Gemäss St. Galler Management-Modell sind Unternehmen in verschiedene Sphären eingebettet. Bei der strategischen Planung sind technische, wirtschaftliche, soziale oder rechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Wollen Unternehmen langfristig erfolgreich im Markt agieren, müssen sie sich an Veränderungen in den verschiedenen Umweltsphären anpassen. Solchen Veränderungsprozessen sind Unternehmen dauernd ausgesetzt. Dramatische Veränderungen in der Umwelt können ein Unternehmen sogar akut bedrohen – für eine Anpassung der Strategie ist es dann zu spät. Deshalb sollten Unternehmen Veränderungen in den für sie relevanten Umweltsphären die nötige Beachtung schenken.
Dynamik und viele Variablen
Die Kybernetik bietet ein Instrumentarium, welches die Einflüsse der Umwelt auf Unternehmen beschreibt. Verschiedene Wissenschaftler haben zum Entstehen der Theorie beigetragen, wobei es Frederic Vester war, der den Ansatz in den 70er Jahren populär gemacht hat. Die Theorie zeigt auf, wie sich Zustände eines Systems verändern können und wie verschiedene Bereiche einander beeinflussen. Charakteristisch für ein komplexes System ist, dass es aus einer Vielzahl von Variablen besteht und dass die Veränderungsprozesse dynamisch ablaufen. Solche Systeme können hochdynamische Märkte sein oder ganze Volkswirtschaften. Auch in der Natur kennt man eine Vielzahl von Beispielen für dynamische Systeme. Weil in einem Fischteich natürliche Fressfeinde fehlen, wächst die Zahl der Karpfen derart stark an, bis das Nahrungs- und Platzangebot knapp wird. Diese Stresssituation führt dazu, dass sich die Population wieder reduziert, bis die Fische wieder genügend zu fressen haben. Entscheidend beim kybernetischen Ansatz ist der Begriff der Rückkoppelung. Sie ist innerhalb des Systems ein sich selbst verstärkender Regelkreis, wobei die Veränderungsrichtung positiv oder negativ sein kann.
Indikatoren zeigen Veränderungen frühzeitig
Nach der Auslegeordnung der relevanten Variablen aller wichtigen Sphären gilt es in einem zweiten Schritt im Rahmen des vernetzten Denkens die einzelnen Einflussgrössen zu kategorisieren. Im Fokus stehen dabei bestimmte Variablen, die sich aus Sicht des Unternehmens beeinflussen lassen. Andere Variablen reagieren stark auf äussere Einflüsse, entziehen sich jedoch praktisch einer direkten Einflussnahme. Es handelt sich um so genannte Indikatoren. Sie lassen Veränderungen in einer Umweltsphäre frühzeitig erkennen.
Neue Sichtweisen auf die Umwelt
Die Kybernetik erlaubt eine systematische Auseinandersetzung mit der Zukunft und der Umwelt sowie einen gezielten Einsatz der Ressourcen. Der Ansatz zeigt für ein Unternehmen mögliche Konsequenzen auf, wenn man ein System mit Extremwerten bestimmter Variablen durchdenkt (Sensitivitätsanalyse). Sie eignet sich zur Absteckung des Ereignisraums oder als Vorausanalyse zur Szenario-Technik. Die Methode ermöglicht bei der Planung neue Sichtweise auf die verschiedenen Umweltsphären.