Die Finanzmarktaufsicht nehmen die Banken insbesondere mit den Eigenkapitalvorschriften an die Kandare. Für die Unternehmen wird entscheidend sein, welche Auswirkungen die Regulierungs-massnahmen auf das Geschäft mit Firmenkrediten haben werden. Dustin R. Schütte vom Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen zeigt mögliche Konsequenzen auf. Accountingundcontrolling.ch hat ihm einige Fragen gestellt.
Wie beurteilen Sie allgemein die Auswirkungen der Eigenkapitalvorschriften für die Banken auf das Firmenkreditgeschäft?
Zu diesem Zeitpunkt ist es sicherlich noch schwer, belastbare Einschätzungen über die Auswirkungen der erhöhten Eigenkapitalvorschriften zu treffen. Die Regularien treten erst 2013 in Kraft, wobei für eine Reihe von hohen Anforderungen lange Übergangsfristen geschaffen wurden, die mögliche Kreditklemmen verhindern sollen. So ist beispielsweise die kapitalintensive Erhöhung der harten Kernkapitalquote von 2 auf 7 Prozent erst ab 2019 zu erfüllen.
Grundsätzlich steht es ausser Frage, dass die neuen Kapitalvorschriften Banken vor extreme Herausforderungen stellen werden. Die sich daraus ergebenden Entwicklungen können gegebenenfalls auch das Firmenkreditgeschäft belasten. Die Übergangsfristen geben Banken allerdings Zeit, durch erhöhte Gewinnthesaurierung, Eigenkapitalerhöhungen und/oder Risikoreduktion eine solidere oder weniger eigenkapitalintensive Bilanzposition aufzubauen. Hinzu kommt, dass ein Grossteil der Darlehen ohnehin über Kundeneinlagen finanziert ist. Inwiefern die neuen Vorschriften also das Firmenkreditgeschäft belasten, ist demnach auch deutlich abhängig vom Geschäftsmodell, dem Kapitalmarktzugang und den notwendigen Kapitalanpassungen der jeweiligen Bank.
Inwiefern verteuern sich die von den Geldinstituten gewährten Firmenkredite, falls das Eigenkapital bei den Banken mittelfristig das vorgeschriebene Niveau erreichen wird? Oder sehen Sie in dieser Hinsicht keine Auswirkung und warum nicht?
Potentielle Auswirkungen auf Kreditkosten ergeben sich daraus, wie Banken mit der Minderung der Eigenkapitalrendite umgehen, die sich aus den neuen Regulationen ergibt. Sofern die Aktionäre keine schlechtere Verzinsung des Eigenkapitals zulassen, müssen die Kosten für eine eigenkapitalintensivere Passivseite weitergegeben werden. Die Bank For International Settlements (BIS) hat hierzu zwei Implementierungsstudien (An assessment of the long-term economic impact of stronger capital and liquidity requirements und Interim Report. Assessing the macroeconomic impact of the transition to stronger capital and liquidity requirements) herausgegeben, wonach eine durchschnittliche Kreditverteuerung von rund 0,14% eintreten könnte.
Inwiefern die Kreditverteuerung an die Kunden weitergegeben werden kann, hängt vom Kundensegment und der Eigenkapitalrendite der Bank ab. Letzten Endes ist es also die Frage, in welchem Wettbewerbssegment sich die Bank befindet.
Falls sich eine Verteuerung bei den Firmenkrediten ergeben sollte, was würden Sie einem Finanzchef eines mittelständischen Unternehmens im Umgang mit den Banken raten?
Die Beantwortung dieser Frage hängt sicherlich vom Geschäftsmodell des Unternehmens ab. Handelsunternehmen mit grossem Umschlag aber kleinen Margen stehen mit grosser Wahrscheinlichkeit vor grösseren Schwierigkeiten als Unternehmen, die grösseren Spielraum in ihren Margen haben. Grundsätzlich investieren mittelständische Unternehmen oft lange, um eine solide und belastbare Bankbeziehung aufzubauen. Diesen Firmen ist zu raten, die Kommunikation mit der Bank zu suchen, um eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten.
Im Rahmen eines strikteren Risk-Managements werden die Banken vermutlich das Bonitäts-Rating von Firmenkunden strenger handhaben. Welche Möglichkeiten bei der Finanzierung hätten dann jene Gruppen von Firmen, deren Rating schlechter ausfällt?
Generell besteht für Firmen immer die Möglichkeit der Innenfinanzierung. Die neue Situation gibt vielen Unternehmen daher womöglich auch Anlass, ihren Finanzhaushalt effizienter zu gestalten. Die positive Nebenwirkung wäre dabei, dass beispielsweise Interest-Coverage-Ratios gesenkt werden könnten. Dies ginge mit einer Bonitätsverbesserung einher. Ferner könnten weitere Eigenkapitaleinlagen gemacht werden, um Banken mehr Sicherheit zu gewähren. Als letzten Ausweg besteht auch immer die Gelegenheit, den Zugang zum Eigenkapitalmarkt zu suchen. Dies ist allerdings eine langfristige Entscheidung.
Bei einem Zinsanstieg kann sich bei den Firmen die Situation bezüglich Liquidität rasch ändern. Damit könnte unter Umständen eine Verschlechterung des Ratings durch die Bank einher gehen. Inwiefern sollte eine Firma diese Frage beim Ansetzen der Debt Capacity intern berücksichtigen?
Unternehmen, die am Rande ihrer Debt-Capacity arbeiten, sollten sich generell bewusst sein, dass Zinsänderungen sehr negative Auswirkungen haben können, sofern die laufenden Kontrakte Zinsänderungsrisiko beinhalten. Diese Unternehmen können sich allerdings über Swaps oder Floater gegen Zinsänderungsrisiken absichern. Generell ist Unternehmen, die schon am Rande der Debt-Capacity arbeiten, allerdings von vornherein nicht zu empfehlen, zinsvariable Kredite aufzunehmen. Dementsprechend sollten Zinsänderungen dann auch keinen Einfluss auf momentane Ratings haben, da beispielsweise Interest-Coverage-Ratios konstant bleiben. Falls dennoch eine Verschlechterungen des Ratings eintritt, gilt es, wie zuvor erwähnt, die Investments mit mehr Eigenkapital zu unterlegen, um die Leverage herunterzusetzen oder Investments zu bevorzugen, die einen hohen Liquidationswert haben (Grundstücke, Immobilien, Fabriken im Ggs. zu Patenten oder Software). Hier sehen Banken oft weniger Risiko aufgrund höherer Sicherheiten.
Wir danken Ihnen für die Beantwortung der Fragen.
Hören Sie zudem, was Prof. Dr. Manuel Ammann, Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen, im Interview mit Radio DRS 1 (Tagesgespräch der Sendung Rendez-vous vom 10.2.2011) zur Regulierung von Banken sowie zur Finanz- und Eurokrise sagt.
Schlagworte: Basel III, Firmenkreditgeschäft