„Die Zahlen für das Bruttoinlandprodukt sind überraschend gut“, sagt Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur, vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Im 4. Quartal 2010 hat das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem 3. Quartal um 0.9 Prozent zugenommen. Verglichen mit dem 4. Quartal des Vorjahres resultierte ein BIP-Wachstum von 3.1 Prozent, wie das SECO in einer Medienmitteilung schreibt. Positive Wachstumsimpulse gingen für das 4. Quartal von den Investitionen, der Handelsbilanz mit Waren sowie vom privaten Konsum aus.
Trotz des starken Frankens präsentiert sich die Schweizer Wirtschaft mit robustem Wachstum. „2010 war das Jahr der Erholung. Die Schweiz hat überdurchschnittlich stark von der Erholung profitieren können“, interpretiert Parnisari die jüngsten SECO-Zahlen. Andere Länder hätten dagegen grössere Schwierigkeiten mit einer wirtschaftlichen Erholung. Die Bruttoanlageninvestitionen sind in der Schweiz im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 4 Prozent gestiegen. Der private Konsum hat sich im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0.3 Prozent erhöht.
Impulse der Handelsbilanz vor allem im letzten Quartal
Der Warenverkehr entwickelte sich im 4. Quartal „positiv“, der Dienstleistungsverkehr hingegen „sehr negativ“. Die Exporte von Waren stiegen gegenüber dem Vorquartal um 3.2 Prozent, wobei die Zunahme deutlich stärker ausfiel als in den beiden vorangegangenen Quartalen. Die starke Zunahme bei den Warenexporten ist in hohem Masse auf die positive Entwicklung bei Chemikalien und verwandten Erzeugnissen zurückzuführen. Eine Zunahme verzeichneten auch die Warenimporte (+1.3 %). Die Dienstleistungsexporte verzeichneten im 4. Quartal einen Rückgang (-5.8%), stark zurück gingen auch die Dienstleistungseinfuhren (-4.4%).
Die BIP-Quartalsschätzungen ermöglichen eine erste provisorische Schätzung für das Gesamtjahr 2010. Demzufolge erhöhte sich das reale Bruttoinlandprodukte um 2.6 Prozent (zu laufenden Preisen +2%). Die Handelsbilanz mit Dienstleistungen (Netto-Exporte) hat über das ganze Jahr 2010 massgeblich zum BIP-Wachstum beigetragen, während die Handelsbilanz mit Waren dagegen fast keine Wachstumsimpulse geliefert hat (im 4. Quartal aber schon). Laut Bruno Parnisari zeigen Vergleiche von Quartalszahlen statistisch gesehen eine grössere Volatilität als Gesamtjahresvergleiche.
Wachstum breit abgestützt
„Die Schweiz hat bereits Ende 2010 das Vorkrisenniveau vom 3. Quartal von 2008 erreicht“, sagt Parnisari. Zudem ist das BIP-Wachstum im 4. Quartal 2010 breit abgestützt. Hauptsächliche Wachstumstreiber waren laut Mitteilung der Industriesektor (+1.5%) zusammen mit dem Finanzsektor (+1.0), aber auch das Baugewerbe (+0.9%). Wertschöpfungszunahmen verzeichneten auch der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste (+0.7%) sowie der öffentliche geprägte Sektor (+0.5%). Rückläufig war dagegen die Wertschöpfung bei der Landwirtschaft (-2.0%).