BIP 2011/Q2: Moderates Wachstum in schwierigem Umfeld

Das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz (BIP) ist zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal 2011 um 0,4% gestiegen. Positive Wachstumsimpulse gingen vor allem von der Handelsbilanz mit Waren aus, da die Importe zurückgingen und die Exporte zunahmen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO heute in einer Mitteilung schreibt. Der private Konsum habe sich leicht erhöht, während die Bruttoanlageinvestitionen einen Rückgang verzeichneten. Produktionsseitig hätten vor allem die binnenwirtschaftlichen Dienstleistungssektoren zum Wachstum beigetragen, nicht hingegen die Industrie und der durch Finanzmarktdienstleistungen geprägte Sektor. Verglichen mit dem 2. Quartal des Vorjahres resultierte ein BIP-Wachstum von 2,3%, wie das SECO weiter schreibt.

Die Veränderungsraten des BIP gemäss SECO-Statistik (Quelle)
 

„Im internationalen Vergleich ist die Wachstumsrate für das 2. Quartal noch relativ gut, denn in Europa gibt es Länder mit einem Nullwachstum“, sagt Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Allerdings müsse man bedenken, dass sich im Juni und Juli Anzeichen für eine Verlangsamung gehäuft hätten. Insbesondere der Purchasing Managers Index (PMI) oder der ISM Einkaufsmanagerindex zeigten in diese Richtung. Aufgrund dieser Verlangsamung der Konjunktur sollte man für das 3. Quartal mit einem schwächeren Wachstum rechnen, so Parnisari.

Privatkonsum steigt leicht

Der private Konsum ist im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,2% gestiegen. Positive Beiträge lieferten insbesondere die Bereiche Wohnen, Gesundheit und die Rubrik Sonstiges, während die Konsumausgaben für Nahrungsmittel deutlich zurückgingen, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Staat stützt BIP – Unternehmen vorsichtig

Der Staatskonsum nahm im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,8% zu. Die Bruttoanlageinvestitionen sanken im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,0%. Der Rückgang beläuft sich auf 1,5% bei den Ausrüstungsinvestitionen und 2,5% bei den Bauinvestitionen, wie es in der SECO-Mitteilung heisst. Nach einer im Durchschnitt starken Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen zwischen Ende 2010 und Anfang 2011, sei es im 2. Quartal zu einer Gegenbewegung auf relativ hohem Niveau gekommen.

Uhren glänzen bei den Warenexporten – sinkende Aussenhandelspreise (-1.8%)

Die Warenexporte (ohne Edelmetalle, Edel- und Schmucksteine sowie Kunstgegenstände und Antiquitäten) stiegen im 2. Quartal um 0,9%. Dabei hätten die Kategorien Chemikalien und verwandte Erzeugnisse sowie die Uhren positive Impulse geliefert. Die Exporte der Rubrik Maschinen, Apparate und Elektronik bildeten sich hingegen zurück.

Die Warenimporte (ohne Edelmetalle, Edel- und Schmucksteine sowie Kunstgegenstände und Antiquitäten) nahmen um 1,9% ab. Der Rückgang betraf fast alle Rubriken der Warenimporte, wie das SECO schreibt.

Die seit einigen Quartalen andauernde rückläufige Tendenz der Aussenhandelspreise setzte sich ebenfalls fort.  Die Exportpreise sanken um 1,8% und die Importpreise um 0,9%.

Dienstleistungsexporte stark im Minus

Die Dienstleistungsexporte sanken im 2. Quartal um 6,2%. Stark zu diesem Rückgang trugen die sehr volatilen Transithandelsgeschäfte bei. Die Tourismusexporte stagnierten. Ebenfalls rückläufig war die Entwicklung der Dienstleistungsimporte (-1,3%).

Wachstum dank Handel, Gastgewerbe, Verkehr und öffentliche Dienste – Industrie rückläufig

Auf der Produktionsseite trugen der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste (+0,9%) sowie der durch öffentliche Dienstleistungen geprägte Sektor (+0,7%) im 2. Quartal positiv zum BIP-Wachstum bei. Demgegenüber stagnierte die Wertschöpfungsentwicklung in der Industrie und verlief im durch Finanzmarktdienstleistungen geprägten Sektor gar leicht rückläufig (-0,1%).

Der Deflator des Bruttoinlandprodukts stieg um 0,8% im Vergleich zum 2. Quartal 2010. Ebenfalls im Vergleich zum Vorjahresquartal setzten die Preise für Ausrüstungsgüter ihren Rückgang, der seit Anfang 2009 zu beobachten ist, fort (-2,8%). Der Deflator der Bauinvestitionen nahm um 2,0% zu. Ohne gegenteilige Anmerkung werden die hier aufgeführten Veränderungsraten gegenüber dem Vorquartal (ohne Hochrechnung auf Jahresbasis) aus saison- und preisbereinigten Reihen berechnet. „Real“ steht dabei als Abkürzung für die Formulierung „zu Preisen des Vorjahres (Referenzjahr 2000).

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