Die Zahl von Wirtschaftsdelikten ging im letzten Jahr zwar leicht zurück, dennoch stieg in der Schweiz die gesamte Schadenshöhe um 66.8 Prozent auf CHF über 830 Millionen. Ursache für die massive Steigerung sind vier besonders schwere Fälle mit hohen Deliktsummen. Auffallend ist auch der im Vorjahresvergleich starke Anstieg von Delikten bei öffentlichen Verwaltungen. Dies sind die Ergebnisse des neusten KPMG Forensic Fraud Barometer. Von den Tätergruppen verursachten auch 2013 primär Angestellte in Kaderfunktionen das grösste Schadensvolumen (CHF 501,7 Mio.), im Vergleich zum Vorjahr waren allerdings weniger einfache Angestellte involviert (6 Fälle). Und: Es kam zu keinen Verurteilungen aufgrund von Delikten im Bereich der organisierter Kriminalität. Der Fraud Barometer umfasst Fälle von Wirtschaftskriminalität, die vor ein Schweizer Strafgericht zum Abschluss gelangen und einen Schadensbetrag von mindestens CHF 50‘000 aufweisen.
Geschädigte vor allem Finanzinstitute, Unternehmungen und Investoren
Das sich gesamtschweizerisch präsentierende Bild höherer Schadenssumme bei geringer Anzahl von Fällen lässt sich auch bei den Opferkategorien „kommerzielle Unternehmen“ und „Finanzinstitute“ erkennen. Das Berichtsjahr 2013 verzeichnete in diesen Kategorien insgesamt 12 Fälle (Vorjahr 21) bei einem Schadensvolumen von rund CHF 369 Millionen (Finanzinstitute) und CHF 167,6 Millionen (kommerzielle Unternehmungen), wie es in der Mitteilung heisst. Die starke Zunahme der Schadenssumme auf CHF 167,6 Millionen (2012: CHF 29,6 Mio.) ist auf diverse spektakuläre Fälle von Veruntreuung, Betrug und Geldwäscherei zurückzuführen.
Investoren waren 2013 zudem erstmals nicht mehr die am stärksten betroffene Opfergruppe.
Mehr Delikte bei öffentlichen Verwaltungen
Im Vorjahresvergleich stieg die Anzahl der Fälle, bei denen öffentliche Verwaltungen geschädigt wurden, um rund 80 Prozent auf total 18. Insbesondere bei Sozialversicherungsbetrug und ungetreuer Geschäftsbesorgung kamen laut Angaben 2013 je 8 Fälle vor ein Strafgericht. Täter waren mehrheitlich Staatsmitarbeitende in Kaderfunktion (7 Fälle), Angestellte waren in 3 Fällen kriminell aktiv.
Zürich fällt positiv auf, Tessin negativ
Die meisten Fälle von Wirtschaftskriminalität kamen im Vorjahr im Kanton Zürich vor Gericht, die Anzahl ging allerdings zurück von 30 auf 21 Fälle. Der Kanton Zürich verzeichnet der Mitteilung zu Folge im Vergleich nach wie vor das höchste Schadensvolumen (CHF 252,8 Mio.) Auffallend ist im Kanton Tessin die Gesamtschadenssumme (CHF 188,5 Millionen) in Kombination mit der geringeren Zahl von Fällen (5). Ähnlich präsentiert sich die Westschweiz (Schadensvolumen CHF 134,4 Mio. bei 2 Fällen). Ein verhältnismässig geringe Gesamtschadenssumme (CHF 6,5 Mio.) zeigt 2013 die Nordwestschweiz.
Hohe Dunkelziffer
Lange nicht alle betroffenen Unternehmen bringen Fälle von Wirtschaftskriminalität vor Gericht. Das Beratungsunternehmen KPMG geht laut Mitteilung deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus und rechnet damit, dass die Anzahl Fälle insgesamt weiter steigen wird, zumal Wirtschaftsdelikte meist erst nach 2 oder 3 Jahren aufgedeckt werden. Zudem müsse von einer Häufung der Fälle im Nachgang zur Finanz- und Wirtschaftskrise ausgegangen werden.
Spektakuläre Fälle von Wirtschaftskriminalität, die im Jahr 2013 von Gerichten behandelt wurden
Zu den Links geht es hier:
- http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Angestellter-einer-RussenBank-in-Genf-verurteilt/story/12399946
- http://www.tagesanzeiger.newsnetz.ch/schweiz/standard/Schwyzer-Firma-erbeutet-mit-Devisenbetrug-Millionen/story/19900284
- http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/leicht-gesenktes-strafmass-fuer-150-millionen-betrueger
- http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/geldwaescherei-in-astronomischer-hoehe-1.18165520