Das Management einer Tochtergesellschaft in einem aufstrebenden Markt beschliesst ohne Rücksprache mit den Konzernverantwortlichen, mit der Gewährung grosszügiger Rabatte Umsatz zu bolzen. Es handelt sich um ein in der Betriebswirtschaft bekanntes Problem, das sich aufgrund der Delegation von Aufgaben ergeben kann und welches auch das Controlling betrifft. Die Prinzipal-Agent-Theorie zeigt nun auf, welche Problemfelder sich im Verhalten von Entscheidungsträgern unter Annahme bestimmter Grundkonstellationen ergeben können. Bei einem Unternehmen gilt beispielsweise der Aktionär als der so genannte Prinzipal, während ein Topmanager in der Funktion des Agenten agiert. Prinzipal kann aber auch eine Firmenzentrale sein und Agent ein Bereichsleiter.
Zentraler Bestandteil des Controllings ist die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR), die einerseits die Basis ist für eigene Entscheide mit kurzfristiger Wirkung. Andererseits hat die KLR auf lange Sicht auch eine Verhaltenssteuerung zum Ziel, wobei in diesem Fall die Beeinflussung von Entscheiden Dritter im Vordergrund steht. Und bei dieser Verhaltenssteuerung von Kader und Mitarbeitern setzt die Prinzipal-Agent-Theorie an.

Asymmetrische Informationsverteilung lässt sich ausnützen
Problemfelder in diesem Beziehungsgeflecht betreffen die asymmetrische Informationsverteilung und mögliche Zielkonflikte zwischen Prinzipal und Agent. Bei der Informationsasymmetrie sind die Entscheidungsbefugnisse auf mehrere Personen verteilt und die Informationsbeschaffung erfolgt durch die beauftragte Person, also den Manager. Deshalb kann es in der Praxis sein, dass Leitungsgremien oder Bereichsleiter aufgrund ihrer hierarchischen Position über mehr Detailinformationen verfügen als die Firmenzentrale. Und es kann unter Umständen zudem fraglich sein, ob seine Berichterstattung ans Headquarter immer wahrheitsgemäss ist. Denn der Agent sitzt bezüglich Information oft am längeren Hebel.
Zielkonflikte sind vorprogrammiert
Zielkonflikte wiederum ergeben sich aufgrund unterschiedlicher Präferenzen. So können für die Zentrale finanzielle Oberziele eines Unternehmens Priorität haben, während ein Bereichsleiter dagegen persönliche Ziele wie die Karriere oder eine saftige Entschädigung als wichtiger erachtet. Solche Zielkonflikte entstehen in bestimmten Delegationsbeziehungen, bei denen der Prinzipal dem Agenten einen Auftrag erteilt, wobei Präferenzen und Interessen unterschiedlich sein können. Entscheidend ist nun, dass sich das Verhalten des Entscheidungsträgers nicht beobachten lässt. Folge: Es kommt zu Informationsineffizienzen. Die Aufstellung unten zeigt die Verhaltensunsicherheiten bei Koordinationsproblemen zwischen verschiedenen Parteien.

Die Prinzipal-Agent-Theorie versucht für die Grundkonflikte Handlungsstrategien abzuleiten, um den Gesamtnutzen zu erhöhen. Der Prinzipal (z.B. Aktionär) hat die Möglichkeit, die Tätigkeiten des Managements zu beobachten und es angemessen zu entschädigen. Eine Rolle spielt zudem, ob sich Prinzipal und Agent risikoscheu oder risikoneutral verhalten.
Ist das Verhalten des Agenten vom Prinzipal nicht beobachtbar, besteht eine Informationsasymmetrie und somit ein Problem des Anreizes. Der Agent kann sein Verhalten zum Beispiel mit ungünstigen Umständen rechtfertigen, ohne dass der Prinzipal dies nachprüfen kann. Grundsätzlich will die Prinzipal-Agent-Theorie Zielkonflikte zwischen den Parteien durch Interessenausgleich reduzieren. Das Konzept ermöglicht es aber auch, Handlungsstrategien und Massnahmen abzuleiten.
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