes (MWSTG)

Die Einführung der UID bedingt eine Anpassung des Mehrwertsteuergesetzes (MWSTG). Neu sollen in der Schweiz zu registrierende Unternehmen, die mehrwertsteuerpflichtige Leistungen erbringen, eine UID erhalten. Die Nummer ist dann als Hinweis einer Mehrwertsteuerregistrierung in der Schweiz auf den Rechnungen des steuerpflichtigen Unternehmens zu erwähnen.

Abwarten bis zur Klärung offener Fragen

Bei Unternehmen, für die in der Schweiz bereits eine Mehrwertsteuerregistrierung besteht, sind allerdings noch Fragen offen. Ist auf der Rechnung zusätzlich zur MWST-Nummer die UID aufzuführen? Wie muss der Hinweis über einen Registereintrag auf der Rechnung erfolgen? Welche Anpassungen sind bei Buchhaltungssystemen und bei der Informatik erforderlich? Antworten auf solche Fragen und weitere Details zur Umsetzung werden von der Steuerverwaltung im Verlaufe des ersten Quartals erwartet. Fachexperten raten denn auch, Anpassungen in der Informatik und bei Rechnungsformularen oder Dokumenten wenn immer möglich erst per Anfang 2012 vorzunehmen, denn bis dahin sollten alle Unklarheiten ausgeräumt sein.

Weitere Links

Zinssätze 2011 für die Berechnung geldwerter Leistungen

Anteilseigner eines Unternehmens können sich auf verschiedene Weise geldwerte Vorteile verschaffen. Beispiel für einen geldwerten Vorteil wäre eine ungenügende Verzinsung von Vorschüssen, die ein Unternehmen einem seiner Aktionäre gewährt, oder es wird gar ganz Verzinsung abgesehen. In einem anderen Fall stellt ein Gesellschafter dem Unternehmen ein Darlehen zu einem im Marktvergleich deutlich überhöhten Zinssatz zur Verfügung. In beiden Fällen verschafft sich der Aktionär einen Vorteil. Solche geldwerte Leistungen ziehen allerdings Steuerfolgen nach sich.

Die Gewährung unverzinslicher oder ungenügend verzinster Vorschüsse an Aktionäre (Gesellschafter) oder ihnen nahestehende Dritte stellt eine geldwerte Leistung dar, schreibt die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) in einem Rundschreiben. Dasselbe gelte für Vergütungen in Form von übersetzten Zinsen auf Guthaben der Beteiligten oder ihnen nahestehenden Personen. Solche geldwerten Leistungen unterliegen der Verrechnungssteuer (Formular 102). Für die Bemessung geldwerter Leistungen gelten laut ESTV seit 1. Januar 2011 folgender Zinssätze:

Nebenbemerkung zum Betriebskredit: Bei der Berechnung der steuerlich höchstzulässigen Zinsen ist auch das allfällig bestehende verdeckte Eigenkapital zu beachten (siehe dazu das Kreisschreiben Nr.6 unter diesem Link mit dem Dateinamen w97-006.pdf).

Schweizer Wirtschaft überrascht mit starkem BIP-Wachstum im Q4

„Die Zahlen für das Bruttoinlandprodukt sind überraschend gut“, sagt Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur, vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Im 4. Quartal 2010 hat das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem 3. Quartal um 0.9 Prozent zugenommen. Verglichen mit dem 4. Quartal des Vorjahres resultierte ein BIP-Wachstum von 3.1 Prozent, wie das SECO in einer Medienmitteilung schreibt. Positive Wachstumsimpulse gingen für das 4. Quartal von den Investitionen, der Handelsbilanz mit Waren sowie vom privaten Konsum aus.

Trotz des starken Frankens präsentiert sich die Schweizer Wirtschaft mit robustem Wachstum. „2010 war das Jahr der Erholung. Die Schweiz hat überdurchschnittlich stark von der Erholung profitieren können“, interpretiert Parnisari die jüngsten SECO-Zahlen. Andere Länder hätten dagegen grössere Schwierigkeiten mit einer wirtschaftlichen Erholung. Die Bruttoanlageninvestitionen sind in der Schweiz im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 4 Prozent gestiegen. Der private Konsum hat sich im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0.3 Prozent erhöht.

Impulse der Handelsbilanz vor allem im letzten Quartal

Der Warenverkehr entwickelte sich im 4. Quartal „positiv“, der Dienstleistungsverkehr hingegen „sehr negativ“. Die Exporte von Waren stiegen gegenüber dem Vorquartal um 3.2 Prozent, wobei die Zunahme deutlich stärker ausfiel als in den beiden vorangegangenen Quartalen. Die starke Zunahme bei den Warenexporten ist in hohem Masse auf die positive Entwicklung bei Chemikalien und verwandten Erzeugnissen zurückzuführen. Eine Zunahme verzeichneten auch die Warenimporte (+1.3 %). Die Dienstleistungsexporte verzeichneten im 4. Quartal einen Rückgang (-5.8%), stark zurück gingen auch die Dienstleistungseinfuhren (-4.4%).

Die BIP-Quartalsschätzungen ermöglichen eine erste provisorische Schätzung für das Gesamtjahr 2010. Demzufolge erhöhte sich das reale Bruttoinlandprodukte um 2.6 Prozent (zu laufenden Preisen +2%). Die Handelsbilanz mit Dienstleistungen (Netto-Exporte) hat über das ganze Jahr 2010 massgeblich zum BIP-Wachstum beigetragen, während die Handelsbilanz mit Waren dagegen fast keine Wachstumsimpulse geliefert hat (im 4. Quartal aber schon). Laut Bruno Parnisari zeigen Vergleiche von Quartalszahlen statistisch gesehen eine grössere Volatilität als Gesamtjahresvergleiche.

Wachstum breit abgestützt

„Die Schweiz hat bereits Ende 2010 das Vorkrisenniveau vom 3. Quartal von 2008 erreicht“, sagt Parnisari. Zudem ist das BIP-Wachstum im 4. Quartal 2010 breit abgestützt. Hauptsächliche Wachstumstreiber waren laut Mitteilung der Industriesektor (+1.5%) zusammen mit dem Finanzsektor (+1.0), aber auch das Baugewerbe (+0.9%). Wertschöpfungszunahmen verzeichneten auch der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste (+0.7%) sowie der öffentliche geprägte Sektor (+0.5%). Rückläufig war dagegen die Wertschöpfung bei der Landwirtschaft (-2.0%).

Themenzentrierte Interaktion – Der Einzelne in der Gruppe im Dienst der Sache

Die Situation ist allen bekannt. Eine Projektgruppe muss einen bestimmten Auftrag ausführen, doch manchmal ist es schwierig, dass das heterogen zusammengewürfelte Team eine gemeinsame Basis findet. Da ist jener, der die Sitzungen oft schwänzt, aber dann der Gruppe Vorhaltungen macht, weil das Projekt noch nicht weiter fortgeschritten ist. Gleichzeitig kritisiert er oder sie mit zynischen Bemerkungen ungefragt die bisher von den anderen Gruppenmitgliedern eingebrachten Ideen. Andere Figuren sitzen während den Sitzungen aufs Maul, wissen dann aber nach einem Meeting genau, was getan werden müsste. Oder dann sind da noch jene, die sich bei den Gruppentreffen mit den Entscheidungen grundsätzlich einverstanden erklären, was sie jedoch nicht daran hindert, das Projekt ausserhalb schlecht zu machen. Dies sind nur einige Verhaltensweisen aus dem Projektalltag. Solche Situationen stellen für die Führung von Gruppen eine echte Herausforderung dar.

Optimierung der Gruppenarbeit entscheidend

Was gute Führung bedeutet, darüber gehen die Meinungen weit auseinander, wie die vielfältige Palette von Ratgebern zum Thema beweist. Ob autokratischer Führungsstil oder selbst organisierende Einheit, meistens geht es um die Zusammenarbeit von Menschen in Gruppen. Innerhalb des Dienstwegs lässt sich Führung als Weisungsbefugnis kraft der hierarchischen Stellung ableiten, wobei es immer um Anordnungskompetenz grösserer und kleinerer Gruppen geht.

Im praktischen Büroalltag hat man es oft mit interdisziplinär zusammengesetzten Projektgruppen ausserhalb der der Linie zu tun. Beispielsweise für die Lancierung einer neuen Produktlinie setzt ein Unternehmen als erstes ein Projektteam ein, bestehend aus Marketingspezialisten, Ingenieuren und Controllern. Abgesehen vom je spezifischen Erfahrungshintergrund verfügen die Protagonisten über unterschiedliche Temperamente. Wo Menschen gemeinsam ein Ziel verfolgen, sind im Alltag Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Solche Diskussionen eröffnen zwar kreatives Potenzial, doch können Friktionen in der Gruppe mitunter zu verfahrenen Situationen führen oder einzelne Gruppenmitglieder geraten unter die Räder. Entscheidend ist das Ergebnis, und das ist dann am besten, wenn sich alle Gruppenmitglieder optimal entfalten können.

Gemeinsame Sache von Gruppe und Einzelperson

Ein Ansatz, der insbesondere auf die Interaktion in der Gruppe ausgerichtet ist, ist dieThemenzentrierte Interaktion (TZI). Das Konzept, das von Ruth Cohn vor über dreissig Jahren entwickelt wurde, hat sich in der Praxis bewährt.

Ziel der TZI ist es, Gruppenprozesse im Hinblick auf ein Sachziel nach bestimmten Regeln ablaufen zu lassen. Zentral beim Ansatz der TZI sind drei Bereiche:

  • die Einzelperson (Ich)
  • die Gruppe (Wir)
  • die Sache (Es)

Entscheidend ist nun, wie sich die Einzelperson in die Gruppe einbringen kann mit dem Oberziel vor Augen: Die sachgerechte und optimale Erledigung des Auftrags.

Eine Regel besagt beispielsweise, dass Störungen Vorrang haben. Es handelt sich dabei um eine Art „Vetorecht“ des Einzelnen, der von einer bestimmten Entscheidung der Gruppe nicht überzeugt ist. Andererseits darf laut TZI eine Einzelperson die Gruppe nicht durch allzu stures Verhalten blockieren, da ansonsten die Erreichung des Sachziels nicht mehr gewährleistet sein könnte. In der Praxis folgt auf das Veto eines Gruppenmitglieds oft eine klärende Diskussion, bei der unter Umständen auch einfache Missverständnisse oder kommunikative Ungenauigkeiten aus dem Weg geräumt werden.

Verhaltensanleitung für Gruppen

Durch die übergeordnete Ebene des Sachziels laufen gruppendynamische Prozesse nach der Theorie der TZI anders ab. Tendenziell werden mögliche Grabenkämpfe in der Gruppe zu Gunsten einer sachdienlichen Lösung vermieden. Auch wird die Rolle des einzelnen Gruppenmitglieds gestärkt, was bei der Bewältigung der Aufgabenstellung den Lösungsraum öffnet. Durch die Objektivierung des Austauschs wird eine konstruktivere Diskussion gefördert und mit dem Hinweis auf das zu erreichende Sachziel läuft die Selbststeuerung von Gruppen effizienter ab. Die Methode ist eine Art Verhaltensanleitung für Gruppenmitglieder und sie besticht durch ihre Einfachheit und durch die Fokussierung auf die beteiligten Personen sowie die Zielerreichung. Die Themenzentrierte Interaktion fördert eine konstruktive Atmosphäre. Denn Teamarbeit könnte auch nach dem denkbar schlechtesten Ansatz einer Selbststeuerung der Gruppe ablaufen und das Wort TEAM liesse sich dann auch als Kürzel lesen unter dem Motto: Toll, Ein Anderer Macht’s.

Competitor Accounting – Was Zahlen über die Konkurrenz erzählen

Im gleichen Geschäftsfeld agierende Unternehmen definieren ihre die Marktposition in Relation zum Mitbewerber. Competitor Accounting umfasst die systematische Sammlung und Auswertung von Informationen über einen Mitbewerber mit dem Zweck, Erkenntnisse über dessen Kosten- und Finanzlage und sein künftiges Verhalten zu erhalten. Die Analyse schärft zudem den Blick für die eigene Wettbewerbsposition. Eine mögliche deutsche Übersetzung vonCompetitor Accounting wäre Konkurrenzrechnung. Die Konkurrenzanalyse aus Sicht des Rechnungswesens erfolgt systematisch in drei Richtungen:

  1. Schätzung der Kosten beim Konkurrenzunternehmen
  2. Überwachung seiner Wettbewerbsposition
  3. Analyse der Mitbewerber auf Basis publizierter Jahresabschlüsse z.B. mittels Bilanzkennzahlen

Auch wenn sich mehrere Konkurrenzunternehmen in die Analyse einbeziehen lassen, liegt der Fokus in einer ersten Phase beim stärksten Mitbewerber (der relative Marktanteil des eigenen Unternehmens wird auch zu diesem in Beziehung gesetzt).

An den Kosten sollst du sie erkennen
So lassen sich aus Daten über die Stückkosten des konkurrierenden Unternehmens Erkenntnisse für die eigene Preisstrategie gewinnen. Die Kostenanalyse zeigt Gefahren auf, wenn etwa die Kosten des Konkurrenten unter jenen des eigenen Unternehmens liegen. Sie eröffnet aber auch Chancen fürs Marketing. Neben der Bewertung von Produktionsanlagen geben Art und Zahl der Zulieferer oder das Produktdesign Hinweise auf die Kostenstruktur beim Konkurrenzunternehmen. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, müssen allerdings Stückkosten und Produktionsvolumen dem eigenen Sortiment angepasst werden. Zudem müssen Effekte wie Kostensenkungsprogramme beim Konkurrenten oder Kosten für Fracht und Zölle (und andere nicht direkt Produkt bezogene Kosten) berücksichtigt werden.

Wichtiges Preissignal
Bei der Überwachung der Wettbewerbsposition kann eine höhere Umsatzrendite darauf hindeuten, dass ein Mitbewerber Preissenkungen vornimmt zu Gunsten eines höheren Umsatzvolumens oder eines höheren Marktanteils. Neben der Umsatzrendite liegt bei der Wettbewerbsanalyse der Fokus auf der Erfassung von Daten über Marktanteil, Umsatzrentabilität, Volumen, Stückpreise und Cashflows. Schlüsse ziehen lassen sich auch aus der Kapazitätsauslastung, dem Liquiditätsstatus oder dem Produktionspotenzial sowie allfälligen Engpässen. Änderungen bei der Wettbewerbsposition können auch auf eine Anpassung der Strategie hindeuten.

Interpretation wichtiger als reiner Zahlenvergleich
Kennzahlen und Einzeldaten gilt es jedoch, richtig zu interpretieren. So spricht eine Verschlechterung der relativen Stückkosten und der Finanzlage beim Konkurrenten nur scheinbar für eine relativ gesehen bessere eigene Position. Potenziell könnte der Mitbewerber auch Investitionen in die Forschung oder in eine Marke tätigen.

Neben der Jahresabschlussanalyse sind auch die Umwelt und das Branchenumfeld in die Untersuchung einzubeziehen. Es lassen sich etwa die Positionierung des Unternehmens oderstrategische Erfolgspositionen (SEP) ableiten. In einem zweiten Schritt gilt es, aus der Unternehmensentwicklung Trends abzuleiten. Erst danach lassen sich die berechneten finanziellen Kennzahlen im Rahmen einer Gesamtschau interpretieren.

Mit Competitor Accounting sind vor allem Mitbewerber im Blickfeld, doch ein Unternehmen lernt dabei auch viel Neues über sich selbst. Und es ist erstaunlich, welche Zahlen sich aus frei zugänglichen Quellen herausdestillieren lassen.

Literatur:

  • Dr. Andreas Hoffjan, Zur strategischen Relevanz wettbewerbsbezogener Kosteninformationen, in: Die Betriebswirtschaft, 2004, S. 211.227
  • Competitor Accounting, Controlling im Dienste der Konkurrenzanalyse, Zeitschrift für Controlling und Management, 2003, S. 379-390

Wie strategische Geschäftsfelder organisatorisch integriert werden Teil 2/2

Strategische Geschäftsfelder nehmen bei der Marktbearbeitung eine Sonderstellung ein. Das organisatorische Pendant ist die strategische Geschäftseinheit. Die Abgrenzung von strategischen Geschäftsfeldern bietet allerdings einige Herausforderungen. Etabliert haben sich in der Praxis zwei Vorgehensweisen.

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Wie strategische Geschäftsfelder organisatorisch integriert werden Teil 1/2

Der Umstand, dass Unternehmen ihr Handeln auf die optimale Erfüllung der Kundenbedürfnisse aufrichten, hat Auswirkungen auf die Organisationsstruktur. Eine spezielle organisatorische Ausformung sind strategische Geschäftsfelder. Während Unternehmen auf neue Marktchancen reagieren, indem sie über die selbst definierten Grenzen des Geschäfts hinausdenken, sollte als Teil der strategischen Planung im gleichen Schritt auch die Organisation den neuen Erfordernisse angepasst werden. Ausgangspunkt der Strategieentwicklung ist die Analyse des Umfelds eines Unternehmens.

Funktionale Gliederungen mit Einschränkung

Die gängigste Aufbaustruktur besteht aus einer funktionalen Gliederung, indem für die Aufgaben eigene Organisationseinheiten gebildet werden wie etwa Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Verwaltung. Funktional strukturiert sind vor allem kleine und mittelgrosse Unternehmen mit einer einheitlichen und einer beschränkten Zahl an Produkten oder Dienstleistungen. Vorteile dieser Organisationsform sind die Spezialisierung und die klare Zuteilung von Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung. Weil in der Praxis die Zusammenarbeit unter den Abteilungen oft nicht optimal funktioniert („Gärtchendenken“), kann die Entscheidungsfindung erschwert sein. Zudem ist die Markt- und Kundenorientierung bei dieser Art der Aufbauorganisation weniger ausgeprägt als bei anderen Gliederungen. Mitunter ist die Ergebnisverantwortung nicht eindeutig zugeordnet. Zur Wahrnehmung von Marktchancen auf Basis neuer Technologien und der optimalen Erfüllung der Kundenbedürfnisse müssen Unternehmen unter Umständen auf die Kompetenz mehrere Geschäftseinheiten zurückgreifen.

Stärkere Ausrichtung auf Kunden

Im Gefolge einer konsequenten Ausrichtung der Aktivitäten auf die Kundenbedürfnisse gehen grössere Unternehmen deshalb dazu über, ihre Aktivitäten in divisionalen Organisationseinheiten zu gliedern. Organisationen werden unter Betrachtung von Objekten wie Produkte, Kundengruppen oder Absatzgebiete strukturiert. Neben der Bezeichnung Division spricht man auch von Sparten- oder Geschäftsbereichen. Ein weiteres Charakteristikum von Organisationen mit Divisionsstruktur ist der Grad der Autonomie einzelner Einheiten. Grundsätzlich stellt sich dabei die Frage, ob die Divisionen bzw. Sparten dezentral oder zentral geführt werden sollen. Bei Unternehmen, deren Gliederung lediglich aus einigen wenigen, einheitlichen und kleineren Sparten besteht, lassen sich die einzelnen Organisationseinheiten zentral verwalten. Ein Zuviel an Autonomie macht auch aus Kostengründen wenig Sinn. Umfasst dagegen ein Unternehmen viele Sparten mit einem hohen Diversifizierungsgrad, erhöht sich für die Führung und Steuerung auch die Komplexität überproportional. Im diesem Fall drängt sich eine dezentrale Führungsstruktur auf. Die einzelnen Sparten sind oft als Profit-Center konzipiert (andere Formen sind Cost-Center oder Investment-Center). Technischer Fortschritt, gesellschaftliche oder demografische Entwicklungen führen dazu, dass sich das Marktumfeld in fortwährendem Wandel befindet, was Unternehmen wiederum Chancen eröffnet.

Von der Marktsegmentierung zum strategischen Geschäftsfeld

Basis für die Ausrichtung des Angebots ist in der Regel die Segmentierung des Absatzmarktes oder die methodische Abgrenzung von Teilmärkten. Technologische Innovation oder Änderungen im Nutzungsverhalten bei Konsumenten führen dazu, dass die Strukturierungen des Marktes nach den Gesichtspunkten des Marketings einem ständigen Wandel unterworfen sind. Durch eine technische Innovation können sich beispielsweise für Unternehmen in bestehenden Absatzregionen oder bei Kundengruppen neue Marktchancen ergeben. Werden bestimmte Kundenbedürfnisse bei mehreren Segmenten als relevant angesehen und das Potenzial als strategisch bedeutsam erkannt, erhält die spezielle Bearbeitung des Marktes eine hohe Priorität. Die Möglichkeit, einfach ein neues Kundensegment in die bestehende Struktur zu integrieren, ist oft kein gangbarer Weg, weil beispielsweise die veränderten Kundenbedürfnisse mehrere Kundensegmente oder Absatzregionen betreffen. Falls das Leistungsversprechen nur für ein Kundensegment formuliert werden müsste, liesse sich die Marktbearbeitung auch mit der bestehenden Organisationsstruktur bewältigen – etwa durch Einrichtung einer neuen Sparte. Strategische Geschäftsfelder erstrecken sich über mehrere Kundengruppen oder Absatzmärkte (siehe dazu auch den Geschäftsbericht 2012 S. 32 des Medtech-Unternehmens Ypsomed). Für die Marktbearbeitung im Rahmen eines strategischen Geschäftsfelds entsteht ein neues, sozusagen übergeordnetes Kundensegment und damit eine Organisationseinheit, die mehrere Bereiche des Unternehmens einbeziehen kann. Für die Lokalisierung spezieller Kundenbedürfnisse ist die Aussensicht entscheidend.

Herausforderungen bei Abgrenzung von SGF

Eine Herausforderung in der Praxis besteht in der Abgrenzung strategischer Geschäftsfelder auf Basis der Produkt-Markt-Matrix. Konkret geht es darum, im Umfeld des Unternehmens Bereiche zu definieren, die eine möglichst geschlossene abgrenzbare Einheit bilden. Das können neue Teilmärkte oder Segmente sein, von denen sich das Unternehmen klare Wettbewerbsvorteile verspricht. Allerdings ist die Abgrenzung eines neu zu bearbeitenden Bereichs in der Praxis sehr komplex und mit einer Reihe von Schwierigkeiten verbunden. Zum einen müssen gleichzeitig mehrere Betrachtungsebenen (z.B. Technik, Demografie, Recht) berücksichtigt werden. Kunden, Produktgruppen oder Wettbewerber sind mögliche Betrachtungsebenen für die Abgrenzung von Geschäftsfeldern. Zum anderen bestehen Wechselwirkungen zwischen den definierten Bereichen.

Welche Methoden zur Abgrenzung strategischer Geschäftsfelder in der Praxis zur Anwendung kommen, lesen Sie im zweiten Teil des Blogbeitrags.

Siehe dazu auch die Artikel:

http://www.insourcing-outsourcing.net/funktionale-divisionale-organisation-vorteile-nachteile/
http://www.mainland.at/kompetenz/publikationen/files/strategischegeschaeftsfeld-analyse.pdf