Wirtschaftskriminalität verursacht in Schweizer Unternehmen Schäden von durchschnittlich rund CHF 360’000. Die höchsten Kosten verursachen in Schweizer KMU Diebstahl und Unterschlagung, während Datendiebstahl und Datenmissbrauch vor allem Grossunternehmen betrifft, wie das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG in einer Medienmitteilung zu einer heute veröffentlichten Studie schreibt. Ein Fazit der Dreiländerstudie (CH, D, A) zum Thema Wirtschaftskriminalität: Schweizer KMU unterschätzen Diebstahl und Unterschlagung nach wie vor. In der Schweiz sind 47 Prozent der Grossunternehmen und 13 Prozent der kleineren und mittelgrossen Unternehmen (KMU) von Wirtschaftskriminalität betroffen. In die Studie wurden rund 500 KMU und 93 Grossunternehmen einbezogen.
Haarsträubende Fälle
Die Studie zeigt anhand von aktuellen Fällen das Vorgehen. Da werden Berechnungsformeln manipuliert oder nicht autorisierte Zahlungseingänge verbucht. Dabei fallen manche Manipulationen ziemlich plump aus, wie eine Präsentation zur Studie zeigt. So trägt eine Rechnung neben dem Ausstellungsdatum auch den Stempel mit den Angaben über den Zeitpunkt der Verbuchung. Allerdings erfolgte die Verbuchung offensichtlich schon vor der Ausstellung der Rechnung.
Ein weiterer, in der Präsentation zur Studie zitierter Fall betrifft die betrügerische Finanzberichterstattung. Die fiktive Erhöhung des Jahresumsatzes von CHF 14 auf CHF 16 Mio. in zwei aufeinander folgenden Jahren führte bei einem Unternehmen zu einem massiv höheren Kaufpreis. Phantasie beim planmässigen Vorgehen sowie kriminelle Energie zeigt auch ein Beispiel zum Thema Veruntreuung.
Diese Fragen sollten Sie sich auch noch stellen
Oft sind es gemäss Studie bestimmte Details, bei denen sich die Augenbrauen heben sollten und die Anlass geben zu genaueren Abklärungen oder bei denen schlicht schon die Alarmglocken läuten sollten.
Folgende 10 Fragen sollten sich Verantwortliche des Rechnungswesens auf allen Hierarchiestufen stellen:
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| 1. | Sind bei der Nutzung von Software für den elektronischen Datenträgeraustausch die Passwörter geschützt? | |
| 2. | Fehlen Dokumente? | |
| 3. | Sind Verbuchungen unnötig kompliziert? | |
| 4. | Sind ungewöhnliche oder unerwartete Ausschläge bei Kennzahlen zu verzeichnen? | |
| 5. | Gibt es eine Verbuchung von Einmalkreditoren? | |
| 6. | Existieren enge Verknüpfungen von Mitarbeitenden mit Lieferanten? | |
| 7. | Werden ungefaltete Belege oder Kopien als Zahlungsnachweise vorgelegt? | |
| 8. | Wie verhält es sich mit der Kontrolle von abgeschriebenen Warenbeständen? | |
| 9. | Ist Vollständigkeit bei Erlösen aus der Entsorgung gewährleistet? | |
| 10. | Gibt es Rechnungen, die „sofort“ bezahlt werden? |
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Nach erfolgtem Delikt fragt man sich in vielen Unternehmen, warum es gerade sie getroffen hat. Dabei ist das Problembewusstsein sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Diebstahl und Unterschlagung bei KMU – Datendiebstahl und –missbrauch bei Grossen
Über die drei Länder betrachtet, sind Diebstahl und Unterschlagung die mit Abstand häufigsten Deliktarten (total 246 Fälle in den letzten zwei Jahren). In der Schweiz sind KMU besonders häufig davon betroffen, denn 71 der 138 hierzulande berichteten Fälle ereigneten sich in dieser Unternehmenskategorie, wie es in der Medienmitteilung weiter heisst. Zwar kennen KMU die Risiken in Folge einer Verletzung von Urheberrechten und Datendiebstahl einigermassen, doch Unternehmen sind sich der potenziellen Schäden durch Diebstahl und Unterschlagung immer noch zu wenig bewusst. Datendiebstahl und Datenmissbrauch sind in der Schweiz vor allem bei Grossunternehmen ein Problem. Die untersuchten Schweizer KMU bezifferten gemäss Medienmitteilung den entstandenen Gesamtschaden über die letzten zwei Jahre auf rund CHF 4.7 Mio.
Mehrheitlich externe Täter bei KMU
Auffällig ist, dass in Schweizer KMU 56 Prozent der Fälle von unternehmensexternen Tätern begangen wurden. Die interne Täterschaft stammt meist aus dem mittleren und oberen Management, wie es in der Mitteilung zur Studie heisst. Die KMU-Mitarbeitenden ohne Kaderfunktion seien vergleichsweise deutlich seltener in Wirtschaftsdelikte involviert. In der Schweiz ist besonders der Anteil des mittleren und oberen Managements mit 21 Prozent insgesamt relativ hoch (DE 12%, AT 5%).
Wichtige Hinweise von innen und aussen
Die meisten Delikte wurden durch Hinweise von Personen ausserhalb des Unternehmens (17%) oder durch unternehmensinterne Meldungen (19%) aufgedeckt. In 10 Prozent der Fälle führten Hinweise der Strafverfolgungsbehörden zur Aufdeckung. Eher selten wird das Unternehmen erst durch die Medienberichterstattung auf kriminelle Missstände aufmerksam. Zwischen den einzelnen Ländern gab es diesbezüglich keine grossen Abweichungen.
Finanzieller Druck und Aussicht auf Boni
Finanzieller Druck und die Aussicht auf Boni sind gemäss Studie zwei der zentralen Beweggründe für Wirtschaftsdelikte. Dieses Motiv ist in der Schweiz stärker ausgeprägt (29%) und liegt über den Vergleichswerten aus Deutschland (11%) und Österreich (25%). Auf die Frage, weshalb ein Wirtschaftsdelikt passieren konnte, nannten die meisten Unternehmen übereinstimmend mangelndes Unrechtsbewusstsein, gefolgt von fehlende Kontrollen und Unachtsamkeit, wie es in der Studie heisst. Die meisten Fälle werden denn auch arbeits- oder zivilrechtlich sanktioniert (60%). Nur ein Viertel der Fälle wird strafrechtlich verfolgt, was deutlich macht, dass ein Grossteil der Fälle nie an die Öffentlichkeit gelangt.
Die vollständige Studie finden Sie hier.