Vom Grünbuch übers Weissbuch als Vorgabe ins Geschäftsbuch

Was dereinst auf Basis internationaler Rechnungslegung in den Geschäftsbüchern stehen soll, muss zuerst in einer breiten öffentlichen Diskussion geklärt werden. Basis für die fachliche Debatte bilden sogenannte Grün- und Weissbücher. Im Oktober 2010 hat die EU beispielsweise zum Thema Abschlussprüfung ein solches Grünbuch herausgegeben („Grünbuch der EU – Weiteres Vorgehen im Bereich der Abschlussprüfung: Lehren aus der Krise“). Mit dem Grünbuch will die EU auf Auswüchse reagieren, die zur Finanzkrise geführt haben. Ziel ist es, insbesondere die Wirtschaftsprüfung ab 2011 neu auszurichten.

Grün steht für noch nicht reif und weiss für konkrete Vorschläge

Mit Grünbüchern will man in bestimmten Themen Diskussionen anregen. Grün heisst es deshalb, weil eine Sache noch nicht reif ist – oder dann lediglich für klärende Debatten. Grünbücher sind eine Art Auslegeordnung für bestimmte Themenkreise. Sie enthalten Ideen und Handlungsoptionen und sollen schliesslich zu einer möglichst breit akzeptierten Strategie führen. In der Schweiz kennt man im Gesetzgebungsverfahren ebenfalls die Phase der Vernehmlassung, bei der Vor- und Nachteile eines  Gesetzes diskutiert werden, um allenfalls Änderungen am ursprünglichen Entwurf vornehmen zu können.
Inhalt von Weissbüchern sind dagegen schon konkrete Vorschläge, die es weiterzuentwickeln gilt.

Kernthemen: Unabhängigkeit, europäische Aufsicht, KMU

Beim Thema Wirtschaftsprüfung hatten interessierte Kreise knapp zwei Monate Zeit, Stellungnahmen abzugeben. Insgesamt gingen 688 Stellungsnahmen zur Thematik der Abschlussprüfung ein. Wichtige Ideen, die das Grünbuch aufgreift, sind die Gewährleistung der Unabhängigkeit von Abschlussprüfern, die mögliche Einrichtung einer Aufsicht für Abschlussprüfer auf europäischer Ebene sowie die Interessenwahrung kleiner und mittlerer Unternehmen. Insgesamt wurde das Grünbuch von der Branche sehr kritisch aufgenommen. Doch grün und blau ärgern muss sich die Prüfungsbranche nicht und rot sehen schon gar nicht. Bis zum Vorliegen eines verbindlichen Standards bedarf es noch einiger Diskussionen und Korrekturen.

Meilensteine 2011 zum Thema Wirtschaftsprüfung

  • Ende Mai 2011: Abstimmung im Rechtsausschuss
  • Sommer 2011: Erste Vorschläge für G 20
  • Frühherbst 2011: sogenannte High-Level-Konferenz
  • November 2011: voraussichtlich konkret formulierte Vorschläge von Richtlinien (allenfalls schon ein einem Weissbuch der EU-Kommission), welche die  Mitgliedstaaten der EU dann in nationale Gesetze umsetzen

Eine Auflistung sämtlicher Grünbücher der EU finden Sie hier.

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