Die Zahl von Fusionen und Übernahmen von Firmen ist in der Schweiz im Jahr 2011 um 20.6 Prozent angestiegen auf 316 Transaktionen angestiegen (Vorjahr: 262 Deals). Das Gesamtvolumen der Transaktionen sank jedoch um 14.9 Prozent auf USD 74.5 Mrd., wie das Beratungsunternehmen KPMG im „M&A Yearbook 2012“ schreibt. Dabei habe die Bedeutung der sich dynamisch entwickelnden Wachstumsmärkte stark zugenommen. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte sei es zu grösseren Aktivitäten gekommen mit höheren Finanzierungskosten und einer grösseren Risikobereitschaft. „Das M&A-Geschäft bildet die reale wirtschaftliche Entwicklung relativ gut ab“, sagt Patrik Kerler, der den M&A-Bereich bei KPMG leitet. Die Performance der Aktienbörse korreliere historisch eng mit der M&A-Aktivität.
Laufende Neuorientierung der Unternehmen und Suche nach Wachstum
Als wichtigen Treiber für Megers & Acqusitions (deutsch: Fusionen und Übernahmen) identifizieren die Autoren der Studie die Wirtschaftslage. Die heftigen Turbulenzen an den europäischen Märkten verursachten Unsicherheit und eine anhaltende Volatilität, so dass Unternehmen gezwungen seien, sich laufend neu zu orientieren. Zudem habe die Eurokrise dazu geführt, dass die M&A-Märkte gebremst worden seien. Die Suche nach Wachstum fand deshalb ausserhalb der gesättigten Märkte in Europa statt, insbesondere in den sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Zudem werden die „Next 11“ (u.a. Türkei, Südafrika, Indonesien, Südkorea) beim M&A-Geschäft in Zukunft eine tragende Rolle spielen, wie es in der Mitteilung von KPMG heisst. M&A bleibe in der Schweiz ein wichiges Betätigungsfeld, denn die Attrakivität als Destination für Transaktionen von Schweizer Unternehmen nehme laufend zu.
Untergeordnete Rolle des Schweizer Frankens
Interessanterweise hat der starke Franken die M&A-Aktivitäten in der Schweiz nicht massgeblich beeinträchtigt, wie KPMG in der Medienmitteilung schreibt. „M&A- Entscheidungen sind strategischer Natur, weshalb die aktuelle Währungssituation in der Schweiz beispielsweise für Firmenkäufe nur eine untergeordnete Rolle in der Entscheidfindung spielt“, sagt Patrik Kerler. Allerdings habe die Intervention der Schweizerischen Nationalbank zu einer Beruhigung der Situation beigetragen mit positiven Effekten auf das M&A-Geschäft. Der starke Franken habe auch 2012 bei Fusionen und Übernahmen eine limitierte Bedeutung.
Neben dem „Yearbook“ erstellt KPMG vierteljährlich M&A-Reports. Berücksichtigt werden in der M&A-Studie zum einen lediglich Käufe und Verkäufe von Beteiligungen von mindestens 30 Prozent. Zum anderen werden nur Fusionen und Übernahmen mit einem Transaktionswert von USD 7 Mio. und einem Umsatz von USD 14 Mio. in die Studie aufgenommen.
Optimistischer Ausblick für 2012
Die fundamentalen Risikofaktoren sollten sich laut „Yearbook“ im Verlauf des Jahres 2012 nachhaltig stabilisieren. Insgesamt seien die Schweizer Unternehmen im globalen Vergleich überdurchschnittlich stark eigenfinanziert und liquid, was für 2012 Chancen für interessante und viele Transaktionen eröffne. Wachstum, ein Hauptziel gewinnorientierter Unternehmen, müsse jedoch vermehrt in aufstrebenden Märkten erzielt werden. Transaktionen von Schweizer Unternehmen in solche Regionen nehmen überdurchschnittlich zu, wie es weiter heisst. Für die Schweiz relevant sei insbesondere die Situation beim Private Banking. KPMG geht im Finanzsektor von einer Konsolidierung aus. Insgesamt erwarte man 2012 ein herausforderndes, aber positives M&A-Jahr mit wachsendem Volumen.