Das Net Working Capital (NWC) ist eine wichtige Kennzahl für die Analyse der Liquidität. Es wird definiert als die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Bilanzkennzahl drückt das Verhältnis aus zwischen kurzfristigen Verbindlichkeiten und dem Umlaufsvermögen, das wiederum nach dem Grad der Flüssigkeit in der Bilanz aufgeführt ist. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten umfassen:
Bestände mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr
+ Steuerrückstellungen
+ sonstige kurzfristige Rückstellungen
+ passive Rechnungsabgrenzung
Zu Beachten: Bei der Berechnung der Verhältniszahlen verwendet man je nach Land unterschiedliche Begriffe, wie sich anhand einer Gegenüberstellung zwischen Deutschland und der Schweiz zeigt. In beiden Ländern ist das Working Capital (WC) bzw. das Net Working Capital (NWC) folgendermassen definiert:
Deutschland
WC = Umlaufsvermögen – kurzfristiges Fremdkapital
NWC = Umlaufsvermögen – Flüssige Mittel – kurzfristiges Fremdkapital
Schweiz
NWC = Umlaufsvermögen – kurzfristiges Fremdkapital
Das Net Working Capital ist in folgender Bilanz ausgewiesen:
Setzt man Umlaufsvermögen und kurzfristige Verbindlichkeiten in ein Verhältnis, so erhält man die Working Capital Ratio 1 (WCR 1).
Eine weitere Kennzahl (Working Capital Ratio 2) setzt das Working Capital mit deM Umlaufsvermögen ins Verhältnis (Working Capital : UV x 100).
Die Working Capital Ratio 3 setzt das Working Capital ins Verhältnis zum Umsatz. Allerdings ist auch diese Kennzahl je nach Branche verschieden. Diese Kennzahl sollte zwischen 10 bis 20% betragen.
Allerdings kann das so definierte Working Capital auch Bilanzposten enthalten, die nicht mit Umsatztätigkeit in Zusammenhang stehen wie sonstige Forderungen oder Forderungen aus Verkauf von Anlagevermögen.
Statische Kennzahl zeigt Optimierungspotenzial
Ihres statischen Charakters wegen sind die Kennzahlen jedoch bedingt aussagekräftig. Zudem sind die Kennzahlen je nach Branche sehr unterschiedlich. Die Bilanzkennzahlen zeigen jedoch Ansatzpunkte für die Optimierung verschiedener Bilanzposten. Insbesondere betrifft eine vertiefte Analyse die Lagerhaltung, den Bestand an Debitoren und Kreditoren.
Eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants sieht neben einem Optimierungspotenzial auch Möglichkeiten bei der Finanzierung. „Working Capital ist vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage gerade jetzt eine wichtige interne Finanzierungsquelle.“ Danach können schon kleine Verbesserungen bei Kundenforderungen, Vorräten und Lieferverbindlichkeiten eine signifikante Reduzierung des externen Finanzierungsbedarfs bewirken.
PriceWaterhouseCoopers zeigt in einer Studie auf, dass eine Optimierung des Working Capital zu einer Freisetzung von 20 – 30% des gebundenen Kapitals führen kann. Allerdings schaffen es lediglich 10% der Unternehmen, an den Branchen-Benchmark für das Working Capital heranzukommen.
Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 29.06.2011 um 07:22 Uhr unter Controlling veröffentlicht.



