Swiss Economic Forum: Nouriel Roubini über Aktienmärkte, SNB und die Schweiz

Der Ökonom Nouriel Roubini trat am Donnerstag am Swiss Economic Forum in Interlaken auf. Im Interview mit der Berner Zeitung äussert sich Roubini zur Diskrepanz zwischen den Kursen an den Aktienmärkten und der Lage bei der Realwirtschaft mit den sehr durchschnittlichen Wachstumsraten. Roubini wagt auch Aussagen zur Eurozone. Zugleich stellt er der Schweiz ein gutes Zeugnis aus und er erklärt, was mit den SNB-Devisenreserven auch noch geschehen könnte.

Vier Hauptrisiken sind kleiner geworden

Für die Diskrepanz bei den Entwicklungen von Aktienmärkten und Realwirtschaft sieht Roubini mehrere Gründe. „Im vergangenen Jahr gab es vier Hauptrisiken: das Auseinanderbrechen der Eurozone, die sogenannte Fiskalklippe in den USA, einen abrupten Rückgang des Wachstums in China und die Gefahr eines Kriegs zwischen Israel und dem Iran.“ Diese Risiken in der Weltwirtschaft seien im Vergleich zum Vorjahr kleiner geworden, was sich in einem Anstieg der Aktienkurse widerspiegle. Allerdings könne dieses Missverhältnis zwischen der Situation an den Aktienmärkten und jener in der Realwirtschaft nicht ewig dauern. „Entweder beginnt das Wachstum in Europa, den USA oder Japan anzuziehen oder die Aktienpreise werden sinken“, so Roubini weiter.
Und wie sieht der Starökonom das Risiko eines Crashs an den Aktienmärkten? „Solange die expansive Geldpolitik in den Industrieländern anhält, sehe ich keine Gefahr eines Crashs. An den Aktienmärkten gibt es keine Blase. Die Aktien sind angesichts der guten Gewinnentwicklung der Unternehmen nicht überbewertet.“

Wahrscheinlichkeit fürs Weiterbestehen er Eurozone

Die Wahrscheinlichkeit, das die Eurozone bestehen bleibt und nicht – wie von vielen befürchtet – auseinander bricht, schätzt Roubini auf über 70 Prozent. Zugleich ordnet Roubini der Möglichkeit, dass kleine Länder wie Griechenland oder Zypern die Eurozone im Verlauf der nächsten drei bis fünf Jahre verlassen werden, ein Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent zu.

Solide Steuerpolitik der Schweiz

Lobende Worte hat Roubini für die Schweizer Volkswirtschaft übrig, vor allem verfüge die Schweiz über grossartige Institutionen. Es deute nichts darauf hin, dass die Erfolgsgeschichte der Schweiz bald zu Ende gehen könnte, so Roubini. In der Finanzkrise habe die Schweiz bewiesen, dass sie auch grössere Probleme bewältigen könne. Zudem sei es richtig, dass die Eigenmittelvorschriften der Banken verschärft worden seien. Und Roubini nennt einen weiteren Grund für den Erfolg der Schweiz: “Die Steuerpolitik ist sehr solid.“

Abbau der SNB-Devisenreserven kann lange dauern

Roubini macht zudem auf Möglichkeiten aufmerksam, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB)  mit dem hohen Bestand an Devisenreserven von rund CHF 500 Mrd. umgehen könnte. Es sei nicht zwingend, dass die Nationalbank die Reserven sofort loswerden müsse. „Möglich wäre auch, einen Teil der Gelder in einen Staatsfonds auszulagern, wie es andere Länder machen“, erklärt Roubini. Das erlaube es in grösserem Umfang als heute, Gelder in Aktien und Obligationen anzulegen. Allerdings verweist Roubini dabei auch auf gewisse Risiken, zumal es keinen einfachen und schnellen Weg gebe, die Währungsreserven abzubauen. Und auf die Frage, ob es Jahre dauern könne, bis die Devisen reduziert sind, sagte Roubini: „Ja, vielleicht sogar Jahrzehnte.“

International bekannt wurde Nouriel Roubini, Berater im Finanzministerium in der Regierung Clinton, weil er 2006, als wichtige Wirtschaftsregionen noch einen Boom verzeichneten, bereits warnende Aussagen zur Entwicklung auf den Finanzmärkten machte. Roubini ist Professor an der Stern School of Business in New York und Leiter der Firma Roubini Global Economics.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *