Borrowing Base als Form der Wachstumsfinanzierung

Weinliebhaber schätzen die geschmackliche Note von Barrique. Doch die dafür nötige Lagerung ist zeitintensiv – mit der Konsequenz einer hohen Kapitalbindung. Mit dem in der Schweiz noch weitgehend unbekannten Kreditmodell des Borrowing Base lässt sich die Vorratshaltung gezielt für die Wachstumsfinanzierung einsetzen. Produktionsunternehmen in Europa greifen immer mehr auch auf diese in den USA verbreitete Finanzierungsform zurück. Vorteil: Der Kreditrahmen verändert sich entsprechend mit der Höhe des Umlaufvermögens.

Kredithöhe gemäss Buchwerten der Warenbestände

Im Gefolge der Finanz- und Eurokrise ist bei Banken per Gesetz ein anderer Umgang mit Risiken gefordert, was Auswirkungen auf die Gewährung von Firmenkrediten hat. Deshalb hielten Unternehmen bei der Finanzierung nach Alternativen Ausschau. Eine der möglichen alternativen Finanzierungsformen stellt Borrowing Base dar. Die Belehnungsgrundlage, wie sich Borrowing Base übersetzen lässt, kam ursprünglich bei international tätigen Handelsunternehmen sowie im Rohwarenhandel zum Einsatz. Beispielsweise können Käsereien in Italien ihre Lagerbestände an Parmesan als Sicherheit für Kredite einsetzen, was während der zweijährigen Reifephase zusätzlich Liquidität erschliesst.

Beim Borrowing Base bemisst sich die Kredithöhe an den Buchwerten der Warenbestände. Als wesentlicher Unterschied zur klassischen Kreditfinanzierung, bei der auf Bürgschaften und andere Kreditsicherungsinstrumente zurückgegriffen wird, fokussiert Borrowing Base ausschliesslich auf die Besicherung mittels Warenbestand und Forderungen.

Abbildung 1. Beispiel für einen Borrowing Base-Kredit

Regelmässige Meldung des Sicherheitsbestands

Basis der Kredithöhe ist der Bruttosicherungswert des Umlaufvermögens, von dem bestimmte Abschläge zu tätigen sind. Die Kredithöhe bemisst sich aus der Summe von Nettoforderungen und Nettowarenwert. Demnach schwankt die Höhe des Kredits mit den Sicherheitsbeständen. Dabei ist wichtig, dass Kreditgeber und Kunde jederzeit über den Umfang des beanspruchten Kredits Bescheid wissen. Der Kunde verpflichtet sich, dem Kreditgeber jeweils den Bestand der Sicherheiten zu melden (je nach Situation wöchentlich oder monatlich). Beleihungsgrundlage sind ausschliesslich Lagerbestände des Umlaufsvermögens wie Rohstoffe, Halbfabrikate und Fertigprodukte sowie Forderungen. Speziell eignen sich Endprodukte und Rohstoffe, da sich bei diesen Bilanzposten der Marktpreis leichter bestimmten lässt als bei den spezifischen Halbfabrikaten. Entscheidend aus Sicht der Kredit gebenden Bank im Fall eines Rückgriffs auf die Lagerbestände ist die schnelle und reibungslose Verwertung.

Instrument für Wachstumsfinanzierung ab einem bestimmten Umsatzvolumen

Da sich die Kredithöhe dem Umfang der Bestände in der Bilanz anpasst, ist die Finanzierungsform insbesondere für die Wachstumsfinanzierung geeignet. Borrowing Base ist auch für Unternehmen von Vorteil, die sich mit stark schwankenden Material- und Rohstoffpreisen herumschlagen müssen. Bei Preissteigerungen von Waren und Produkten lässt sich der grössere Finanzierungsbedarf dem höheren Umsatz anpassen. Als weiteren Vorteil lassen sich aufgrund der Besicherung bessere Zinskonditionen realisieren, da der normalerweise angesetzte Risikozuschlag reduziert werden kann. Borrowing Base kommt in Deutschland üblicherweise ab einem Umsatzvolumen von rund 10 Millionen Euro zum Einsatz.

Weitere Links

  • Eine spezialisierte Homepage zum Borrowing Base finden Sie hier.

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