Bei der Rechnungslegung sind international ausgerichtete Konzerne immer mehr einer zunehmenden Regeldichte ausgesetzt. Für die im Nebensegment der Schweizer Börse kotierte Komax-Gruppe ist die Anwendung des Regelwerks IFRS/IAS nicht immer zweckmässig, wie Pascal Imfeld, Head of Group Controlling des Unternehmens sagt. Die Komax-Gruppe ist in den Bereichen Kabelverarbeitung, Photovoltaik und Medizinaltechnik tätig, wobei der Umsatz im Geschäftsjahr 2010 CHF 340.2 Mio. betrug.
Nach welchem Standard führt die Komax Schweiz die Rechnungslegung durch?
Der konsolidierte Abschluss der Komax Holding AG wird auf Basis der IFRS erstellt.
Was sind die Hauptkriterien für die Wahl des verwendeten Standards (z.B. Erschliessung neuer Kapitalmärkte)?
Der Standard wurde insbesondere aufgrund der Börsenkotierung 1997 implementiert, wobei das internationale Tätigkeitsfeld der Gruppe mitentscheidend war.
Mittlerweile sind die Geschäftsberichte grösserer Unternehmen zu Büchern herangewachsen. Können Sie kurz erläutern, welches für ein multinationales Unternehmen wie Ihres bei der Rechnungslegung der aufwändigste Bereich ist?
Nebst der Erstellung der eigentlichen Jahresrechnung (Bilanz, ER, Geldflussrechnung), bei der die teils komplexen Bewertungsvorschriften von IFRS vollumfänglich anzuwenden sind, besteht ein äusserst aufwändiger Teil insbesondere darin, den weitreichenden Offenlegungsvorschriften gerecht werden zu können.
In den letzten Jahren sind die internationalen Standards ständig angepasst worden. Wie gehen Sie mit der zunehmenden Regeldichte um?
Durch aktive regelmässige Informationsbeschaffung direkt an der Quelle (d.h. via IASB) oder über Fachzeitschriften, aber auch durch die Interaktion mit Revisionsstellen und den Besuch von Seminaren halten wir uns in Bezug auf die Entwicklung des Regelwerkes auf dem Laufenden und setzen uns frühzeitig mit allfälligen Neuerungen auseinander bzw. beurteilen die möglichen Auswirkungen auf die Jahresrechnung und den Ausweis. So lässt sich die zunehmende Regeldichte relativieren, weil nicht alle Neuerungen stets einen Einfluss auf das berichtspflichtige Unternehmen haben.
Sind die verwendeten Standards zweckmässig und wo sehen Sie allenfalls noch Handlungsbedarf?
Die Standards im Rahmen der IFRS sind mitnichten alle zweckmässig. Einige Standards sind durchaus sinnvoll und praktikabel, bei anderen ist die Durchsetzung und Anwendungsmöglichkeit fragwürdig. Generell besteht aus unserer Sicht momentan die Tendenz, bislang verständliche IFRS/IAS zu verkomplizieren und den Aufwand für die korrekte Anwendung somit um ein Vielfaches zu erhöhen. Aktuell trifft dies in etwa auf den Exposure Draft zur Erlöserkennung zu.
Was steht in Sachen Rechnungslegung zuoberst auf Ihrer Wunschliste?
Das Ziel, mit der Anwendung von IFRS bzw. der Angleichung zwischen IFRS und US GAAP international vergleichbare Unternehmensabschlüsse zu erhalten, wird meines Erachtens massiv verfehlt. Es werden immer mehr und komplexere Standards ausgearbeitet, die letztlich ein hohes Mass an Interpretation bedürfen und nach „Best practices“ verlangen. Gut fürs Revisionsbusiness, schlecht für die Bericht erstattenden Unternehmen.
Wir danken für die Beantwortung der Fragen.
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Interviewpartner:
Pascal Imfeld, Head of Group Controlling, Komax Holding AG