Gewerkschaften betonen bei Euro-Wechselkurs Signalwirkung des Mindestkurses

Der starke Franken bleibt für die Schweiz ein Dauerthema und die Massnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind Gegenstand von Diskussionen. Zwar begrüssen auch Fachkreise die Interventionen der SNB. Doch über die Höhe des Mindestkurses, den die SNB verteidigen soll, gehen die Meinungen auseinander. Insbesondere Arbeitnehmerorganisationen setzen sich für eine höhere Marke des Mindestkurses ein. Peter Lauener vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) hat accountingundcontrolling einige Fragen beantwortet.

Arbeitnehmerorganisationen, insbesondere die Gewerkschaft Unia, haben an einer Medienkonferenz vom 18. Oktober einen festen Euro-Wechselkurs von mindestens 1.40 Franken gefordert. Wie leiten Sie diesen Mindestkurs ab?

Peter Lauener: Der Franken ist mit etwas über 1.20 Fr./Euro nach wie vor extrem überbewertet. Das zeigt sich bei einem Vergleich mit Deutschland. Deutschland ist nicht nur der grösste Abnehmer von Schweizer Produkten und der wichtigste Herkunftsort der Schweizer Feriengäste, sondern auch der Standort der bedeutendsten Konkurrenten der Schweizer Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie (sog. MEM-Industrie). Gegenüber Deutschland war der Franken Ende 2009 bei einem Kurs von 1.50 Fr./Euro im historischen Vergleich fair bewertet. Seither war die Teuerung in Deutschland etwas stärker, womit der faire Kurs nun etwas darunter liegen dürfte. Auch mit 1.40 wäre der Franken immer noch überbewertet. 1.40 dürfte für zahlreiche Firmen aber ohne Stellenabbau tragbar sein.

Die Gewerkschaften sprechen im Zusammenhang mit dem starken Franken von „spekulativer Überbewertung“. Doch spielt beim Schweizer Franken nicht auch dessen Funktion als „Safe Heaven“ eine Rolle, insbesondere vor dem Hintergrund der Turbulenzen im Euroraum?

Der Franken hat sich dann aufgewertet, als die Nationalbank kommunizierte, dass sie nur noch übermässige Aufwertungen, nicht mehr alle Aufwertungen bekämpfen würde. Dieses Signal hat die Aufwertungsbewegung verstärkt.

Ist ein Mindestkurs von 1.40 Franken überhaupt realistisch und was wäre die volkswirtschaftliche Konsequenz eines solchen Niveaus der Währung?

Mit 1.40 ist der Franken immer noch überbewertet. Doch dieser Kurs würde für die Schweizer Wirtschaft gegenüber 1.20 eine deutliche Entlastung bedeuten. Damit könnten Arbeitsplätze erhalten und Löhne gesichert werden.

Die Schweizerische Nationalbank hat schon hohe Europositionen aufgebaut. Muss die SNB zur Schwächung des Frankens Ihrer Ansicht nach weiter auf diese Karte setzen oder sehen Sie andere Massnahmen, welche die Nationalbank noch ergreifen könnte?

Bevor die Nationalbank eine explizite Untergrenze eingeführt hat, hat sie viele Euro gekauft bzw. Franken verkauft, und die Abwertung zu stoppen versucht. Die explizite Untergrenze hat hingegen ermöglicht, ein Kursniveau durchzusetzen, ohne dass umfangreiche Eurokäufe notwendig waren. Darum ist es gegenwärtig wichtig, explizite Kursziele zu verfolgen. Solange die Zinsen im Euroraum höher sind als in der Schweiz und die Nationalbank glaubwürdig ist, dürfte sie Kursziele verteidigen können, ohne gross Franken zu verkaufen. Für den Fall, dass eine extreme Flucht in den Franken stattfindet, müssten ergänzend zum Kursziel administrative Massnahmen eingeführt werden (Kapitalverkehrskontrollen u.a.).

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Wir danken für das Interview.

Interviewpartner:
Peter Lauener ist Leiter der Kommunikation beim  Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB).

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