Jahresrückblick ins 16. Jhd. oder vom Vorteil „untadelhaffte Register der Schulden zu haben“ Teil 2/2

Die verschiedenen geschäftlichen Handlungen wurden in mehrere Bücher eingetragen. Geschäftsfälle fanden Eintrag ins „Journal“, die Warenwirtschaft wurde im „Kaps“ geordnet und Aufwandposten wurden im „Unkost Büchlin“ aufgelistet. Analog zur heutigen Praxis ordnete man schon damals die Geschäftsfälle im Journal (dt. etwa = Tagebuch) chronologisch mit laufender Nummer, Datum, Betrag und einem Kurzkommentar. Denn: „Im Grund Buch, darin alle dinge nach ordnung der zeit und umbstende, wie sie gehandelt, verzeichnet und eingeschrieben.“ Pro Monat sind im Jahr 1600 zwischen vier und zehn Geschäftsfälle verzeichnet.

Und wenn der Autor „Kaps“ erläutert, meint er eine Aufstellung der eingekauften und verkauften Waren als „sonderlichen Auszug aus dem Journal“. „Was man von Güttern einkaufft, das schreibet man zur linken Hand und was von Wahren verkaufft zur rechten hand.“ Aus dieser Art Erfolgsrechnung man also „leichtlich sehen mag, wie viel wahren entpfangen, verkaufft und noch verhanden, und was daraus gelöst oder umb wie viel sie verkaufft werden mögen“.

Ein weiterer Auszug aus dem Journal ist das „Schuld Buch“, wobei Erklärungen folgen über die Verbuchung von Zahlungen und Schulden. „Als was einer schuldig, schreibet er gegen der linken hand, was er aber zahlet hat gegen der rechten hand.“ Speziell verwiesen wird auf den Bestand an flüssigen Mitteln und wofür Ein- und Auszahlungen erfolgten. „Item, zu ende dieses Buches mag man haben ein Rechnung der Cassa.“ „Als was einer von bahrem Gelde einlegens und ausnemens, schreibet er zu lincken hand, uns was davon genommen oder ausgeben wirt, zur rechten hand.“

Aber auch die Aufwandposten sind speziell ausgewiesen wie etwa die Transportkosten. „Damit nicht einem jedem Boten Fuhr, Trag, Binde, Wagen, lohn gegeben werden dürffe, so pfleget man zu halten ein klein büchlin, wie man denn mit diesem Büchlin alle Monat abrechnen mag.“

Debitoren und Kreditoren im „Memorial Buch“ und Inventar im „Secret Buch“

Doch ein Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung ist schon vorhanden. Im „Memorial Buch“ sind „alle die jenigen“ aufgeführt, welche „zum einkauffen oder verkauffen gebraucht werden“, und zwar mit Namen von Käufern und Verkäufern, Tag und Jahr des Geschäftsfalles sowie Preis, Art und Herkunft der Ware – und „ob es auf bahr oder auff zeit gehandelt“ wurde. Das „Secret Buch“ sodann „ist gleich wie ein Inventarium und „enthält den Bestand an baren Mitteln, Waren, Schulden, Zinsen und „Bergwercken“.

Von dem „furttragen“ und „Regul im Buchhalten oder von den Circumstantiis“

Und die Methodik der Buchhaltung verlangt es, Ordnung zu halten. Sobald also pro Ware oder Schuld ein Blatt voll geschrieben ist, sollte man das Blatt abschliessen und man „trage oder schreibe den Rest an ein ander Blat, da ich wiederumb plaz habe.“

Und mit der „Regul im Buchhalten oder von den Circumstantiis“ verweist der Autor auf die Systematik mit den wichtigsten Begriffen wie Debitor, Kreditor oder Cassa. Cassa ist nichts anderes als „ein Thrune darin man das bahre Geld schleust“.

Finanzierung des Handels mit Wechseln

Das Journal ermöglicht einen Einblick in ein typisches Handelsgeschäft jener Zeit, bei dem beträchtliche Mengen verschoben wurden. Fein säuberlich sind die einzelnen Geschäftsfälle aufgelistet, wie jenes am 3. Januar 1600. „Honig kaufft ich von Kunrad Klosen in Wien 2 Tonnen, jede Tonne zu 8 Thalern, habe ich bahr zahlt.“ Den Honig verkauft unser Handelsmann am 7. Frabruar 1600 weiter. „Blasien Kirchnern von Prag verkaufft ich Honig, 2 Tonnen.“ Aber gehandelt wird auch mit Hering, Ingwer, Leinwand oder „Negelin“ (24. März 1600). „Georg Khünen verkauft ich hering 6 Tonnen“ (1. Juni 1600). Am 6. Juni erfolgt sogar eine Lieferung von 15 Tonnen! Aufgeführt sind im Journal auch die Zahlungen. „Cassa hat empfangen von Hans Schmiden“. Ausgewiesen sind die Gewinne, die pro Warengattung erzielt wurden, und das Journal enthält Angaben zu einem Wechselgeschäfte (4. Dezember).

 

Währungsumrechnung beim Handel über Grenzen

Handel trieb man offenbar in gesamten mitteleuropäischen Raum. Mandeln kamen aus Leipzig, Hering wurde nach Breslau verkauft. Kunden und Lieferanten befanden sich auch in den Städten Freiburg. Bei der international ausgerichteten Geschäftstätigkeit musste man sich zwangsläufig auch mit Währungen und deren Umrechung beschäftigen. In einem speziellen Teil des Buches geht der Autor auf das Thema Münzen und Währungen in „Böheimb“ (wahrscheinlich Böhmen) ein. Und auch bei diesem Thema greift Schultzen auf die Expertise eines Praktikers zurück. Das Münzwesen wie etwa den Gehalt an Edelmetallen bei den einzelnen Währungen thematisiert der Autor anhand von Beispielen aus einem Buch von Melchor Goldammer, Rechenmeister zu Görlitz. „Von gemeinem Wechseln der Müntze, allein durch Multiplicirn und Dividirn“ ist anhand von vielen Beispielen die Rede. „Von Rechnung uber Land“ resultiert dann schon einmal ein „Gewin oder Verlust“. Angegeben sind auch die entsprechenden Wechselverhältnisse der Währungen von  Polen (S. 237), Ungarn („Hungern“), Osterreich (S. 241) sowie Nürnberg (S. 244) und Meissen oder Sachsen (S. 247).

Gewinn- und Verlustrechnung aus dem „Conto der Cassa oder Rechnung von Bahrschafft“

Was am Ende des Jahres bleibt, zeigen „Cassa Einnamb“ und „Cassa Ausgabe“, welche jeweils  „vom nechsten Blat anhero getragen“ werden. Also summiert Rechenführer Johann Neudörffer den Bestand an flüssigen Mitteln, die Forderungen und „die bleibenden Wahrn“ und subtrahiert davon die Ausgaben und Schulden. Und so „findet sich der Rest, dem im Gütter Buch gesezten Gewien gleich.“

Schliesslich ist noch ein Zinsverlust von 71 Talern und 24 Gulden ausgewiesen sowie Unkosten von 20 Talern, welche den Gewinn insgesamt schmälern. Trotzdem „bleibet bestendiger Gewien von 507 Talern, 19 Gulden und 8 Hellern“.

Thema im „ersten Theil“ sind die vier Grundrechenarten sowie Bruchrechnen. „Der ander Theil, von der Practica“ geht dann speziell aufs Rechnen bei Handel und Gewerbe ein. Was es mit brutto, tara und netto auf sich hält, wird ebenso erläutert wie die Pacht. „Im Bergwerck gehöret allemahl der Zehende Theil dem Grund Herrn.“

Kapitel zu den Gesellschaftsformen

Doch das Buch geht auch auf die damals üblichen Gesellschaftsformen ein, wenn sich gewisse Personen zusammenfinden, um gemeinsam „auf Gewien und Verlust“ Handel zu treiben. Entsprechend einer Personengesellschaft empfiehlt der Autor, „was sie als dann in demselbigen Handel gewinnen oder verliehren“ nach der „Regul De tri“, also nach dem Dreisatzsystem, aufzuteilen sich bemüssigt sein sollten. Ein weiteres Kapitel ist dem Zins- und Zinseszinsrechnen gewidmet.

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