Im vergangenen Jahr stellten 18 Prozent der Schweizer Unternehmen mindestens einen Fall von Wirtschaftskriminalität fest. Meistens handelte es sich dabei um Fälle von Vermögensveruntreuung, während neu Cybercrime das zweithäufigste Wirtschaftsdelikt in der Schweiz ist. Dieser Befund widerspiegelt sich im wahrgenommenen Ausmass der Bedrohung durch Cybercrime. 52 Prozent der Befragten betrachten das Risiko von Cybercrime als gestiegen. Zu diesen Ergebnissen kommt die neueste Studie „Global Economic Crime Survey 2011 – Swiss Edition“ des Beratungsunternehmens PwC. Für die Studie befragt wurden 140 Schweizer Unternehmen.
Vermögensveruntreuung am häufigsten
Gegenüber 2009 ist der Anteil von Firmen, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen Deliktfall verzeichneten, jedoch nur geringfügig gestiegen – von 17 auf 18 Prozent. Häufigste Deliktart bleibt die Vermögensveruntreuung, die bei 80 Prozent der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen festgestellt wurde, wie PwC in der Medienmitteilung schreibt. „Aufgrund der turbulenten wirtschaftlichen Entwicklungen in jüngster Vergangenheit und unserer Marktwahrnehmung hatten wir einen stärkeren Anstieg erwartet“, sagt Gianfranco Mautone, Leiter Forensic Services bei PwC Schweiz. Den Anstieg um 16 Prozent gegenüber 2009 schreibt Gianfranco Mautone der Tatsache zu, dass Vermögensveruntreuung ein einfach zu verübendes Delikt und zudem unabhängig von der Hierarchiestufe des Täters ist, so PwC weiter.
Cybercrime boomt
Cybercrime sei neu die am zweithäufigsten begangene Deliktart, noch vor Spionage und Geldwäscherei, die sich mit je 12 Prozent Nennungen Platz 3 teilen. 20 Prozent der Befragten waren laut PwC schon Opfer von Cybercrime. In der Studie von 2009 war Cybercrime noch nicht einmal eine eigenständige Kategorie. Als Cybercrime bezeichnet die Studie Delikte, die mittels Computer und Internet verübt werden.
Reaktives Verhalten gegenüber Cybercrime
54 Prozent der Befragten nähmen Cybercrime primär als Gefahr von aussen wahr. Von der Hälfte der Befragten werde die Quelle dieser Bedrohung sowohl im In- als auch im Ausland vermutet. Die gefürchtetsten Auswirkungen von Cybercrime sind Rufschädigung (39 Prozent) und Datendiebstahl bzw. -verlust (38 Prozent), wie es in der Mitteilung zur Studie weiter heisst. Ein Grossteil der Unternehmen sei unzureichend auf Cybercrime vorbereitet und der Umgang mit Cybercrime eher reaktiv als initiativ. 52 Prozent der Befragten geben an, erst dann Hilfe bei einem externen Spezialisten zu holen, wenn sich bereits ein Vorfall von Cybercrime ereignet hat, wie es weiter heisst.
Mehr externe als interne Täter – und mehr bei übrigen Angestellten
Wie schon 2009 sei die Finanzbranche am stärksten von Wirtschaftskriminalität betroffen, denn 44 Prozent der entdeckten Fälle in der Schweiz entfallen auf diesen Sektor. 52 Prozent der erfassten Delikte gehen auf das Konto von externen Tätern, bei 40 Prozent der Fälle handelt es sich um Delinquenten aus den eigenen Reihen, wie PwC schreibt.
Bei den internen Tätern fällt im Vergleich mit den Zahlen von 2009 vor allem eine Verschiebung ins Auge, wie Ivo Hoppler, Partner Forensic Services & Corporate Resilience bei PwC Schweiz, ausführt: „Der Anteil von Tätern aus dem Senior Management ist bei 20 Prozent stabil geblieben. Weniger Täter sind im mittleren Management zu finden – der Anteil sank von 50 auf 10 Prozent -, während sich bei den übrigen Angestellten der Anteil mehr als verdoppelt hat – von 30 auf 70 Prozent.
Nach wie vor bestehe allerdings Grund zur Annahme, dass eine grosse Zahl von Wirtschaftsdelikten unentdeckt bleibe. Budgetkürzungen in den verschiedensten Unternehmensbereichen tragen mit dazu bei, dass die Delikterkennung bzw. -vorbeugung in vielerlei Hinseicht suboptimal bleibt, wie es in der Medienmitteilung weiter heisst.
